Er gilt als Sinnbild einer intakten Natur, gesunden Umwelt, reichhaltiger Lebensräume und gilt in der Schweiz fast schon als Nationalheiligtum: der Wald. Und er vermag zu emotionalisieren: Als in den 80er-Jahren das Waldsterben in aller Munde war, reagierte die Bevölkerung empört. Heute weiss man, dass es dem Schweizer Wald mehrheitlich gut geht.
#DOSSIER#Der Zuwachs an Waldfläche ist beachtlich. Auch im Wallis. Das dritte Landesforstinventar hat ergeben, dass der Wald aktuell über 120 000 Hektaren bedeckt. Seit zehn Jahren weist der Kanton Wallis eine jährliche Zunahme von rund 1000 Hektaren aus. In Europa, insbesondere in Österreich und Deutschland, werden ähnliche Zunahmen verzeichnet, entgegen dem weltweiten Trend einer Waldflächenabnahme. Mit Modellcharakter «Aus forstlicher Sicht ist diese Zunahme unproblematisch», sagt Mathias Hutter, Ingenieur Walderhaltung bei der Dienststelle für Wald und Landschaft.
Der Grundwasserhaushalt werde eher verbessert, Naturgefahren reduziert und es entstehen natürliche Lebensräume. Zudem bindet neuer Wald auch das klimawirksame Treibhausgas Kohlendioxid. Trotzdem will der Kanton den Waldeinwuchs bekämpfen. «Handeln wir nicht, verschwinden Mager- und Trockenwiesen, genauso wie wertvolle Kulturlandschaften, die sich durch eine hohe Biodiversität auszeichnen», erklärt Hutter. Hier will nun der Kanton gegensteuern, auch wenn sich die Experten bewusst sind, dass es nicht realistisch ist, den natürlichen Prozess der Einwaldung vollständig zu verhindern. Dies, weil der Waldeinwuchs aus Sicht der Naturgefahren, der Biodiversität und der Landschaft nicht in jedem Fall negativ ist und die Offenhaltung aller Einwuchsflächen auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht machbar ist.
Mitte September 2011 publizierte der Kanton einen Leitfaden, der zeigt, wie Gemeinden jene Flächen bezeichnen können, deren Einwaldung prioritär verhindert werden soll. «Falls Private auf eigene Faust Einwuchsflächen ausholzen wollen, sollen sie sich beim jeweiligen Revierförster melden. Dieser gibt Auskunft, welche Flächen ausgeholzt werden dürfen», ergänzt Hutter. Wie das Bundesamt für Umwelt schreibt, hat der «Walliser Leitfaden» Modellcharakter. Der Ansatz sei durchaus übertragbar auf die anderen Regionen der Alpen, wo die Waldfläche zunehme.
Mehr zum Thema im WB vom 16. Januar.



