Andermatt/Goms | Herdenschutz im Fokus

Verbot für Schutzhunde im Goms?

Weil Herdenschutzhunde Wanderer attackieren, sind sie umstritten.
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Weil Herdenschutzhunde Wanderer attackieren, sind sie umstritten.
Foto: RZ

Quelle: RZ 1

Weil Herdenschutzhunde Wanderer und Biker attackiert haben, sollen sie im Urserental nun verboten werden. Das drohende Verbot lässt auch im Goms aufhorchen.

150 Bewohner des Urserentals haben eine Initiative eingereicht, wonach Herdenschutzhunde in Andermatt, Hospental und Realp verboten werden sollen. «Es gibt hier keine Alp, durch die kein Wanderweg führt», sagt Hans Regli, Talammann der Korporation Urseren. Vor allem der Vier-Quellen-Wanderweg, der in fünf Etappen durch die Quellgebiete von Rhone, Tessin, Reuss und Rhein führt, sei sehr beliebt und wird oft begangen. Es könne nicht sein, dass Millionen in Wanderwege investiert würden, wenn die Wanderer dann aufgrund von aggressiven Hunden wieder umkehren müssten, betont der Initiant Columban Russi.

«Ich kann die Leute verstehen»

Das im Urserental drohende Verbot lässt auch im Goms aufhorchen. Namentlich die fünf Schäfer aus Oberwald reagieren, welche ihre insgesamt rund 1200 Schafe zusammen mit sechs Herdenschutzhunden ins angrenzende Gerental zur Alp bringen. «Ich hatte früher auch Angst vor Hunden und kann daher die Leute verstehen, die lieber umkehren, als in einem Gebiet zu wandern, wo Schafe von Herdenschutzhunden bewacht werden», gibt Schäfer Daniel Kreuzer zu. Trotzdem blieb ihm keine andere Wahl, als Herdenschutzhunde anzuschaffen, da auch er schon Risse durch Wölfe zu beklagen hatte. Als Schutzmassnahme für Wanderer haben die Oberwalder Schäfer entlang der Wege Infotafeln aufgestellt, welche darüber orientieren, wie man sich den Hunden gegenüber verhält. Trotzdem hat auch Kreuzer schon beobachtet, wie Wanderer wieder umgekehrt sind. «Im Gegensatz zum Urserental haben wir im Gerental nicht extrem viele Wanderer», ergänzt Kreuzer. Auch der Vier-Quellen-Wanderweg führt nicht durchs Gerental, sondern von Oberwald direkt Richtung Gletsch.

Zeit für Information

Auch bei Obergoms Tourismus weiss man von Wanderern, die Gebiete meiden, in denen Herdenschutzhunde im Einsatz sind, obgleich man weiss, dass Mutterkühe mit Kälbern gefährlicher sein könnten. «Seit vor fünf, sechs Jahren zum ersten Mal Herdenschutzhunde auf den Alpen dabei sind, hat sich viel verändert», betont Regula Gemmet von Obergoms Tourismus. «Wir werden aber regelmässig darüber informiert, wo sich die Herdenschutzhunde aufhalten, und auch die Bauern sind aktiv und sie nehmen sich Zeit, um Wandertouristen persönlich und kompetent zu informieren», meint Gemmet. Kreuzer rät etwa, langsam und ruhig dem Weg entlang an einer Schafherde vorbeizugehen, um die Hunde nicht nervös zu machen.

«Wer den Wolf haben will…»

Ein Verbot von Herdenschutzhunden ist im Obergoms derzeit kein Thema. Auch im Urserental hofft Hans Regli, dass sich praktikable Lösungen finden lassen in der Hoffnung, dass die Initiative zurückgezogen werden könnte. Nicht mehr tolerieren will er bösartige Hunde, vorstellen könnte er sich aber auch, dass man tagsüber die Hunde einpferchen könnte. Columban Russi will von einem Rückzug der Initiative aber nichts wissen. Es müsse Hauptsache sein, dass der Tourismus funktioniere. In einem sind sich Russi, Regli und die Gommer einig: «Jetzt haben wir nicht mehr nur ein Problem, nämlich den Wolf, sondern mit den Hunden auch noch ein zweites.»

Christian Zufferey

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Kommentare

  • Verena Schaufelberger, Oberems - 02

    In den Abruzzen/Italien ist immer ein Hirt mit einem Hund dabei. Da hört man nie Probleme mit den Hunden. Er treibt sobald, auch bei Tage, der Nebel kommt, die Schafe mit seinem Hund in eine geschützte Unterkunft bis der Nebel sich wieder verzieht. Denn die meisten Angriffe von Wölfen kamen bei Nebel. Wäre HIRTE das Zauberwort?

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