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Tourismus: Lichtblick trotz Misere

Trotz zahlreicher Negativschlagzeilen gibt es im Walliser Tourismus auch positive Seiten.
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Trotz zahlreicher Negativschlagzeilen gibt es im Walliser Tourismus auch positive Seiten.
Foto: Wallis Tourismus

Quelle: RZ 3

Seit zwei Jahren werden in Grächen mit einem innovativen Konzept erfolgreich kalte in warme Betten umgewandelt. Nun überlegen sich andere Orte, die Idee zu übernehmen.

«An sich haben wir genug Betten, jedoch werden zu wenig davon aktiv vermietet», erklärt Berno Stoffel, der CEO der touristischen Unternehmung Grächen (Tug). Um dem Problem entgegenzuwirken, wurde vor zwei Jahren innerhalb der Tug eine neue Sparte gegründet, welche Zweitwohnungen bewirtschaftet. Die Idee ist simpel: Zweitwohnungsbesitzer, welche ihre Wohnung gar nicht oder nur teilweise vermieten, können ihre Liegenschaft der Non-Profit-Vermietungsagentur übergeben, welche sich um alles rund um die Bewirtschaftung kümmert. Dafür werden sämtliche Dienstleistungen wie Vermarktung, Vermietung, Verwaltung, Instandhaltungsarbeiten, Reinigung und Wäscheservice bis hin zur Gästebetreuung angeboten. Innerhalb derselben kann der Eigentümer das seinen Bedürfnissen entsprechende Modell auswählen. Je nachdem erfolgt dann zweimal jährlich eine entsprechende Abrechnung. «In der nächsten Wintersaison verwalten wir so insgesamt bereits 37 Wohnungen, Tendenz steigend», erklärt Stoffel. Dies zeige, dass das Bedürfnis gegeben sei. «Vor allem von Eigentümern, deren Liegenschaft sich mittlerweile im Besitz der zweiten Generation befindet», so Stoffel. Dadurch profitiere schliesslich die ganze Wertschöpfungskette. So wurden über die Agentur allein in der vergangenen Wintersaison 3627 Logiernächte generiert. «Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Übernachtungen ohne Agentur nicht zustande gekommen wären», so Stoffel. Somit sei der Mehrwert für den gesamten Ort klar erkennbar.

Nicht nur in Grächen
In Bellwald existiert seit vier Jahren ein ähnliches Modell. Hier wurde auf Initiative der Sportbahnen ebenfalls eine Non-Profit-Tochtergesellschaft gegründet, welche ein Lagerhaus, ein Haus mit sieben Wohnungen sowie mehrere private Chalets verwaltet. Auch hier wird von einem Erfolg gesprochen, so der Geschäftsführer Andreas Breitenmoser: «Seit dem Start konnte unsere Gesellschaft über 30 000 Logiernächte generieren. Gerade im Lagerhaus verzeichnen wir seither sogar eine Verdoppelung der Übernachtungszahlen.» Damit leiste die Organisation einen wichtigen Beitrag zur gesamten Wertschöpfungskette.

Für andere Orte denkbar?
Während Bellwald und Grächen mit dieser Art von Vermietung offenbar Erfolg haben, ist man in anderen Orten noch nicht so weit. Wie eine Umfrage der RZ zeigt, gibt es dieses Modell beispielsweise in Bürchen bis jetzt lediglich auf privater Basis. «Wir als Tourismusorganisation bieten das nicht an. Jedoch sind wir zurzeit im Gespräch mit einer internationalen Vermietungsagentur, welche sich in Bürchen mit einem eigenen Büro niederlassen möchte», erklärt der Direktor von Bürchen-Unterbäch Tourismus, Philipp­ Gattlen. Die Planungen dafür seien bereits weit fortgeschritten: «Für Bürchen mit über 700 Zweitwohnungseinheiten wäre es natürlich wünschenswert, wenn das zustande käme.» Er sei überzeugt, dass viele Eigentümer ihre Liegenschaft über diese Organisation vermieten würden, welche das zurzeit nicht tun würden. Auch in Saas-Grund macht man sich diesbezüglich Gedanken. Wie der Direktor der Bergbahnen Hohsaas AG, Hans Beeri, erklärt, arbeite man zurzeit an einem entsprechenden Konzept. «Gerade im Bereich Gruppenhäuser sehen wir ein grosses Potenzial.» Im ganzen Saastal gebe es 40 Gruppenhäuser mit rund 1200 Betten. Und hierbei könne er sich vorstellen, diese künftig seitens der Bergbahnen zu verwalten und zu bewirtschaften. «Es geht einfach darum, dass wir vermehrt Frequenzen für die Bahnen generieren können», erklärt Beeri. Für den Aufbau und die Strukturen einer entsprechenden Organisation habe er sich bereits bei Grächen erkundigt. In Leukerbad werden seitens der Tourismusorganisation die Wohnungen zwar angeboten und vermietet, jedoch nicht verwaltet und bewirtschaftet. Hingegen gebe es private Anbieter, welche von Vermarktung, Vermietung, Gästeempfang bis hin zum Wäscheservice sämtliche Aufgaben anbieten würden.

Peter Abgottspon

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Kommentare

  • Lischen Müller - 94

    Es freut mich so sehr, dass zu lesen. Man konnte ja schon fast depressiv werden, bei all den negativen Schlagzeilen. Wir sind top!

  • Thomas Müller - 104

    Bravo! Im Walliser Tourismus wird also nicht ganz alles falsch gemacht, wie dass uns manche Stimmen immer wieder erzählen....

  • Berthold Bauernfeind - 103

    So läuft's!

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