Region | Visp/Raron

Neue Quecksilbermessungen verunsichern

Die laufenden Nachbeprobungen im Raum Visp und Raron führen zu Verunsicherungen einiger Anwohner. Klar ist: Der höchste gemessene Quecksilberwert ist massgeblich.
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Die laufenden Nachbeprobungen im Raum Visp und Raron führen zu Verunsicherungen einiger Anwohner. Klar ist: Der höchste gemessene Quecksilberwert ist massgeblich.
Foto: RZ

Quelle: 1815.ch/RZ 2

In Visp und Turtig werden derzeit auf einigen Grundstücken weitere Proben zur Bestimmung der Quecksilberwerte genommen. Die Betroffenen sind verunsichert.

Der entsprechende Brief der Ingenieurfirma BMG ist knapp gehalten. Um die Repräsentativität der Messungen der Belastung durch Quecksilber zu überprüfen, seien in den kommenden Wochen Nachbeprobungen im Raum Visp und Raron vorgesehen. Der «Visper Allgemeinen Zeitung» ist zu entnehmen, dass es sich dabei um 35 Parzellen in Visp und Turtig handelt. Die Nachbeprobung löst derweil bei einigen Betroffenen Verunsicherung aus. «In dem Brief steht mit keinem Wort, warum genau diese neuen Proben gemacht werden», ärgert sich M. C.*, eine betroffene Anwohnerin. «Waren denn die ersten Messungen nicht korrekt?» Die Dienststelle für Umweltschutz DUS klärt auf. «Die Proben wurden nach den gesetzlichen Vorgaben entnommen und analysiert. Die DUS hat daraufhin im Herbst 2014 eine Überprüfung der Untersuchung verlangt», sagt Cédric Arnold, Chef der Dienststelle für Umweltschutz. «Die Resultate wurden zudem der externen Expertengruppe ‹Quecksilber im Oberwallis› zur Stellungnahme unterbreitet. Auch sie haben eine Überprüfung der Repräsentativität empfohlen.» Als Grund nennt Arnold die Tatsache, dass das Quecksilber sehr unregelmässig im Boden verteilt ist. «Zudem werden immer wieder neue Hot Spots, also Flächen, die eine sehr hohe Quecksilberbelastung aufweisen, gefunden», sagt Arnold weiter. So wurden beispielsweise in Visp Süd Parzellen entdeckt, auf denen 250 mg/Hg beziehungsweise 120 mgHg/kg gemessen wurden. Ab einem Wert von 2 mgHg/kg gilt eine Zelle als sanierungspflichtig. «Mit den Nachbeprobungen wollen wir darum ganz grundsätzlich die Repräsentativität der Untersuchungen überprüfen», sagt der Chef der Dienststelle für Umweltschutz.

Höherer Wert massgebend

M. C. hat aber noch weitere Fragen, und die betreffen den Eintrag der Grundstücke in den Kataster der belasteten Standorte. Bei der ersten Beprobung war auf dem Grundstück von M.C. ein Quecksilberwert gemessen worden, der einen solchen Eintrag nach sich zieht. «Ich wollte von der Dame, welche die Proben genommen hat, wissen, was denn passiert, wenn der neue Wert unter der Schwelle von 0,5 mg Quecksilber pro Kilogramm Erde liegt», sagt die Anwohnerin. «Daraufhin wurde mir gesagt, dass das Grundstück trotzdem im Kataster gelistet bliebe.» Cédric Arnold von der DUS bestätigt: «Bei der Beurteilung der Belastung und der Sanierungsbedürftigkeit einer Parzelle stützen wir uns auf den höchsten gefundenen Wert, unabhängig davon, ob er in der ursprünglichen Studie oder der Repräsentativitätsprüfung gefunden wurde», sagt der Chef der Dienststelle für Umweltschutz. «Vorausgesetzt, die jeweilige Probenahme und Analyse wurde nach den gesetzlichen Vorgaben durchgeführt und dokumentiert. Wurde also in einer ursprünglichen Untersuchung ein höherer Wert gefunden, gilt dieser auch dann, wenn der zweite Wert tiefer liegt.» Anders sieht es dagegen aus, wenn der neu gemessene Wert höher liegt. «Wird hingegen bei der Repräsentativitätsstudie ein Wert über 2 mgHg/kg im Siedlungsgebiet gefunden, gilt die Parzelle neu als sanierungsbedürftig.» Für die neuen Untersuchungen sind derweil sowohl Kanton wie auch Lonza zuständig. «Einerseits hat die DUS gemäss gesetzlichen Vorgaben die Lonza aufgefordert, eine Repräsentativitätsstudie durchführen zu lassen. Andererseits führen die externen Experten der Expertengruppe ‹Quecksilber im Oberwallis› im Auftrag der Dienststelle für Umweltschutz selbst eine Studie durch», erklärt Dienstchef Cédric Arnold.

Überprüfung begrüsst

Die Überprüfung der Resultate der ersten Studie wird derweil von den Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz AefU wie auch der IG Quecksilber begrüsst. Martin Forter von den AefU sagt: «Wir befürworten jeden Schritt, der zu einer besseren Repräsentativität der Untersuchungsergebnisse führt.» Mit nur einer Messung sei die Grundlage für die Sanierung belasteter Grundstücke nur sehr dürftig. Gleich sieht es Thomas Burgener, Präsident der IG Quecksilber. «Umso mehr wir über den Belastungsgrad der Parzellen wissen, umso besser können wir die nötigen Sanierungen vorantreiben», erklärt er. Die laufenden Nachuntersuchungen sollen gemäss Schreiben von BMG bis Ende Oktober abgeschlossen sein.

Luft und Wasser untersuchen

Neben den Untersuchungen des Bodens wird derzeit auch das Grundwasser untersucht. Dies einerseits von der Lonza, wie auch von Experten des Kantons. Hinzu kommen Untersuchungen des Quecksilbergehaltes der Luft, welche von der Universität Basel durchgeführt werden, schreibt die VAZ. Die so gesammelten Daten sollen dann die Grundlage bilden, auf welcher die Lonza die nötigen Sanierungskonzepte ausarbeitet.
* Name der Redaktion bekannt

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Kommentare

  • Margot - 36

    Und wieder haben alles die Ärzte für Umweltschutz und der WWF ins Rollen gebracht. Wieder muss der Kanton nachziehen. Immerhin macht er es. Wann endlich, werden die Untersuchungen von Beginn weg in kompetente Hände gelegt, damit Leerläufe und Doppelspurigkeiten vermieden werden können? Warum muss immer erst eine unabhängige Institution Dinge ins Rollen bringen? Wann endlich nimmt der Kanton seine Aufsichtspflicht wahr und kontrolliert die Untersuchungen der BMG auf Herz und Nieren?

    Nur mal so einige Fragen...

    • Visper - 45

      Gut gesprochen. Es macht nach wie vor den Eindruck, als hofften die Verantwortlichen immer noch darauf, dass manches unter dem Teppich bleibt.

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