Online seit 16.11.2012 7:00
Quelle: 1815.ch / map
Päschscholl – En illuschtrierti Walliser Sag
«Ich mag die mystische und gruselige Atmosphäre»
Dominic Zurbriggen hat die Walliser Sage über den Räuber Päschscholl in einen Comic verwandelt. Mit 1815.ch hat er sich über seinen Jugendhelden Asterix, die mystische und gruselige Walliser Sagenwelt und seinen leicht globalisierten Saaser Dialekt unterhalten.

«Asterix war mein Held», antwortet Dominic Zurbriggen auf die Frage, wie er zum Zeichnen gekommen sei. Als Jugendlicher habe er dann entdeckt, dass es auch Comics für Erwachsene gebe: «Da war’s um mich geschehen.» Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Comic-lesenden Jugendlichen wollte er diese aber nicht nur lesen, sondern auch selber zeichnen.

Aus diesem Grund besuchte der Saaser die Ecole Professionelle des Arts Contemporains (EPAC) in Saxon. «Da ich schon einen 'anständigen' Beruf erlernt hatte, konnte ich es mir erlauben, zu experimentieren. Die EPAC hat sich da angeboten, weil es eine Kunstschule ist, die sich unter anderem stark dem Comic verschreibt.»

Der böse Räuber

In der Sage um den Räuber Päschscholl geht es um die typischen Mutspiele der Jugend und einen bösen Räuber. Beim verbotenen nächtlichen Tanz- und Pfandspiel muss der Verlierer dem im Pfynwald aufgehängten Räuber Päschscholl ein Stück Kuchen bringen. Dieser spricht als Toter zu ihm und wünscht ihm den Tod. Nur ein Pfarrer und des Verlierers Patenkind können den Räuber im Jenseits überlisten.

Die Sage stammt aus der CD «Rollibock» mit vielen bekannten Sagen in Walliser Mundart, erzählt von Karl Biffiger.

Mystisch und gruselig

Wenn Dominic Zurbriggen nicht gerade mit dem Zeichnen von Comics beschäftigt ist, erstellt er diverse Illustrationen, für Bücher beispielsweise oder auch Plakate, wie etwa das aktuelle des Briger Clubs Perron 1.

Nebenbei übt er sich zudem in der Erstellung von Computerspiel-Charakteren im 3D-Bereich. «In der näheren Zukunft würde ich gerne für ein paar Jahre in der Computerspiel-Branche arbeiten», so Zurbriggen.

Derzeit widmet er sich allerdings noch der Walliser Sagenwelt. Er sei schon heimatverbunden, meint der junge Walliser dazu, und er habe schon immer gerne gelauscht, wenn Vorfahren von ihrer Kindheit erzählt hätten.

«In den Sagen kann man in noch älteren Zeiten schwelgen und sich vorstellen, wie es zu der Zeit hätte sein können. Dazu kommt noch die Atmosphäre von Sagen, mystisch und gruselig, so was mag ich.»

Der «Päschscholl» als zweite Wahl

Trotzdem ging die Kombination der beiden doch sehr unterschiedlichen Formen der Sage und des Comics nicht ganz ohne Schwierigkeiten über die Bühne. «Ich versuche so oft wie möglich, nur in Bildern zu erzählen und Sagen haben oft ein sehr abruptes Ende, zum Beispiel: 'und ein Jahr darauf ist er gestorben, denn er hatte zu viel gesehen.' An solchen Begebenheiten habe ich einige Male sehr gebissen», erzählt Dominic Zurbriggen.

Er sei aber ein grosser Fan von Karl Biffigers «Rollibock» und es habe ihn gereizt, die Stimmung, in die er ihn versetze, auf seine eigene Art wiederzugeben.

Die Sage vom Räuber Päschscholl war nicht Zurbriggens erste Wahl: «Ich hatte eine andere Sage schon ziemlich weit gezeichnet, bis Probleme auftauchten, die ich zu der Zeit noch nicht bewältigen konnte. Der zweite Anlauf war dann eben die sagenhafte Geschichte über eine böse Gestalt, die nicht einmal der Tod davon abhalten konnte, Leid zu verbreiten.»

Sie habe ihm auch vom Gestalterischen her zugesagt, weil er hier verschiedene Settings hatte: der düstere Wald, die warme Stube und das karge Tal.

«Düsterniedlich»

Am Comic «Päschscholl» zeichnete Dominic Zurbriggen, so schätzt er, eineinhalb Jahre lang. Es sei jedoch nicht nur das Zeichnen, das an Arbeit anfalle, betont er: «Ich musste die Sage Bild für Bild umschreiben, dann ein Storyboard aufzeichnen und nochmal alles reinzeichnen.»

Seinen Stil beschreibt er als «düsterniedlich». Der eigenwillige Strich des Pental Pinselstifts, mit dem er diesen Comic gezeichnet habe, sei sicher typisch für ihn.

«Leicht globalisierter Saaser Dialekt»

Der Comic-Text ist auf Walliserdeutsch verfasst und wurde von Karl Biffigers Erzählung frei adaptiert. «Es war nicht so schwierig», meint Zurbriggen dazu, «ich habe einfach meinen leicht globalisierten Saaser Dialekt genommen.»

Zudem zeigte er den Text einem Spezialisten, der noch einige Fehler ausmerzen konnte. «Ich bin sehr gespannt, wie mein Dialekt ankommt und wie gut man ihn lesen kann, denn es ist manchmal nicht leicht, eines anderen Dialekt zu lesen.»

Vernissage am Freitag

Am Freitagabend um 22.30 Uhr findet im alten Gemeindesaal von Saas-Grund die Vernissage zum Buch «Päschscholl – En illuschtrierti Walliser Sag», welches im Rotten Verlag erscheint, statt. Er freue sich sehr darauf, so Zurbriggen, sei aber auch ein wenig nervös.

Falls Bedarf da sei, wäre Dominic Zurbriggen nicht abgeneigt, noch weitere Sagen in Comics zu verwandeln. Auf die Frage, ob er dabei schon eine konkrete im Auge habe, meint er geheimnisvoll: «Mir schwebt da schon was vor...»

Hier erfahren Sie mehr über Dominic Zurbriggen und seine Arbeit.

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