Oberwallis | Miliz ist das Rückgrat der Feuerwehr

Feuerwehr ohne Nachwuchssorgen

Einsatzübung der Feuerwehr Zermatt.
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Einsatzübung der Feuerwehr Zermatt.
Foto: zvg

Atemschutzübung im Schallbergtunnel.
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Atemschutzübung im Schallbergtunnel.
Foto: zvg

Quelle: RZ 0

Feuerwehrdienst leisten vor allem Freiwillige. Auch wenn Geräte wie Einsätze immer komplexer werden, die Feuerwehren im Oberwallis finden genug Nachwuchs.

«Iischi Friizyt – fer ewi Sicherheit» ist das Motto der Ortsfeuerwehr Naters. Doch gilt dieser Slogan nicht nur für die rund 150 Feuerwehrleute aus Naters. Die Miliz ist das Rückgrat der Feuerwehr. Die allermeisten Männer und Frauen der insgesamt 37 Feuerwehren im Oberwallis leisten ihren Dienst freiwillig. Im ganzen Kanton sorgen rund 5000 Feuerwehrleute, über 2000 davon aus dem Oberwallis, für Sicherheit. Dabei umfasst das Einsatzspektrum der Feuerwehr längst nicht nur die Brandbekämpfung. Immer mehr im Vordergrund stehen Rettungseinsätze, technische Hilfeleistungen und der Kampf gegen Elementarereignisse wie Hochwasser, Unwetter oder Stürme.

Einsätze werden komplexer

Die wichtige Bedeutung der Feuer­wehr im Kampf gegen Natur­ereignisse unterstreicht etwa Axel Schmidt, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Zermatt. Mit 150 geleisteten Einsätzen war 2017 für die Stützpunktfeuerwehr Zermatt ein Rekordjahr. Der übliche Jahresschnitt liegt bei etwa 120 Einsätzen. «Tendenziell haben wir in den letzten Jahren aber eher weniger Einsätze, dafür werden diese immer komplexer», sagt Chefinstruktor Richard Rieder, der verantwortlich ist für die Aus- und Weiterbildung des Oberwalliser Feuerwehrkorps. Während die Anzahl der Gebäudebrände dank Prävention und baulicher Massnahmen rückläufig ist, muss die Feuerwehr heute immer öfters technische Hilfeleistungen erbringen. Beispielsweise bei Strassenunfällen die Opfer aus den Fahrzeugen befreien. Dies gestaltet sich aber immer schwieriger, da die modernen Autos komplexer konstruiert sind: «Früher bestand ein Auto aus vier Rädern und etwas Blech drum herum», erzählt Rieder. «Heute sind sie viel robuster gebaut. Dazu kommen Airbags, die ganze Elektronik etc. Man braucht fast eine Anleitung, um jemanden aus einem Fahrzeug herauszuschneiden.» Komplexer werden aber nicht nur die Einsätze, sondern auch das Gerät und die Ausrüstung, wie Mario Schaller, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Brig-Glis, anfügt: «Die Geräte zu beherrschen und richtig zu bedienen, stellt schon hohe Anforderungen an eine Milizfeuerwehr.» Zu den weiteren Aufgaben der Feuerwehren gehören überdies die Bereiche Öl-, Chemie- und Strahlenwehr. Im Kanton Wallis wird die Chemiewehr durch die Werkfeuerwehr der Lonza gewährleistet. Diese besteht aus 85 Frauen und Männern und leistet im Schnitt rund 200 Einsätze pro Jahr. Neben sechs professionellen Mitarbeitern setzt sie sich primär aus Lonzamitarbeitern auf Milizbasis zusammen. Der 24-Stunden-Bereitschaftsdienst rückt bei Alarm innert fünf Minuten aus. Für Christian Pfaffen von der Stützpunktfeuerwehr Visp ist jeder Einsatz gleichzeitig auch Werbung in eigener Sache: «Wenn die Bevölkerung sieht, dass die Feuerwehr gute Arbeit leistet, ist es einfacher, neue Mitglieder zu gewinnen.» So sollen sich nach dem Unwettereinsatz in Eyholz spontan neue Freiwillige für den Dienst in der Visper Feuerwehr gemeldet haben.

Sieben Jugendfeuerwehren

Ein Milizsystem wie die Feuerwehr ist immer auf Neurekrutierungen angewiesen. In den meisten Oberwalliser Gemeinden existiert eine obligatorische Feuerwehrdienstpflicht. «Zwangsdienstverpflichtungen sind aber keine Lösung», betont Axel Schmidt stellvertretend für die Oberwalliser Kommandanten, «wir wollen motivierte Leute.» Nach Auskunft aller befragten Feuerwehren sieht die Situation im Oberwallis aber nicht schlecht aus. Eine wichtige Rolle, damit der Sollbestand auch in Zukunft erreicht wird, spielt die Jugendfeuerwehr. Diese ist im Oberwallis in sieben Jugendfeuerwehren organisiert und zählt aktuell rund 150 Mitglieder. «Wir haben momentan genügend Nachwuchsfeuerwehrleute, müssen aber immer dranbleiben», sagt Tania Brunner von der Stützpunktfeuerwehr Gampel-Steg, die im Vorstand des Oberwalliser Feuerwehrverbands für die Jugendfeuerwehr zuständig ist. «In der Jugendfeuerwehr lernt der Nachwuchs das Grundhandwerk eines Feuerwehrmannes.» Normalerweise dürfen Buben und Mädchen ab 12 Jahren der Jugendfeuerwehr beitreten. Brig-Glis, mit 38 Mitgliedern zurzeit die grösste Jugendfeuerwehr im Oberwallis, steht schon 10-Jährigen offen. Mit 18 Jahren erfolgt dann im Idealfall der Übertritt in die «richtige» Feuerwehr. Allerdings gehen in diesem Altersbereich der Feuerwehr nicht wenige Mitglieder verloren. Weil sie ein Studium, den Militärdienst oder eine Weiterbildung beginnen, müssen bekanntlich viele junge Erwachsene das Oberwallis verlassen. Nach ihrer Heimkehr würden aber manche wieder in die Feuerwehr zurückkehren, weiss Schaller.
Speziell: In den nächsten beiden Jahren ist das Wallis Austragungsort zweier wichtiger Wettkämpfe der Jugendfeuerwehr. In diesem Jahr finden in Zermatt die Schweizer Meisterschaften der Jugendfeuerwehr statt. Ein Jahr darauf ist Martinach Gastgeber der Weltmeisterschaften. Daran wird das Wallis mit einem eigenen Mädchenteam teilnehmen.

Frank O. Salzgeber

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