Frontal | Alain Guntern, Präsident Gewerbeverein Brig

«Die Ladenöffnungszeiten müssen flexibler werden»

Alain Guntern: «Das Gewerbe ist immer in Bewegung.»
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Alain Guntern: «Das Gewerbe ist immer in Bewegung.»
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Er ist Apotheker und seit anderthalb Jahren Präsident des Briger Gewerbevereins. Alain Guntern (45) über die Herausforderungen des Detailhandels.

Herr Guntern, der Winter steht vor der Tür und die nächste Grippewelle ist im Anmarsch. Haben Sie sich schon impfen lassen?
Ja, ich habe mich impfen lassen.

Von Ihren Angestellten?
Nein, von meiner Frau, die ebenfalls Apothekerin ist wie ich. In meinem Betrieb arbeiten auch zwei Apothekerinnen, die ebenfalls die Zusatzausbildung gemacht haben, um zu impfen. Selbstverständlich würde ich mich auch von ihnen impfen lassen.

Nicht alle finden eine Impfung sinnvoll…
Ich finde es wichtig, dass man sich impfen lässt. Ganz einfach darum, weil es wirksam und kostengünstig ist. Wichtig ist, dass man zwischen einer Grippe und einer Erkältung unterscheidet. Viele Leute holen sich eine Erkältung, gegen die man sich nicht durch eine Impfung schützen kann. Eine Grippe kommt immer sehr schnell und äussert sich in hohem Fieber, Gelenkschmerzen und Müdigkeit. Bei einer Erkältung sind die Symptome milder und meist hat man Schnupfen. Dies ist bei einer Grippe nicht üblich.

Wie gross ist die Nachfrage, sich ­impfen zu lassen?
Wir haben jeden Tag mehrere Anfragen. Allerdings können sich nicht alle Leute in der Apotheke impfen lassen. Leute über 65 oder solche, die in ärztlicher Behandlung sind, sollten besser zum Arzt gehen. Der Vorteil beim Impfen in der Apotheke ist der, dass die Impfung schnell und unkompliziert gemacht wird und man auch ohne Anmeldung vorbeikommen kann.

Wird der Apotheker immer mehr zum Arzt?
Nein. Die Aufgabengebiete sind klar getrennt. Vielfach macht aber der Apotheker eine Art Triage. Das heisst, schon ein kurzes Gespräch mit einer Gesundheitsfachperson kann weiterhelfen. Je nach Beschwerden raten wir der betroffenen Person, den Hausarzt aufzusuchen, in den Notfall zu gehen oder wir empfehlen ein Medikament aus der Apotheke. Dieses Vorgehen entlastet auch die Hausärzte.

Sind die Leute heute kränklicher als früher?
Das ist schwer zu beantworten. Durch die allgemeine Gesundheitsprävention sind die Leute heute sensibler als früher und hören mehr auf die Signale ihres Körpers. Sie sind besser informiert und handeln entsprechend. Viele Leute informieren sich im Internet über ihre Beschwerden. Andere gehen in die Apotheke und wieder andere suchen den Hausarzt auf.

Weihnachten rückt näher. Im Detailhandel sind Kleider oder Spielwaren der Renner, was für ein Weihnachtsgeschenk kauft man sich in der Apotheke?
Wir stehen in erster Linie für Gesundheit, Wohlbefinden und Schönheit. Es würde jetzt den Rahmen sprengen, wenn ich hier alle Produkte aufzählen würde. Aber
allein für das Wohlbefinden und die Schönheit gibt es viele Sachen, die man unter den Weihnachtsbaum legen kann.

Spüren Sie schon eine vorweihnachtliche Stimmung in der Simplonstadt?
Noch ist es eher ruhig. Aber sobald die Eisbahn aufgebaut wird, ist die Weihnachtsstimmung sicht- und spürbar. Aber die verschiedenen Schaufenster sind natürlich schon weihnachtlich gestaltet. Was mich persönlich ein bisschen stört ist, wenn man mit der Weihnachts­dekoration zu früh anfängt. Erst ab dem 1. Advent sollte man sich auf Weihnachten einstimmen.

Das Weihnachtsgeschäft ist für die Gewerbetreibenden die wichtigste Einnahmequelle des Jahres. Hat sich das Briger Gewerbe eine spezielle Strategie überlegt?
Das Weihnachtsgeschäft ist sehr wichtig und das Gewerbe macht in dieser Zeit einen guten Umsatz. Natürlich sind wir in Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde und dem Tourismus bemüht, eine weihnachtliche Stimmung in unser Städtchen zu tragen. Dazu gehört die Eisbahn ebenso wie die Glühweinverkaufsstände, die jedes Jahr viele Einheimische und Gäste anlocken.

Geht dieses Rezept auf?
Es funktioniert gut und wir sind sehr zufrieden. Die Glühweinstände auf dem Sebastiansplatz werden gut besucht und auch die Eisbahn lockt viele Kinder und Erwachsene an. Wenn jetzt noch ein bisschen Schnee fällt, dann sind wir zufrieden. Letztlich trägt die weihnachtliche Ambiance dazu bei, dass das Geschäft auch angekurbelt wird.
Trotzdem hat man den Eindruck, dass immer mehr Geschäfte in Brig-Glis zugehen und Laden­flächen frei werden.

