Sie geht ähnlich dem religiösen Karmaprinzip davon aus, dass eine Ursache für gegenwärtige Probleme in einem oder verschiedenen früheren Leben liegen kann. Durch das Erkennen oder Wiedererleben der Ursache soll besser verstanden werden, warum bestimmte Probleme gegenwärtig sind. Ein Heilungsversprechen wird dabei nicht abgegeben.
Betrachtung aus der Vergangenheit
Die Methode versucht, psychische Verletzungen oder andere Einschränkungen zu heilen, indem die Situation, die der Problemauslöser gewesen sein soll, noch einmal kathartisch durchlebt und mit Mitgefühl für sich selbst und andere Beteiligte aus der Vergangenheit betrachtet wird. Oft werden dazu hypnotische Techniken benutzt.
Die Reinkarnationstherapie wird durch einzelne Therapeuten oder Schulen praktiziert, aber sie gehört auch zu den Praktiken einiger neureligiöser Gruppen wie Scientology, Sonnentempler oder der Gruppe um Heide Fittkau-Garthe.
Rückführungen erleben
Von einer Rückführungstherapie ist eine blosse Rückführung zu unterscheiden. Es gibt Angebote, Rückführungen ohne therapeutische Zielsetzungen und auch ohne therapeutische Qualifikationen des Rückführenden erleben zu lassen. Bei der Rückführungstherapie wird eine Rückführung mit der Absicht durchgeführt, Probleme im aktuellen Leben zu heilen oder zu lindern. Der Rückführungstherapeut verfügt idealerweise über eine medizinische Ausbildung und ist mit dem Heilen von psychischen Krankheiten vertraut.
Die ersten Erfahrungen auf diesem Gebiet gewann Thorwald Dethlefsens 1968 in München mit Psychologiestudenten, die lustige Psycho-Experimente ausprobieren wollten. Zu dieser Zeit waren noch keine therapeutischen Absichten beteiligt.
Geschichte
Bereits in frühen Hypnosen tauchten Imaginationen von Rückführungen in frühere Leben auf. Trotz einigen mentalen und physischen Verbesserungen nach solchen Rückführungen wurden diese Methoden nicht innerhalb eines therapeutischen Rahmens durchgeführt. Andere Vorläufer der heutigen Rückführungstherapie waren Psychiater wie Alexander Cannon in Grossbritannien und Inacio Ferreira aus Brasilien, die heutige Probleme mit lang zurückliegenden Traumate zu erklären versuchten.
Der erste Psychiater, der damit begann, Menschen so zu behandeln und darüber Veröffentlichungen machte, war Denys Kelsey aus Grossbritannien, der 1968 das erste Buch über Rückführungstherapie veröffentlichte. Doch die Methoden, die er verwendete, waren immer noch die der klassischen Hypnotherapie. Seit 1951 wurde in der frühen Scientology-Kirche mit reinkarnationstherapeutischen Methoden gearbeitet. Seit den 80ern hat sich der Begriff Rückführungstherapie oder Regressionstherapie bei den Praktizierenden durchgesetzt.
Von Trance, Hypnose bis Meditation
Es werden verschiedene Techniken angewandt, um die «Rückführungserfahrung» zu erreichen. Viele Therapeuten arbeiten mit Methoden, die eine leichte Trance oder Hypnose erzeugen, beispielsweise durch holotrope Atmung. Andere Therapeuten arbeiten mit Meditation. Es gibt auch Methoden, die ohne solche Techniken auskommen.
Ein guter Rückführungstherapeut bespricht in einem ausführlichen Vorgespräch mit dem Klienten, welche Fragen er in der Rückführung klären will. Einige Rückführungstherapeuten, beispielsweise Dr. Brian Weiss, bieten auch Reisen in zukünftige Leben an, um zu sehen, wie die noch bevorstehenden Inkarnationen gestaltet werden und wie man im aktuellen Leben darauf Einfluss nehmen kann.
Bei der eigentlichen Rückführung wird der Klient meistens erst in seine eigene Kindheit geführt. Dabei kann auch das Erleben der Geburt und die Zeit während der Schwangerschaft erinnert werden. Danach führt der Therapeut den Klienten zu dem Ort innerhalb des frühen Lebens, an den er reisen möchte, um seine Fragen beantwortet zu bekommen. Nach dem Betrachten einiger vergangener Leben ist auch ein Betrachten der Zeit im Jenseits zwischen den einzelnen Leben möglich.
Nicht wissenschaftlich bewiesen
Die Reinkarnationstherapie wird von der wissenschaftlich begründeten Psychotherapie abgelehnt, da die Vorstellung der Reinkarnation niemals wissenschaftlich bewiesen werden kann. Befürworter halten dagegen, dass eine Therapiemethode schon alleine dann als erfolgreich angesehen werden kann, wenn der Klient danach mit seinem Lebensumständen besser zurecht kommt, selbst wenn es so sein sollte, dass bei dieser Methode lediglich die Fantasien des Unterbewusstseins betrachtet werden sollten.
Es wäre vielleicht möglich, einen empirischen Nachweis über die Wirksamkeit der Reinkarnationstherapie im Hinblick auf eine Heilung psychischer Probleme zu erbringen, doch wurde dieser Nachweis bisher noch nicht erbracht. Zu prüfen, ob die Erlebnisse einer Rückführung nur der Fantasie entspringen oder tatsächlich mit historischen Gegebenheiten übereinstimmen, ist ohnehin nicht die Aufgabe der Reinkarnationstherapie, sondern der Reinkarnationsforschung. Es gibt Berichte von Klienten, die viele geographische Details von Orten einer früheren Inkarnation sahen, die anschliessend überprüft und verifiziert werden konnten. In den meisten Fällen ist die historische Verifikation aber für den Klienten gar nicht von Interesse.
Risiko bei Heilern mit unzureichendem medizinischem Wissen
Da der Begriff Rückführungstherapeut kein geschützter Begriff ist, haben Rückführungstherapeuten in vielen Fällen keine medizinische Ausbildung. So besteht die Gefahr, dass medizinische Kontraindikationen nicht erkannt werden oder sich ergebende psychische Probleme aus der Rückführungserfahrung nicht mit der gebührenden Sorgfalt behandelt werden.
Diese Kritik trifft gar nicht die Reinkarnationstherapie im Speziellen, sondern alle anderen Therapiemethoden genauso. Ein Therapeut mit unzureichender medizinischer Kenntnis ist immer ein Risiko. Wer eine Rückführung erleben möchte, sollte sich nur jemandem anvertrauen, der auch eine fundierte psychologische und medizinische Ausbildung hat und entsprechende Erfahrungen vorweisen kann.
Quelle: wikipedia.de



