Visp | Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz

Wegen Pyros – Gemeinderätin am Pranger

Meisterfeier. Der Fanklub «Litterna Lions» feierte den Meistertitel des EHC Visp vor zwei Jahren mit Pyros.
1/1

Meisterfeier. Der Fanklub «Litterna Lions» feierte den Meistertitel des EHC Visp vor zwei Jahren mit Pyros.
Foto: EHC Visp

Quelle: RZ 9

Die Gemeinde Visp erteilte eine Bewilligung, um Pyros zu zünden. Deshalb droht der zuständigen Gemeinderätin nun ein ­Eintrag ins Strafregister. Das Verfahren läuft.

Jubelnde Spieler auf den Visper Stras­sen. Euphorisierte Fans. Klatschende Vereinsverantwortliche. Die EHC-Visp-Familie liegt sich in den Armen und feiert den Eishockey-NLB-Meistertitel auf dem Sepp Blatter Schulhausplatz Ost. Die Stimmung ist ausgelassen. Damals, im April 2014, ahnt noch niemand, dass diese ausgelassene Feier noch ein bitteres Nachspiel hat. Nicht für den EHC Visp, sondern für die Gemeinde und ihre Vizepräsidentin. Aber der Reihe nach.

Verstoss gegen das Gesetz

Um den Meistertitel ausgiebig im Dorf zu feiern, findet eine offizielle Meistersause statt, zu der die Öffentlichkeit eingeladen ist. Für die Mitglieder des Fanklubs «Litterna Lions» ist klar, dass man sich für die Feier seiner «Lieblinge» etwas Spezielles einfallen lässt. Fanklub-Präsident Martin Weiss erinnert sich: «Wir hatten die Idee, Pyros zu zünden, da dies einerseits ein Ausdruck der Emotionen ist und andererseits zum Sport gehört.» Weiss betont, dass man keine Sekunde lang irgendein Gesetz missachten wollte und keine Pyro-Fackel angezündet hätte ohne eine entsprechende Bewilligung. Deshalb informiert sich der Fanklub-Präsident laut eigenen Aussagen beim EHC Visp und wird vom Verein an die Gemeinde verwiesen. Recherchen zeigen, dass zuständige Mitarbeiter im Bereich Sicherheit des EHC Visp den Fanklub aufgefordert haben, sich abzusichern, bevor sie die Pyros abfackeln. Die Mitglieder des Fanklubs befolgen die Anweisung und erhalten von der Gemeinde eine entsprechende Bewilligung. Weiss sagt: «Es handelte sich dabei um eine Ausnahmebewilligung.» Diese wird von Carmen Lorenz erteilt, die im Visper Gemeinderat für die öffentliche Sicherheit verantwortlich ist. Der Fanklub zündet somit während der Feier mehrere Pyros. Allesamt kontrolliert. Die Sicherheit ist zu jeder Zeit gewährleistet, denn die Fans distanzieren sich mehrere Meter von der Menschenmenge. Zudem sind mehrere Feuerwehrleute in der Nähe und können jederzeit eingreifen, falls etwas passiert. Das Problem: Abfackeln von pyrotechnischen Gegenständen ist ein Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz. Deswegen macht sich die zuständige Gemeinderätin strafbar. Denn: Eine Gemeinde ist keine natürliche Person und kann deshalb nicht verurteilt werden, weshalb Lorenz für den Vorfall geradestehen muss. Des Weiteren wird auch gegen den Fanklub ein Strafverfahren eröffnet. Mittlerweile ist klar, dass es für die «Litterna Lions» keinen Eintrag ins Strafregister gibt. Umso brenzliger ist die Situation für Lorenz.

Eintrag ins Strafregister droht

Die Kantonspolizei bestätigt gegenüber der RZ den Vorfall und auch die Tatsache, dass die «Fehlbaren verzeigt wurden». Doch wie erfuhr die Polizei davon? Die Kantonspolizei gibt auf diese Frage keine Antwort. Die RZ weiss jedoch, dass ein Mitarbeiter der Kantonspolizei in ziviler Kleidung an der Meisterfeier war. Deshalb lautet eine inoffizielle Version, dass dieser Mitarbeiter vermutlich über die Vorfälle mit den Pyros an der Meisterfeier zur Kantonspolizei gelangt ist. Im Gegensatz zu den Fanklub-Mitgliedern wurde Lorenz verurteilt. Der RZ sagt sie: «Zu einem laufenden Verfahren äussere ich mich nicht.» Auch die Gemeinde Visp schweigt. Lorenz informierte den gesamten Gemeinderat vorgängig über die erteilte Bewilligung. Gemeindepräsident Niklaus Furger bezieht sich ebenfalls auf das laufende Verfahren und schweigt. In dieser Woche kommt es zur Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft. Der Vizepräsidentin droht ein Eintrag ins Strafregister. Besonders bitter: Die abtretende Gemeinderätin und Vizepräsidentin von Visp steht vor einem jähen Ende nach einem langjährigen Engagement für die Visper Gemeinde.

Simon Kalbermatten

Artikel

Kommentare

  • hugo - 1415

    Als Gemeinderat -rätin hat man gewisse Vorbildfunktionen und sollte sich nicht jeder Gefühlslage hingeben. Andere Pyroübeltäter werden auch gebüßt wieso sollte man in diesem Fall eine Ausnahme machen zumal die Gemeinderätin dazu ermuntert hat.

  • Thomas - 5717

    Wo ist die Staatsanwaltschaft und Polizei an den Spielen des FC Sions wo im Gästesektor in regelmäßigen Abständen Pyros gezündet werden?
    Wie wärs mal wenn man dort sich die Übeltäter schnappt?
    Sorry dass ist nur lächerlich.....

    • Anders - 621

      Sprich nicht von Sachen wo du keine Ahnung hast und nicht weisst wie das läuft!

  • Julius Cäsar - 6513

    Willkommen in Absurdistan

  • Zyno - 8117

    Meine Fresse, da drückt mal Ausnahmsweise eine Gemeinderätin nicht auf die Spassbremse, alles wurde kontrolliert abgefeuert, und trotzdem gibt es wieder welche Miesepeter denen das nicht passt....
    Was ist den beim alljährlichen Schwarzpulververböllern bei dem komischen christlichen Anlasss? 1.August und Schützenfeste? Am besten Spass per se verbieten

  • Zlatan - 8016

    Es ist schon unglaublich, was manche für Probleme haben. Einfach nur lächerlich! Typisch. Aus einer Fliege einen Elefanten machen, dafür sind Herr und Frau Schweizer bekannt!

  • Christian Schnidrig - 7319

    Wer Bewilligungen erteilt, landet im Strafregister? Netten "Rechtsstaat" haben wir da...

  • Maria - 7225

    Was soll diese Bürokratie?
    Passiert ist nichts!

  • Pascal - 48105

    Pyros gehören zum Sport?
    Nein! Pyros haben im Sport nichts zu suchen!
    Bei dieser Geschichte geht mir jedes Mitleid ab. Selber schuld, ist hier die Devise.

Kommentar

schreiben

Loggen Sie sich ein, um Kommentare schreiben zu können.

zum Login

Sitemap

Impressum

MENGIS GRUPPE

Pomonastrasse 12
3930 Visp
Tel. +41 (0)27 948 30 30
Fax. +41 (0)27 948 30 31