Wie gehen Sie dagegen an?
Das Gewerbe ist immer in Bewegung. Selbstverständlich sind in den letzten Jahren ein paar Geschäfte zugegangen, aber es sind auch ein paar neue Lokalitäten aufgegangen. Fakt ist: Der stationäre Detailhandel steht vor grossen Herausforderungen. Das hat damit zu tun, dass viele Leute heute auf das Online-Shopping zurückgreifen und von daheim aus einkaufen. Nur mit guter, persönlicher Beratung und einem speziellen Sortiment können wir diesem «Trend» entgegenhalten. Aber ein eigentliches Patentrezept dagegen gibt es nicht. Auch der harte Schweizer Franken macht uns zu schaffen. Das hat zur Folge, dass immer mehr Einheimische im benachbarten Ausland einkaufen oder ortsansässige Firmen in Domodossola ihr Weihnachts­essen machen. Das kann ich nur bedingt nachvollziehen. Wenn es nur noch darum geht, möglichst billig einzukaufen oder zu konsumieren, finde ich das schade. Damit schneidet man sich früher oder später ins eigene Fleisch.

Während in Brig-Glis eine gewisse Stagnierung festzustellen ist, rüstet man in Visp auf. Läuft Ihnen Visp bald den Rang ab?
Das sehe ich nicht so. Visp ist für uns keine eigentliche Konkurrenz, auch wenn aufgrund der Ansiedlung der Geschäfte rund um den Bahnhof dieses Gefühl entstehen könnte. Visp hat in den letzten Jahren sehr viel richtig gemacht, nicht zuletzt auch deshalb, weil in Zentrumsnähe sehr viele Parkplätze entstanden sind. Das wiederum wirkt sich auf das Konsumverhalten aus. Uns macht mehr die schnelle Bahnverbindung ins Berner Oberland zu schaffen. Früher sind die Leute ins Placette gefahren, heute fahren die Einheimischen nach Thun zum Einkaufen.

Wie ist das Einvernehmen unter den ­Gewerbetreibenden?
Sehr gut. Mein Wunsch wäre es allerdings, dass sich das Walliser Gewerbe ein bisschen mehr in Szene setzt. Wir haben zwar einen aktiven Gewerbeverband, aber die Zweisprachigkeit verhindert eine engere Zusammenarbeit.

Sie wirken nach aussen optimistisch und ­dynamisch. Konkret – was haben Sie seit ­Ihrer Wahl zum Präsidenten des Gewerbevereins Brig-Glis bewirkt?
Wir haben den Dialog miteinander intensiviert und können einen Mitgliederzuwachs von 15 Prozent verzeichnen. Das ist ein gutes Signal. Auch die Zusammenarbeit und der Austausch mit dem Tourismus und der Gemeinde sind hervor­ragend. Zudem haben wir für gewisse Events wie die «Goudron Bike Days» den Anstoss gegeben. Auch bei der Neuanschaffung der Abfallkübel und der Weihnachtsbeleuchtung unterstützen wir die Gemeinde.

Was haben Sie sich zum Ziel ­gesetzt?
Wir müssen gemeinsam auftreten und die Ideen verwirklichen. In erster Linie müssen wir unser Wahrzeichen, das Stockalperschloss, besser vermarkten. Das kann mit Führungen, aber auch durch Produkte passieren. Hier ist auch der Gewerbeverein gefordert. Wichtig ist es, das Schloss gut zu positionieren und dadurch möglichst viele Gäste ins Oberwallis und nach Brig-Glis zu bringen.

Es ist ein offenes Geheimnis: Brig-Glis möchte gleich lange Ladenöffnungszeiten wie die Tourismusgemeinden. Warum?
Als das Eidgenössische Jodlerfest in Brig-Glis stattgefunden hat, haben wir uns mit dieser Frage auseinandergesetzt. Wenn das Bedürfnis da ist und viele Leute zu einem Anlass nach Brig kommen, finde ich es schade, wenn die Geschäfte geschlossen bleiben müssen. Hier ist die Politik gefordert. Das Wallis sollte den Mut haben, das aktuelle Gesetz über die Ladenöffnungs­zeiten zu überarbeiten und flexibler zu gestalten. Das heisst, die Laden­öffnungszeiten müssen den Gewohnheiten der Bevölkerung angepasst werden. Dabei müssen die Geschäfte nicht 24 Stunden oder jeden Sonntag geöffnet sein. Aber man muss in der Handhabung der Öffnungszeiten flexibler werden. Die momentane Diskussion im Grossen Rat, die Ladenöffnungszeiten von einem möglichen auf vier mögliche Sonntage auszuweiten, finde ich mittlerweile nur noch lächerlich.

Dieses Jahr bleiben die Geschäfte in Brig-Glis am 24. Dezember geschlossen. Ärgert Sie das?
Ich finde das in Ordnung. In Brig-Glis ist am 8. Dezember der Sonntagsverkauf, und wir haben an diesem Tag viele Animationen in der Stadt. Das hat sich bewährt und das wollen wir auch dieses Jahr beibehalten. Das Bedürfnis, am 24. Dezember die Geschäfte offen zu halten, war nicht gegeben.

Was werden Sie an diesem freien Tag ­machen?
Ich werde den Tag mit meiner Familie verbringen und meinen Liebsten mehr Zeit schenken. Darauf freue ich mich.

Walter Bellwald

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Infos

Vorname Alain
Name Guntern
Geburtsdatum 16. März 1972
Familie verheiratet, drei Kinder
Beruf Apotheker
Funktion Präsident Gewerbeverein Brig
Hobbies Familie, Velofahren, Skitouren
Ich kaufe meine Weihnachtsgeschenke in Brig-Glis. Ja
Als Apotheker bin ich nie krank. Nein
Als Briger Gewerbepräsident hätte ich den Visper Pürumärt gerne in der Simplonstadt. Nein
Der Joker darf nur einmal gezogen werden.  

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