Jetzt mal ehrlich | Die Parteipräsidenten im Gespräch – Heute: Alex Schwestermann von der CSPO

«Nein. Die Partei hat keine Fehler gemacht»

Kategorie «Chrampfer». Alex Schwestermann in seinem Haus, das er selbst gebaut hat. Wie stabil ist das Fundament seiner Partei?
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Kategorie «Chrampfer». Alex Schwestermann in seinem Haus, das er selbst gebaut hat. Wie stabil ist das Fundament seiner Partei?
Foto: WB/Alain Amherd

Quelle: 1815.ch 0

Warum er Freysingers Avancen zurückwies und eine Antwort auf die Frage, wie die Gelben ihre Zukunft sehen – mit oder ohne Nationalratssitz

Alex Schwestermann, Sie sind seit 2014 Präsident der CSPO. Am 19. März 2017 wurde Roberto Schmidt mit einem bemerkenswerten Ergebnis in die Walliser Regierung gewählt. Thomas Egger rutschte in den Nationalrat nach. Die CSPO glänzte. Ein guter Zeitpunkt für einen Rücktritt als Parteipräsident. Jetzt mal ehrlich: Haben Sie den Moment ­verpasst?

«Ich habe mir seinerzeit tatsächlich einen Rücktritt überlegt, war aber erst drei Jahre im Amt und es gab es niemanden, der das Präsidium übernehmen wollte. So beschloss ich, die CSPO in die eidgenössischen Wahlen zu führen.»

Und diese könnten für Ihre Partei schwierig werden. Die vereinigte Linke rüttelt am Nationalratssitz von Thomas Egger. Kann er dagegenhalten?

«Ich bin optimistisch. Eggers Stärken sind parteiübergreifend bekannt. Er ist dossiersicher und ein guter Kommunikator. Übrigens hatte Rot-Grün bereits vor vier Jahren eine Listenverbindung. Die Situation ist nicht neu.»

Die Grünen werden aber in ­diesem Jahr zulegen.

«Davon gehe ich aus. Aber im Wallis weniger als im schweizweiten Vergleich. Nicht nur die Grünen machen Klimapolitik.»

Von der CSPO hat man dies­bezüglich bisher wenig gehört.

«Auch wir sind für eine sinnvolle ­Klimapolitik. Aber man sollte nicht übertreiben.»

Das heisst?

«Wenn man beispielsweise das Fliegen verteuern will, muss man den öffentlichen Verkehr ausbauen und vergünstigen. Dann braucht es Nachtzüge und bessere Verbindungen in die Städte. Die Grünen betreiben einen gewissen Aktionismus. Es braucht überlegte ­Lösungen.»

Neben dem Klimawandel ist die Gleichstellung zwischen Mann und Frau derzeit das grosse politische Thema. Sie haben mit Danica Zurbriggen nur eine Frau auf der Liste. Reicht das 2019?

«Eine zweite Frau auf der Liste wäre sicherlich gut gewesen. Das Problem war, Frauen zu überzeugen, für eine Kan­didatur zur Verfügung zu stehen. Das war schwierig. Frauen haben Angst zu verlieren.»

Und Männer?

«Männer sind diesbezüglich gelassener.»

Wenn man Frauen nicht fördert, kandidieren sie auch nicht.

«Wir fördern auch die Frauen. So haben wir eine parteiinterne Frauen­gruppe lanciert. Und Danica ist, obwohl sie ­Zurbriggen heisst, die Zweitplatzierte der Liste. Vielleicht haben wir in den letzten Jahren aber nicht genug gemacht.»

Roberto Schmidt erzielte bei den Nationalratswahlen 2015 27 425 Stimmen. Wie viele wird Thomas Egger machen?

«30 000 (lacht). Nein, das ist schwer zu sagen. Egger wird wohl weniger Stimmen machen als Schmidt. Aber wir haben eine starke Liste mit kompetenten Persönlichkeiten. Zudem hat Thomas insbesondere im Unterwallis an Popularität gewonnen.»

