Sprachen in der Primarschule

Lochmatter: «Englisch als erste und einzige Fremdsprache»

Englisch wird im Oberwallis ab der fünften Primarschule gelehrt.
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Englisch wird im Oberwallis ab der fünften Primarschule gelehrt.
Foto: Keystone

Quelle: 1815.ch /map 12

In den Schweizer Primarschulen werden zwei Fremdsprachen gelernt. Im Wallis sind dies Französisch und Englisch. Werden die Grundschüler dadurch überfordert? Die Direktoren der Schulen Brig, Visp und Naters äussern sich dazu und erklären, welche Sprache Vorrang haben sollte.

In der Sprachenstrategie der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren heisst es: «Alle Kinder in der Schweiz lernen in der Primarschule zwei Fremdsprachen, die erste spätestens ab der dritten Klasse, die zweite spätestens ab der fünften Klasse.»

Das sogenannte Modell 3/5 ist stark umstritten. In mehreren Kantonen wurden in den vergangenen Monaten politische Vorstösse eingereicht, die verlangen, dass auf der Primarstufe nur noch eine Fremdsprache unterrichtet wird. Die Kinder seien mit zwei Fremdsprachen überfordert, so die Kritik.

Diese Ansicht vertritt auch der Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, der rund 50 000 Lehrkräfte vertritt. Falls sich die Bedingungen nicht bessern würden, sollte die zweite Fremdsprache nur noch als Wahlpflichtmodul unterrichtet werden, so dieser in einer Stellungnahme.

Im Oberwallis wird die zweite Landessprache Französisch ab dem 3. Schuljahr unterrichtet. Es folgt Englisch ab dem 5. Schuljahr. Im Unterwallis wird ab dem 3. Schuljahr Deutsch unterrichtet, ab dem 5. Schuljahr Englisch.

Mehr Unterrichtszeit für naturwissenschaftliche Fächer

Robert Lochmatter, Direktor der Schulen Brig-Glis, hat sich in der Ausgabe 2013 der Infoschrift Schulen «BRIGGA» ebenfalls zu diesem Thema geäussert: «Persönlich finde ich, dass zwei Fremdsprachen auf Stufe Primarschule zu viel sind. Ich würde es begrüssen, wenn man schweizweit in der Primarschule als erste und einzige Fremdsprache Englisch unterrichten würde und ab Orientierungsschule dann eine der Landessprachen - im Oberwallis Französisch.»

Auf diese Weise, so die Argumente des Schuldirektors, würde in der Grundschule mehr Zeit für die Muttersprache und naturwissenschaftliche Fächer bleiben. Gerade letztere kommen seiner Ansicht nach im Vergleich mit anderen Ländern zu kurz.

Er gibt zu bedenken, dass paradoxerweise gerade durch einen zu starken Akzent auf die Mehr- und Vielsprachigkeit die Schweiz den Anschluss an die Herausforderungen der globalisierten Welt verlieren könnte.

Überforderung bei schwächeren Schülern

Bruno Schmid, Schuldirektor der Visper Schulen, räumt ein: «Bei schwächeren Schülern kann eine gewisse Überforderung da sein. Bei Schülern mit Migrationshintergrund ebenfalls, weil schon Deutsch für sie eine Fremdsprache ist, vor allem, wenn sie erst seit kurzem in der Schweiz sind.»

Die zweite Fremdsprache als Wahlpflichtmodul anzubieten, wie es der Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer vorschlägt, hält er für wenig sinnvoll. Dies hätte zur Folge, dass in der 1. OS nicht alle Schüler am gleichen Ort abgeholt würden.

Welche Sprache Vorrang haben muss, ist für Schmid klar: «Im bilingualen Kanton Wallis ist die erste Fremdsprache Französisch. Das soll so bleiben.»

Anfängliche Zweifel verflogen

Norbert Zurwerra, Direktor der Natischer Schulen, kann keine Überforderung der Primarschüler durch zwei Fremdsprachen feststellen: «Nach den bisherigen Erfahrungen der Lehrpersonen ist der Umgang mit Sprachen für die Kinder alltäglich und ganz natürlich.»

Anfängliche Zweifel der Eltern, etwa Befürchtungen, dass sich die Sprachen vermischen und die Kinder verwirrt werden, seien inzwischen verflogen. «Es stellte sich eher heraus, dass die Schüler Zusammenhänge entdecken und Wörter genau aus dem Grund verstehen, weil sie diese in der jeweils anderen Sprache gelernt haben.»

Die zweite Fremdsprache als Wahlpflichtmodul anzubieten, hält er ebenfalls nicht für sinnvoll: «Dies würde erhebliche organisatorische Probleme und Unruhen mit sich bringen.» Die Erfahrungen würden zeigen, so der Natischer Schuldirektor, ob Anpassungen notwendig sind.

Grundlegende Zweifel am System hegt er keine: «Für einen zweisprachigen Kanton wie das Wallis kommt nur der eingeschlagene Weg in Frage: Im Oberwallis wird Französisch als erste und Englisch als zweite Fremdsprache unterrichtet.»

