Online seit 27.12.2011 7:09
Quelle: 1815.ch / pan
Musikalische Lesung
Feingefühl in Wort und Bass
Das sinnliche Text-Klangprojekt «Ich hab ein zärtliches Gefühl», zeigt den Sprecher und Theaterschaffenden Beat Albrecht aufgewühlt und leidenschaftlich, garstig und komisch, nachdenklich oder betrunken. Zu Worten gesellen sich tiefe Töne von Speedy (Gilbert Jossen) - eine breite Palette an Sprech- und Klangkunst.

Bereits zwei Mal hat sich Beat Albrecht mit seinem aktuellen Programm «Ich hab ein zärtliches Gefühl» dem Publikum präsentiert. Dabei bringt er Prosa und Lyrik etwa von Gottfried Benn, dem Oberwalliser Maler und Dichter Marcel Eyer oder Gerhard Meier mit seiner Sprache zum Klingen.

«Ich hab ein zärtliches Gefühl» sei eine biografische Lesung, sagt Albrecht. Viel kann und will der Schauspieler aus Mörel, der im Kanton Solothurn lebt, nicht über Inhalt und Ablauf preisgeben. «Die Zuschauer sollen selber interpretieren.»

Albrechts Umgang mit den ausgewählten Texten ist vielfältig und facettenreich. Als routinierter Theatermann schlüpft er geschwind wechselnd in die verschiedenen Rollen die ihm die Texte abverlangen, ohne dass dabei Hektik entsteht. Unruhe taucht nur dann auf, wenn Albrecht seine Sprache vorantreibt und bewusst den Redefluss steigert.

Er konfrontiert die Zuhörer etwa in einer Geschichte von Peter Bichsel mit Beamtentum, Borniertheit und anderen Neurosen um wenig später ein Gedicht von Rainer Maria Rilke zu rezitieren und mit müden Zungen den Eindruck der eintönigen Gefangenschaft des Panthers im Jardin des Plantes zu verstärken. Nuschelnd stimmt er das «alkoholisierte» Lied «September Song» von Kurt Weil an, danach rüttelt er mit überraschend lautem Stimmvibrato in den Worten von Pablo Neruda, das sich in Sicherheit glaubende Publikum auf.

Mal leger sitzend oder erzürnt die Anwesenden umrundend, mal beinahe schüchtern vor dem Mikrofon, unverstärkt in den Raum hinaus oder im Flüsterton: «C’est le ton qui fait la musique.» Bei Beat Albrecht stimmt er. 

Mit runden Zwischenklängen und ausufernden Tönen vom Bass begleitet Speedy den ausdrucksstarken Stimmkünstler. Ein sich wohltuend ergänzendes Gespann, das im Zeichen des Safran-Theaters weiterhin gemeinsam auftreten wird. 

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