«Hert gfregt» | Jean-Luc Addor, SVP, über Oskar Freysinger und Greta Thunberg

«Wir sind keine Kirche, sondern eine Partei»

Kein Thema. Der Savièsan Jean-Luc Addor im Bundeshaus. «Sie können darüber sprechen.»
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Kein Thema. Der Savièsan Jean-Luc Addor im Bundeshaus. «Sie können darüber sprechen.»
Foto: WB / Walliser Bote

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Er gilt als Hardliner. Und hat unkonventionelle Ideen. Doch Jean-Luc Addor kümmert das nicht. Er sieht sich und seine Partei auf Kurs.

Jean-Luc Addor, seit 2015 sind Sie für den Kanton Wallis im Nationalrat. Sind Sie in Bundesbern angekommen?

«Ja, natürlich. Ich hatte eine schöne Politkarriere im Wallis, zuerst in der Gemeinde, dann im Grossen Rat, und nun bin ich hier in Bern. Es ist sehr interessant. Und Bern ist eine schöne Stadt.»

In der Deutschschweiz sind Sie wenig bekannt, und ich weiss auch nicht, wie populär Sie im Oberwallis sind?

«Das weiss ich auch nicht. Für Unterwalliser ist es nicht immer einfach, in der deutschsprachigen Schweiz populär zu sein. Wichtig ist, dass wir den Kanton zusammen in Bern vertreten – auch wenn ich nicht perfekt zweisprachig bin. Und diese Zusammenarbeit klappt sehr gut.»

Seit der Abwahl von Oskar Freysinger als Staatsrat hat man das Gefühl, dass die SVP Unterwallis nicht mehr so präsent ist wie auch schon.

«Glauben Sie das? Die Abwahl von Oskar Freysinger ist eine kantonale Geschichte…»

…die die SVP tief getroffen hat.

«Wir sind keine Kirche, sondern eine Partei. Es gibt nicht nur Oskar Freysinger – auch wenn das vielfach kolportiert wird. Wir haben viele gute Leute, die in den Gemeinde oder im Grossen Rat politisch aktiv sind. Und wenn Sie die Liste der SVP Unterwallis anschauen, sehen Sie, dass die Partei im Wandel ist. Doch klar: Für uns war die Abwahl von Oskar Freysinger sicher nicht gut.»

Es war ein Schock für die Partei.

«Das ist Politik. Oskar hat überlebt. Und auch die SVP Unterwallis hat überlebt.»

Trotzdem wird die Liste der SVP Unterwallis als eher schwach eingestuft. Wollten Sie keine Konkurrenz auf der Liste?

«Es ist keine Heimatschutzliste. Vor den Wahlen wird viel diskutiert – auch über andere Parteien. Wir haben eine gute Liste. Unsere Kandidaten sind gut verankert, sie haben Erfahrung.»

Mit Cyrille Fauchère fehlt ein Aushängeschild der Partei.

«Cyrille Fauchère lebt in der gleichen Region wie ich. Daher haben wir zusammen beschlossen, nicht auf derselben Liste zu kandidieren. Ich bin nicht Ständeratskandidat, sondern Cyrille Fauchère. Das heisst, wir haben jemanden nach Oskar Freysinger. Das ist auch ein starkes Zeichen.»

Herr Addor, was halten Sie von Greta Thunberg?

«Das ist ein Produkt. Fertig. Und jemand hat Interesse, dieses Produkt zu vermarkten.»

Wer hat dieses Interesse?

«Das ist weniger klar. Klar ist aber auch, dass hinter diesem Produkt seriöse politische Anliegen stehen – und darüber müssen wir diskutieren. Die SVP sagt nicht, dass man nicht über den Klimawandel debattieren soll.»

Aber wollen Sie auch handeln?

«Die Frage ist: Wie können wir handeln? Ich glaube nicht, dass die Walliserinnen und Walliser bereit sind, 15 oder 20 Rappen mehr für einen Liter Benzin zu bezahlen. Und wir können die Welt nicht alleine retten. Das ist vielleicht der Unterschied zwischen mir und Greta Thunberg. Aber ich sage klar: Das Klima ist wichtig. Wir müssen an unsere Kinder denken.»

Haben Sie ein Rezept, wie man die Altersvorsorge sanieren könnte?

«Ich bin Jean-Luc Addor und nicht Betty Bossy. Aber gleiches Rentenalter für Frauen und Männer ist notwendig. Und man könnte die EU-Ostmilliarde in die Altersvorsorge investieren. Wir müssen uns fragen, was die Schweizerinnen und die Walliser wollen. Wollen Sie die Milliarde aus dem Fenster werfen?»

Mit dieser Milliarde will man wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten verringern…

«…was man noch kontrollieren müsste. Das ist nicht so sicher. Ich bin der Meinung, dass wir zuerst für die Schweizerinnen und Schweizer sorgen müssen.»

Sie haben 2013 für die Einführung der Todesstrafe plädiert. Sind Sie immer noch dieser Meinung?

«Das ist derzeit kein Thema für die Schweizer Politik.»

Aber Sie haben sich dazumal entsprechend geäussert.

«Das stimmt. Aber vielleicht haben Sie realisiert, dass ich dies in den letzten Jahren nicht mehr gemacht habe.»

Und wie ist Ihre persönliche Meinung heute zur Todesstrafe?

«Vielleicht muss man das wieder einmal diskutieren. Doch das Thema ist kompliziert, es gibt moralische Probleme. Aber wenn Kriminelle immer wieder rückfällig werden…»

...wäre die Todesstrafe denkbar?

«Ja, das wäre eine Variante…»

...die Sie nicht ausschliessen?

«Nein. Aber derzeit ist das kein Thema. Ich habe seither nie mehr über die Todesstrafe gesprochen. Sie können das natürlich machen.»

Wer wird bei den Wahlen 2019 für die Überraschung sorgen?

«Es wird keine grosse Überraschung geben. Aber es könnte für das Oberwallis gefährlich werden.»

Weil ein Sitz verloren gehen könnte?

«Ja. Derjenige der CVPO. Ich bin jedoch kein Prophet. Doch das Risiko besteht.»

Armin Bregy

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