Die CVP Unterwallis wird aber neben ihren Kandidaten in erster Linie Bregy unterstützen.

«Das ist klar. Die CVPO und die CSPO sind verschiedene Parteien. Bruder oder Schwager – das ist nun mal nicht dasselbe.»

Wie schätzen Sie das Potenzial von Diego Wellig ein?

«Auch Wellig ist eine starker Kandidat. Mitunter könnten Egger und Wellig sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Entscheidend ist, dass wir den Sitz halten können. Die Personalie ist zweitrangig.»

CVPO-Wahlleiter Mischa Imboden sagte an der Nominationsversammlung der Schwarzen, dass er die Nase voll habe, dass die CVPO für die Ergebnisse der anderen Parteien verantwortlich sein solle. Man dürfe keine Geschenke machen. «Es geht um unsere Familie. Und die ist schwarz», so Imboden. Wie haben Sie diese Aussage zur Kenntnis genommen?

«Ich wurde sehr oft auf dieses Votum angesprochen. Viele waren der Meinung, dass Imboden mit seiner Aussage zu weit gegangen ist. Aber Wahlkampf kann auch emotional sein. Damit habe ich keine Probleme.»

Wie schätzen Sie die Stärke der «Schwarzen» ein?

«Die CVPO ist auf Kurs. Sie hat mit Viola Amherd eine erfolgreiche Bundesrätin, einen engagierten Ständesrat und eine junge, attraktive Präsidentin.»

Verstehen Sie sich mit CVPO-Parteipräsidentin Franziska Biner gut? Sie ist 33 Jahre alt, halb so alt wie Sie, das ist eine andere Politgeneration.

«Wir verstehen uns gut. Aber zu ihrem Vorgänger Toni Andenmatten hatte ich eine sehr enge Bindung. Wir waren gleich alt, ich habe in Visp gearbeitet und habe Toni oft getroffen. Franziska kenne ich vor allem aus dem Grossen Rat.»

Sie lobte letzte Woche in dieser Rubrik ausdrücklich SVP-Nationalrat Franz Ruppen. Hat Sie das irritiert?

«Nein, ich sehe das ähnlich. Franz macht einen guten Job. Aber manchmal spricht man wohl auch ein Lob aus, um Pluspunkte bei einer anderen Partei zu ­sammeln.»

Sie haben wegen einer Jagd­geschichte Anzeige eingereicht gegen den künftigen CVPO-Grossratspräsidenten Manfred Schmid. Dies könnte das Verhältnis der beiden Schwesterparteien weiter belasten.

«Nein. Der Vorfall hat nichts mit den beiden Parteien zu tun.»

Könnte eine Fusion von Schwarz und Gelb nach den Wahlen zum Thema werden?

«Nein. Das sind zwei starke Parteien, die beide ihre Berechtigung haben. Ein Zusammenschluss würde die politische Struktur des Oberwallis auf den Kopf stellen und die politische Mitte schwächen. Links und rechts würden profitieren. Daran hat weder die CSPO noch die CVPO Interesse.»

Halten Sie am Ständeratsturnus zwischen CVPO und CSPO fest?

«Ja. Und eventuell braucht es künftig auch einen Turnus für den Oberwalliser C-Sitz im Nationalrat.»

Ich stelle eine gewisse Unruhe in der CSPO fest. Die Nominationsversammlung für die Wahlen musste verschoben werden, Diego Wellig zierte sich lange mit seinem Entscheid zu kandidieren, und es gibt Stimmen, die sagen, dass die Partei nicht geschlossen hinter Egger steht, weil er quasi als Quereinsteiger den Sitz in Bundesbern ergattern konnte. Es heisst, lang gediente Partei­exponenten fühlen sich über­gangen.

