Online seit 1.02.2012 8:00
Quelle: 1815.ch / pan
Wörterseh Verlag Lesetour 2012
Bücher, die das Leben schreibt
Auf einer Lesetour durch ausgewählte Schweizer Hotels präsentiert der Wörterseh Verlag seine aktuellen Bestseller. Am vergangenen Donnerstag waren die Autoren mit ihren Geschichten zu Gast im Zermatterhof in Zermatt.

Wörterseh-Verlagsleiterin Gabriella Baumann-von Arx präsentierte zu Beginn der Veranstaltung die vier druckfrischen Bücher des aktuellen Verlagsprogramms und sprach davon, dass man Büchermachen mit neun Monaten Schwangerschaft vergleichen könne. Etwa diese Zeitspanne müsse eingeplant werden, bis sich eine Geschichte zwischen zwei Buchdeckel füge.

So wie jede Geburt individuell ablaufe, geschehe es auch beim Verlegen eines Buches. «Es gibt sowohl Zangengeburten als auch jene Bücher, deren Entstehung unkompliziert und einfach abläuft», sagte die Verlegerin weiter.

Menschen und deren Geschichten 

Im Gepäck hatte Gabriella Baumann-von Arx die Lebensgeschichten des kletter- und naturbegeisterten Steven Mack und des «Bärenflüsterers» und Auswanderers Reno Sommerhalder. Die heute 79-jährige Lisa Marti, die als Kind verdingt wurde und deren Mann in einer Winternacht spurlos verschwand, berührte mit ihrer turbulenten Vergangenheit und ihrem charmanten Lächeln die anwesenden Gäste ebenso, wie das Schicksal des Nils Jent, der mit 18 Jahren einen schweren Unfall überlebte, seither sprechbehindert, partiell gelähmt und blind ist, sich aber dennoch zurück ins Leben kämpfte. Portraitiert wurde der Betriebswirtschafter vom TV-Mann Röbi Koller, der im Zermatterhof ebenfalls anwesend war.

Obwohl der Anlass als Lesung angekündigt war, kam die Veranstaltung erfrischend anders und keinesfalls einsilbig daher. Nach kurzen Text-Passgagen - vorgelesen vom TV-Produzenten Frank Baumann - entstand mit den Protagonisten Mack, Marti und Sommerhalder ein persönliches Gespräch. Die richtigen Fragen stellte Daniel Dunkel, Chefredaktor der «Schweizer Familie».

«Bären sind enorm tolerant»

Bärenforscher Reno Sommerhalder erzählte etwa von seiner ersten Begegnung mit einem wilden Bären. Ein solcher schlitzte in einer Sommernacht in Kanada mit einem Prankenhieb sein Zelt auf. «Wenn ein Bär in der Nacht in dein Zelt will, ist das für beide keine ideale Situation», sagte Sommerhalder. Jenes Erlebnis sollte sein Leben für immer verändern. Inzwischen kann der gelernte Koch auf rund 10 000 Begegnungen mit «Meister Petz» zurückblicken und gehört zu den renommiertesten Bärenkennern der Welt.

«Alles hat einen Sinn»

Der Zürcher Steven Mack beschreibt in seinem Buch, wie ihn im Wallis ein hartes Schicksal ereilte. Bei einem Pendelsprung von der Ganterbrücke reissen die Seile und er stürzt 150 Meter in die Tiefe. Steven Macks Kopf ist schwer verletzt, sein übriger Körper übersteht den Aufprall auf wundersame Weise fast unverletzt. Als Mack langsam aus dem Koma erwacht, ist er blind. Im Zermatt sprach er mit Daniel Dunkel darüber, wie sich sein Leben nach dem Unfall positiv verändert hat und erzählte, dass er heute eine bisher verborgene Welt entdeckt. «Erst nach dem Abbruch meiner 60 Therapien habe ich Fortschritte gemacht», sagte Mack, der heute trotz seiner Sehbehinderung Häuserfassaden erklettert.

«Mein Mann hat sich verändert»

Auch Lisa Marti liefert ihre eigene Vergangenheit ausreichend Stoff um damit mehrere Bücher realiseieren zu können. Eines ist seit Herbst 2011 auf dem Markt. Nachdem ihr Ehemann Ernst vor 35 Jahren spurlos verschwand, stand die Glarnerin vor dem Nichts. Viel hat sie daraus gemacht und beschreibt im Buch «Mutanfall. Mein Leben ohne Ernst» das Verschwinden ihres Ehemanns, ihr Dasein als Verdingkind und Anekdoten vom Glück und Unglück.

Geschichten vom Leben

Alle präsentierten Geschichten sind Geschichten von Überwindung von Angst, Verlust und der Suche nach der eigenen Identität. Für musikalische Einlagen sorgte Frank Baumann am Akkordeon.

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