Kurzinterview | Robert Kalbermatten

«Wettbewerb fördert die Servicequalität»

Robert Kalbermatten , Vorsitzender der Geschäftsleitung sodalis Gesundheitsgruppe
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Robert Kalbermatten , Vorsitzender der Geschäftsleitung sodalis Gesundheitsgruppe
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Quelle: RZ 0

Visp | Was sagen private Krankenkassen zur Einheitskassen-Initiative? Die RZ hat sich bei der im Oberwallis stark verankerten sodalis Gesundheitsgruppe erkundigt.

Herr Kalbermatten, was würde die Schaffung einer Einheitskrankenkasse für die bestehenden privaten Krankenkassen bedeuten?

Die privaten Krankenkassen wären nur noch im Bereich der Zusatzversicherungen tätig, was im Übrigen für den Versicherten von Nachteil wäre: Dieser hätte, sofern er zusatzversichert ist, im Versicherungsfall sowohl mit der staatlichen als auch mit der privaten Kasse zu tun. Ein Teil des Krankenversicherungspersonals würde weiter bei den Agenturen der Einheitskasse beschäftigt bleiben, der Rest müsste sich nach einem neuen Arbeitsplatz in einem neuen Tätigkeitsfeld umsehen. Nur: Welcher engagierte Mitarbeitende würde während der Übergangszeit unter den neuen Vorzeichen noch motiviert weiterarbeiten? Hinzu kommt, dass wiederum die Randgebiete durch die zunehmende Zentralisierung benachteiligt würden.

Was macht die Gesundheitsgruppe sodalis im Falle einer Annahme der Initiative?

Das hängt von den möglichen Strukturen ab: Falls sich die privaten Versicherer proportional zu ihrem regionalen Marktanteil in das neue System miteinbringen könnten, hätte die sodalis aufgrund ihres hohen Marktanteils im Oberwallis reelle Chancen. Denkbar wäre eine vorzeitige Fusionierung mit anderen starken Partnern, um sich auf dem neuen Markt strategisch günstig zu positionieren. In diesem Fall könnte der Zusatzversicherungsbereich, wenn auch unter erschwerten Bedingungen, weitergeführt werden. Falls jedoch nur die grössten Schweizer Krankenversicherer berücksichtigt würden, hätte die sodalis aufgrund ihrer mangelnden Grösse das Nachsehen.

Nur noch eine Krankenkasse, bedeutet das nicht grosse Einsparungen im Verwaltungs- und Werbebereich?

Die Verwaltungskosten in der Grundversicherung inklusive Personal-, Marketing- und Werbekosten machen im schweizerischen Durchschnitt lediglich rund 5 Prozent aus: Ganze 95 von 100 Prämienfranken werden also für medizinische Leistungen ausgegeben. Die sodalis ist mit bloss 2,7 Prozent Verwaltungskosten von comparis.ch 2014 zum zweiten Mal in Folge als effizientester Krankenversicherer der Schweiz ausgezeichnet worden. Das Problem der Prämien­erhöhungen sind nicht die Verwaltungskosten der Versicherer, sondern die unaufhaltsame Kostensteigerung im Gesundheitswesen, die auch eine Einheitskasse nicht aufhalten kann.

Wird es weiter Wahlfranchisen und verschiedene Versicherungsmodelle geben?

Erst der Wettbewerb unter den Krankenversicherern hat die Entstehung attraktiver Sparmodelle und innovativer Netzwerke wie zum Beispiel zwischen Versicherern und Ärzten ermöglicht. Da die Initiative eine einheitliche Prämie pro Kanton anstrebt und Prämienabstufungen innerhalb des Kantons ausschliesst, äussert sich der Initiativtext weder zu Kinderrabatten noch zu Wahlfranchisen und Sparmodellen. Angesichts der Tatsache, dass heute rund 77 Prozent der Versicherten über eine höhere Franchise oder ein alternatives Modell sparen, stimmt das bedenklich.

