Üble Attacke | Weil sie sich mit Freundin an Party zeigte

Briger Influencerin Jasmina Ruffiner: «Wegen meiner Sexualität wurde ich tätlich angegangen»

Influencerin Jasmina Ruffiner wurde wegen ihre Sexualität massiv angegangen.
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Influencerin Jasmina Ruffiner wurde wegen ihre Sexualität massiv angegangen.
Foto: RZ

Quelle: RZ 1

Kommendes Wochenende stimmt die Schweiz über die Erweiterung der Rassismusstrafnorm um den Punkt der sexuellen Orientierung ab. Was es bedeutet wegen einer anderen sexuellen Orientierung angegangen zu werden, erzählt nun Influencerin und Bloggerin Jasmina Ruffiner aus Brig. An einer Party in Visp musste gar die Security einschreiten.

Rund 25 000 Leute folgen ihr auf Instagram, 2018 war sie das Gesicht der RZ-Kampagne zum 20. Geburtstag. Jasmina Ruffiner (20) kennt sich damit aus in der Öffentlichkeit zu stehen. «Wer sich so exponiert wie ich, der eckt natürlich immer mal wieder an», sagt sie. «Die einen mögen das, was man tut, die anderen halt nicht.»

Rückhalt von der Familie

Seit sich Jasmina aber im letzten Sommer als pansexuell geoutet hat, hat die Polarisierung selbst für die öffentlichkeitsgewohnte Frau eine neue Qualität angenommen. Pansexualität bezeichnet dabei eine sexuelle Orientierung, bei der Personen in ihrem Begehren keine Vorauswahl nach Geschlecht beziehungsweise Geschlechtsidentität treffen. «Aus meinem privaten Umfeld, vor allem von meinen Eltern, habe ich von Anfang an sehr viel Unterstützung erfahren», sagt Jasmina Ruffiner. «Darum habe ich mich entschieden, in den sozialen Medien meine Sexualität zu thematisieren, auch weil andere sexuelle Orientierungen im Wallis nach wie vor stark tabuisiert werden.» Dabei habe sie gewusst, dass Eltern und Freude im Falle negativer Reaktionen hinter ihr stehen würden, so die 20-Jährige.

Hasskommentare und weniger Follower

Und diese negativen Reaktionen blieben denn auch nicht aus. «Seit meinem Outing folgen mir auf Instagram ein paar hundert Personen weniger», sagt Jasmina Ruffiner nachdenklich. «Vor allem Männer, denn das Verhältnis der Geschlechter meiner Followers hat sich zugunsten der Frauen verändert.» Eine andere sexuelle Orientierung sei halt immer noch ein grosses Reizthema, so die Influencerin. «Das ist mir aber egal, solche Leute brauche ich nicht in meiner Community», betont Ruffiner. Doch beim Entfolgen blieb es nicht. «Es gab auch einige anonyme Hassbotschaften. Leute schrieben mir, meine sexuelle Lebensweise verstosse gegen die Natur oder man schickte mir Bibelzitate, in denen meine Sexualität als Sünde gebrandmarkt wird», erinnert sich die 20-Jährige.

Tätlichkeit in Visp

Doch Jasmina Ruffiner musste sich nach ihrem «Outing» nicht nur mit verbalen Angriffen auseinandersetzen. «Es kommt schon vor, dass Leute, vor allem junge Männer, vor mir auf den Boden spucken, wenn ich mich mit meiner Partnerin in der Öffentlichkeit zeige», sagt sie. Richtig unschön wurde es für Ruffiner und ihre damalige Freundin im letzten Sommer in Visp. An einer Party mussten gar die Sicherheitskräfte einschreiten. «Ein junger Mann pöbelte meine Partnerin und mich an, beschimpfte uns und riss uns gar auseinander», sagt Ruffiner. «Das war eine sehr unangenehme Situation, die zeigt, wie schnell man wegen seiner sexuellen Orientierung zur Zielscheibe werden kann, auch hier im Wallis.» Auf eine Anzeige verzichtete Ruffiner zwar, doch der Vorfall hinterliess Spuren. «Nach dem ersten Schock, dass sowas tatsächlich einem selbst passieren kann, bleibt einfach ein gewisses Unbehagen, wenn man merkt, dass man angestarrt oder über einen geredet wird», sagt Ruffiner. «Man weiss ja nun, wie schnell die Sache eskalieren kann und vielleicht ist beim nächsten Mal die Security nicht direkt zur Stelle.» Man überlege sich halt zwei Mal, ob man die eigene Liebe, in ihrem Fall zu einer Frau, öffentlich zur Schau stellen wolle. «Das ist unfair. Heterosexuelle Paare müssen sich solche Gedanken nicht machen und es ist blamabel, dass sich in der Schweiz Menschen wegen ihrer Liebe und ihren Gefühlen bedroht fühlen müssen», ärgert sich die Influencerin.

«Hass tut immer weh»

Darum hofft Jasmina Ruffiner nun, dass die Rassismusstrafnorm um den Punkt der sexuellen Orientierung erweitert wird. «Klar, mit einem Gesetz kann man das Denken der Menschen nicht direkt verändern», sagt sie. «Aber es geht auch um die Botschaft. Es macht nämlich keinen Unterschied ob jemand sagt: ‘Du verstösst gegen die Natur’ oder ‘alle Homosexuellen verstossen gegen die Natur’. Hass tut immer weh, egal ob er persönlich oder allgemein gehalten ist.»

Martin Meul

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Kommentare

  • Evelyne Sarbach, St. Niklaus VS - 227

    Ich finde es fragwürdig von Martin Meul, kurz vor einer Abstimmung über einen Vorfall zu berichten, der schon einige Monate zurückliegt.

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