Pharmazie | Update: Rund 96'000 Dosen betroffen

Firma aus Martinach fälschte Verfallsdaten von Kinderkrebsmittel

Das Bezirksgericht Martinach hatte die Verantwortlichen 2016 lediglich zu einer Geldstrafe verurteilt.
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Das Bezirksgericht Martinach hatte die Verantwortlichen 2016 lediglich zu einer Geldstrafe verurteilt.
Foto: zvg

Quelle: 1815.ch 1

Das Krebsmedikament ist nur 18 Monate haltbar, der Verkauf verläuft stockend. Grund genug für Alkopharma, die Verfallsdaten zu fälschen. Das Bezirksgericht in Martinach verurteilt die Verantwortlichen 2016 zu Geldbussen. Swissmedic hat den Fall allerdings an die nächste Instanz weitergezogen.

Die Firma Alkopharma aus Martinach hat Verfallsdaten auf Tausenden Medikamentenfläschchen gefälscht. Sie wollte auch abgelaufene Dosen noch verkaufen, obwohl deren Wirkstoff beeinträchtigt war. Laut Angaben, die die Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic gegenüber der «SonntagsZeitung» macht, soll es sich dabei um 96'000 Stück handeln. Die meisten Dosen des Krebsmedikamentes gingen nach Frankreich. 2473 landeten bei Schweizer Spitälern. Laut Swissmedic haben 85 Prozent davon falsche Ablaufdaten.

Das Bezirksgericht Martinach hat die Verantwortlichen 2016 zu Bussen von 6500 Franken und 5000 Franken verurteilt; meinte aber auch, dass keine Gefährdung für die Gesundheit der betroffenen Pateinten bestand. Dies sieht Swissmedic, die ebenfalls ermittelte, laut «SonntagsZeitung» anders: Alkopharma habe die Patienten ganz klar einem Risiko ausgesetzt. Der Fall ist deshalb an die nächste Instanz weitergezogen worden. «Wenn man zu wenig von dem Medikament einsetzt, verliert es seine Effizienz gegen den Tumor», so ein Krebsspezialist in seiner Einvernahme durch das Gericht.

Das Inselspital hat 23 Patienten identifiziert, die mit dem Medikament behandelt wurden. Zum Zeitpunkt des Prozesses waren 16 auf dem Weg der Besserung, vier erlitten Rückfälle, drei starben. Alle drei waren Kinder. Auch das Universitätsspital Basel und die Kantonsapotheke Zürich erhielten das Medikament, allerdings in geringer Menge. «Die Affäre ist in ihrer Grössenordnung bisher einzigartig für die Schweiz», so Swissmedic gegenüber der «SonntagsZeitung».

Hersteller wurde aufmerksam

Alkopharma bestellte offenbar ab 2005 von einem deutschen Labor mehrere Lieferungen Thiotepa. Weil bereits zwei Jahre später der Verkauf stockte und noch weitere Lieferungen kamen, begann die Firma, die Dosen mit falschen Ablaufdaten zu etikettieren. Dadurch konnten sie trotzdem noch verkauft werden. Die Haltbarkeit von Thiotepa beträgt nur 18 Monate; entsprechend war die Wirksamkeit des Medikaments beeinträchtigt. Gleichwohl verkaufte die Firma noch bis 2011 über 100'000 Dosen Thiotepa, von denen laut Swissmedic der grösste Teil falsch angeschrieben war.

Die Fälschung flog auf, als der deutsche Hersteller bemerkte, dass noch Thiotepa im Umlauf war, das längst hätte abgelaufen sein müssen. Das Heilmittelinstitut begann mit den Ermittlungen. 2016 folgte der Prozess. Die Verantwortlichen der Walliser Firma gaben die Fälschungen zu, das Bezirksgericht in Martinach verurteilte zwei von ihnen zu Bussen von mehreren tausend Franken. Auch Swissmedic sprach Bussen aus.

Strittig ist die Frage, ob das Leben der Patientinnen und Patienten aufs Spiel gesetzt wurde. Für Swissmedic ist dies klar der Fall – die Zulassungs- und Aufsichtsbehörde hat den Fall deshalb an die nächste Instanz weitergezogen. Der Prozess soll laut «Le Matin Dimanche» und «SonntagsZeitung» bald beginnen. Die betroffene Firma im Wallis ist inzwischen aus dem Handelsregister gelöscht.

map/sda

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Kommentare

  • Arthur Heinzmann, Visp - 161

    Wenn man bedenkt, dass diese Firma Kinderleben gefährdet hat und - wie es aussieht - sogar (mindestens) drei davon ausgelöscht hat und dann noch diese unglaublich "hohe" Strafe ansieht, so muss man sich doch wirklich die Frege stellen: "wer ist denn hier der schlimmere Verbrecher? die Firma, oder der Richter, der diese Firma noch belohnt" ???

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