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Kommentare

  • Daniel aus der Löwengrube - 00

    Heute treffen wir immer wieder auf Situationen wo die englische Sprache einfach unabdingbar ist.
    Heute, wo mehr und mehr auch der globale Gedanke zählt, ist die englische Sprache im alltäglichen Leben einfach nicht mehr wegzudenken.
    Also sollten wir uns öffnen und unseren Kindern nun die Chance geben die weltoffene Sprache zu lernen. Wenn alle das Gleiche tun, klappt’s sicher auch mit dem Nachbarn

  • Daniel aus der Lowengrube - 00

    ... Denken wir einmal nach vorne, über unseren Nasenspitz hinaus aus, kommen mal aus unseren kleinen Schulzimmerchen heraus und schauen was in der grossen weiten Welt so los ist. Tag täglich werden wir heute mit der englischen Sprache konfrontiert, sei es auf höheren Schulen, bei der Arbeit oder im alltäglichen Leben, in den Ferien oder am PC (z.B. Internet). ....

  • Daniel aus der Lowengrube - 00

    Auch ich bin der Meinung, dass unsere Kinder Englisch als 1.Fremdsprache lernen sollten!
    Kommen wir doch endlich weg von diesen kleinkarierten und veralteten Denkmustern.Landessprache, Nachbarsprache oder Patrioten Gedanken hin oder her, wir sollten unseren Kindern endlich die Möglichkeit geben sich auch Global zu verständigen. ...

  • Christine - 00

    3/4 unseres Kantons sind Unterwalliser! Die Beziehungen zwischen Ober- und Unterwallis sind nicht gerade harmonisch und die Politik wird zunehmend vom Unterwallis dominiert. Was nützt es da, noch lange mit dem Kantönligeist zu argumentieren? Lerne Französisch und du kannst im Unterwallis einkaufen - lerne Englisch und du bist gewappnet für die ganze Welt!!!

  • Lehrer von Beruf - 00

    Englisch als 1. Fremdsprache zu lernen, ist doch sehr sinnvoll! Im Internet, auf Reisen im Ausland, Fachliteratur während des Studiums, Musik usw. schlägt man sich mit Englisch überall relativ gut durch. Meine persönliche Erfahrungen zeigen mir eindeutig, dass meine Englischkenntnisse für mich weitaus mehr von Nutzen sind, als meine Französischkenntnisse! Englisch ist eine Weltsprache!

  • Peter - 00

    Meine Erfahrung im Unterwallis spricht kaum jemand Deutsch. Hingehen im Oberwallis wenn Unterwallis zu Gast ist sollte man sollte perfekt Franz sprechen! Grundsätzlich: Warum man eine Zweite Fremdsprache in der Schule auf "zwang" lernt, bleibt ein Rätsel. Die meisten Leute können ja nichtmal richtig "hochditsch" reden. Sehe das Täglich!

  • Tschikai - 00

    Es ist absolut möglich/notwendig, dass in der höheren Primarschule 2 Fremdsprachen unterrichtet werden. Französisch muss sicher Priorität haben, denn es ist die 2. Sprache in unserem Kanton. Unterschätzt unsere Kinder nicht, die sind, mit wenig bedauerlichen Ausnahmen, sehr lernfähig! Das ist keine Überforderung!

  • polotz - 00

    Interessant, dass man nur Schuldirektoren befragt - keiner der 3 befragten Direktoren hat diesbezüglich Erfahrung - und nicht jene Lehrpersonen der 5. & 6. Klasse, welche die beiden Sprachen und die anderen Fächer auf der Primarstufe auch wirklich unterrichten.

  • Fachfrau - 00

    Um Himmels Willen! In einem zweisprachigen Kanton lernt man die Sprachen des Kantons - also Deutsch und Französisch oder umgekehrt. Gibt es im Kanton dieser Zweisprachigkeit wegen nicht schon genug Missverständnisse und Probleme? Englisch gehört in die OS Wer mehr Englisch braucht, wird es sich aneignen. Zudem wird hier die weltweite Wichtigkeit der französischen Sprache verkannt.

  • Grichting Nicolas - 00

    Der Direktor aus Brig-Glis scheint ja komplett in einer anderen Welt zu leben. Im Kanton Wallis, aber auch schweizweit gesehen kommt man mit sehr gutem Franz und einigermassen verständlichen Englisch immer noch am weitesten. Das weiss ich aus eigener Erfahrung. Französisch ist ein absoluter Pluspunkt, genau weil viele der Meinung sind, diese Sprache sei nicht mehr so wichtig.

  • lena - 00

    Es ist schwieriger eine weitere Fremdsprache zu lernen, sobald man mal Englisch kann. In Sprachschulen im Ausland wird dann ausserhalb des Unterrichts oft Eng gesprochen, weil es schneller geht. Französisch ist eine gute Ausgangslage für Eng, Italienisch/Spanisch.
    Ausländische Kinder sind nur überfordert/verwirrt, wenn sie neben dem gesprochenen VSdeutsch zeitgleich noch Hochdeutsch lernen.

  • Schnyder - 00

    Ich unterrichte selber und JA für viele Kinder ist das Erlernen von Fremdsprachen eine unglaubliche Überforderung. Eine Fremdsprache genügt, solange man eine zweite oder gar eine dritte als Wahlfach anbietet!
    Letztlich sind wir Schweizer und dann sollte wohl klar sein, welche Fremdsprache obligatorisch sein sollte?
    Wer das Englisch braucht, der wird es noch lernen.

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