Region | Kanada/Visp

«In Kanada vermisse ich die Aprikosen aus dem Wallis»

Anja Studer ist nach Kanada ausgewandert.
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Anja Studer ist nach Kanada ausgewandert.
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Sie plante einen Auslandaufenthalt an einer Uni in Kanada. Und sie blieb. Heute lebt Anja Studer seit 18 Jahren in Winnipeg und ist bestens integriert. Einzig Familie und Aprikosen fehlen ihr.

«Eigentlich war es nicht mein Plan auszuwandern. Ich wollte ein Jahr an einer kanadischen Universität Kunst studieren, um meine Englischkenntnisse zu verbessern», sagt Anja Studer. Aus einem Jahr wurden zwei, dann drei, dann vier und nun sind es 18 Jahre geworden. Dabei ist Kanada für sie kein Traumland, wie sie bestätigt: «Kanada war eher für meine Eltern immer so etwas wie ein Traumland, aber für mich war es das weniger. Mir gefallen tropische Orte besser.» Ein Traum sei es stets gewesen, umherzureisen und verschiedene Kulturen und Menschen kennenzulernen.

Der Traum einer Ausstellung in Visp

Dass Studer länger als geplant in Kanada geblieben ist, entspricht dennoch keinem Zufall. Vor zehn Jahren verliebte sie sich in einen Kanadier, mit dem sie nun seit acht Jahren glücklich verheiratet ist und in Winnipeg wohnt. Winnipeg ist die Hauptstadt der kanadischen Provinz Manitoba und zugleich deren mit Abstand grösste Stadt. Sie zählt mit der Metropolregion rund 750 000 Einwohner und ist somit die siebtgrösste Stadt des Landes. Im italienischen Stadtteil hat sich das Ehepaar ein Haus gekauft. Sie leben dort mit ihrem Hund (Luna) und ihrer Katze­ (Shiva). Nach dem Aufenthalt an der Uni arbeitete Studer in Kanada während 13 Jahren für eine Werbeagentur. Am Anfang als Project Manager und später als Director of Operations. Nun ist sie als Project Manager, Digital Media für das Kanadische Menschenrechtsmuseum (Canadian Museum for Human Rights) tätig. Nebenbei verbringt sie gern und oft Zeit mit Kunst. Eine ihrer grossen Leidenschaften. «Vor drei Jahren hatte ich eine Kunstausstellung, welche das Thema «Heimat – Home Sweet Home» erforschte.» Die Ausstellung bestand aus Gemälden von Bergen. Mittendrin: Das Matterhorn und auch das Glishorn sowie weitere Fotos von der Schweiz und einigen aus ihrer Kindheit. Die Ausstellung war ein grosser Erfolg, sodass Studer seither von einer ähnlichen Ausstellung im Oberwallis träumt. Am liebsten im Visper La Poste.

Der Ehemann in der NHL

Integrationsprobleme gab es in Nordamerika für die Walliserin nie. «Überhaupt nicht. Es gibt so viele Ausländer in Kanada und viele Kanadier sind erst in der ersten oder zweiten Generation im Land.» Doch wo unterscheidet sich denn der Kanadier vom Schweizer? «Es ist schwierig, eine ganze Nation zu verallgemeinern, vor allem eine so vielfältige Nation wie Kanada. Kanadier sind überall in der Welt beliebt, so wie auch wir Schweizer.» Studer selber sieht sich als «eine Schweizerin mit einem kanadischen Pass.» Die Schweiz werde dabei immer ihre Heimat bleiben, die sie sehr vermisse. Dennoch hat sie sich längst mit Land und Leuten in Winnipeg angefreundet. Gab es am Anfang auch irgendwelche Schwierigkeiten? «Während den ersten paar Monaten an der Uni spürte ich doch eine sprachliche Barriere. Ansonsten war die Integration in die neue Kultur ziemlich einfach», erinnert sie sich. Aus dem Wallis vermisse sie am meisten ihre Familie, die Berge und die Aprikosen. Obwohl sie meist jährlich zurück in die Schweiz fliegt (Im Juli/August plant sie ihren nächsten Aufenthalt im Oberwallis) und ihre Familie und Bekannte besucht, ist ein Umzug ins Rhonetal kaum ein Thema für das Paar. Der Mann könnte seine Karriere in der Schweiz wohl kaum weiterführen. «Das ist richtig. Ein Umzug ist für meinen Mann und seine Karriere nicht so einfach, da er für das NHL Hockey Team ‹Winnipeg Jets› arbeitet.» Deshalb versucht Studer, die ihre Freizeit gerne mit Sport (Tennis oder Yoga) verbringt, wenigstens einen kleinen Teil von ihr zurück in die Schweiz zu bringen. Durch die erwähnte Kunstausstellung im Wallis. «Das würde mich sehr glücklich machen», sagt sie und ergänzt: «Hoffentlich ist ein Umzug später einmal dennoch möglich.»

Simon Kalbermatten

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