Wie steht es mit den Zusatzversicherungen? In welcher Form würde oder müsste die sodalis ihr Angebot anpassen?

Das Zusatzversicherungsgeschäft allein würde für die sodalis Gesundheitsgruppe wohl kaum Sinn machen. Um die hohen Anforderungen und Auflagen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht erfüllen zu können, sind sowohl das finanzielle Volumen als auch die Versichertenanzahl der bestehenden sodalis zu klein. Wie bereits vorgängig erwähnt, wäre in diesem Fall die Zusammenarbeit mit anderen starken Versicherungspartnern sinnvoll. Zentral für uns ist es, die Interessen unserer langjährigen Kunden aktiv zu vertreten: Wir würden uns nach Kräften um eine gute Lösung zur Weiterführung der bestehenden Policen inklusive Versicherungsdeckung bemühen. Während der Übergangszeit bliebe uns genügend Zeit, um eine saubere, für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung auszuarbeiten.

Werden Leistungen ab- oder ausgebaut bei Annahme der Initiative?

Eine Monopolkasse schafft die Wahlfreiheit ab: Da der Versicherte nicht mehr aus einem umfangreichen Leistungsangebot auswählen und bei Unzufriedenheit einfach den Versicherer wechseln kann, muss er sich mit den Leistungen zufrieden geben, die ihm vorgesetzt werden. Die bisherige Wettbewerbssituation hat nicht nur innovative und prämiensparende Versicherungsprodukte, sondern auch Servicequalität und Leistungseffizienz gefördert – Eigenschaften, die für die Zufriedenheit des Versicherten über den effektiven Leistungskatalog hinaus ausschlaggebend sind. Bei einer Einheitskasse muss der Versicherte hinnehmen, was er kriegt: Unter dem Spardruck wird die Einheitskasse mit der Zeit wohl Leistungen kürzen oder gar streichen müssen.

Was passiert mit den Vermögen der heutigen Krankenkassen?

Die bestehenden Krankenversicherer müssen ihre Rückstellungen und Vermögen aus der Grundversicherung in die neue öffentlich-rechtliche Einrichtung übertragen. Die Kassen würden also quasi «enteignet», was in unserem Land mit seinem traditionellen Wertesystem unmöglich problemlos über die Bühne ginge. Auch sind mit einer solchen Übertragung von milliardenschweren Vermögen zahlreiche logistische Probleme verbunden: Wie kann das alles überhaupt kontrolliert werden? Und was geschieht mit den Immobilien? In diesem Zusammenhang darf nicht unter den Tisch gekehrt werden, dass der Systemwechsel allein rund zwei Milliarden Franken kostet, was für eine vierköpfige Familie eine Prämienerhöhung von 1000 Franken bedeuten würde.

Was für einen Einfluss hat die Einheitskasse auf die medizinische Qualität?

Vergessen Sie nicht: Unser Gesundheitssystem gehört zu den besten der Welt. Nicht nur, dass wir immer länger leben, auch bleiben wir aufgrund der ausgezeichneten medizinischen Versorgung und des medizinischen Fortschritts immer länger gesund, was ja mit zu den kostentreibenden Faktoren unseres Gesundheitswesens gehört. Wir geniessen ungeachtet unseres Einkommens einen schnellen Zugang zu einer qualitativ hochstehenden medizinischen Grundversorgung, was keine Selbstverständlichkeit ist: Ein Blick nach Frankreich oder England zeigt, dass staatliche Gesundheitssysteme die Qualität der medizinischen Versorgung massgeblich beeinträchtigen, ja gefährden. Auch würden die Wartezeiten wie in allen staatlich geführten Gesundheitssystemen für bestimmte Behandlungen zum Teil massiv zunehmen, was den hohen Ansprüchen der Schweizer Patienten komplett zuwiderläuft.

Frank O. Salzgeber

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