«Eggers Position ist in der Partei unbestritten. Für einige war sein zweiter Platz auf der Liste vielleicht überraschend – mehr ist da aber nicht. Was stimmt, ist, dass wir Mühe hatten, Kandidaten zu finden. Vor vier Jahren hatten wir eine sehr starke Liste…»

… stärker als in diesem Jahr?

«Das würde ich nicht sagen. Aber die Situation präsentiert sich anders. Vor vier Jahren war absehbar, dass Roberto Schmidt nach seiner Wahl in den Nationalrat auch in den Staatsrat einziehen könnte. Dies machte den Wettbewerb auf der Liste spannend, weil ja der Zweitplatzierte in diesem Fall in die grosse Kammer nachrücken kann. In diesem Jahr war die Bereitschaft zu kandidieren kleiner, weil die Ausgangslage eine andere ist: 20 000 Franken und viel Zeit in eine Kampagne zu stecken, ist weniger verlockend als 2015. Egger ist als am­tierender Nationalrat unser klarer Spitzenkandidat. Die Chance, dass der Zweitplatzierte bei einer Wiederwahl Eggers später nachrücken kann, ist gering. Dies verändert die Dynamik auf einer Liste.»

Weshalb hatte die CSPO Mühe, Kandidaten zu finden. Hat man die Aufbauarbeit verpasst?

«Nein. Wir hatten bereits sehr früh eine Zusammenstellung mit zehn bis 15 potenziellen Kandidaten. Aus verschiedenen Gründen sind mehrere abgesprungen. So mussten wir den Prozess neu lancieren.»

Warum war Wellig so zurück­haltend?

«Weil er wissen wollte, wer sonst auch noch auf der Liste ist.»

Auch Sie steigen ins Nationalratsrennen. Als Kandidat der CSP 60+. Wie kam es dazu?

«Ich wurde von der CSP 60+ angefragt, weil ich über 60 und ein 100-prozentiger Briger bin – obwohl ich in Raron wohne. Bei einer Siebner-Liste war nämlich klar, dass der Bezirk Brig doppelt vertreten sein muss. Als Präsident der CSPO bin ich bereit, meinen Beitrag zu einem guten Wahlausgang zu leisten.»

Auf welche Themen setzen Sie?

«Auf drei Themen. Erstens auf die Natur. Mein Leitsatz ist: Leben in der Natur und die Ressourcen geniessen. Zweitens will ich die Jugend fördern. Drittens will ich mich einsetzen für die Rechte der Bevölkerung.»

Wolf und Bär?

«Grossraubtiere sind natürlich immer ein Thema.»

Zurück zu Ihrer Partei. 2009 hatte die CSPO 14 Grossratsmandate, 2013 waren es noch 12, jetzt 10, im Verfassungsrat gar nur acht. Wann hört der Niedergang auf?

«Der hat bereits aufgehört. Man muss das differenziert betrachten.»

Das sind aber Fakten.

«Natürlich stimmen die Zahlen. 2013 haben wir zwei Sitze verloren, weil die SVP im Aufwind war. 2017 gingen aus demografischen Gründen vier Sitze aus dem Ober- ins Unterwallis. Und da man nur Sitze verlieren kann, wenn man auch welche hat, war klar, dass die C-Parteien Mandatsverluste einfahren werden. Ohne Wahlbetrug hätten wir übrigens heute elf Grossräte in Sitten. Das sollte man nicht vergessen. Die Ursachen für die Verluste liegen also nicht bei der Partei.»

Die Partei hat keine Fehler ­gemacht? Ist das nicht ein wenig zu einfach?

«Nein. Die Partei hat keine Fehler gemacht. Wir haben eine gute Arbeit gemacht und starke und kompetente Leute in den wichtigen Positionen. Wir sind gut aufgestellt.»

Sie sind Grossrat und Parteipräsident, waren im Rarner Gemeinderat und Präsident des Schweizerischen Jagdverbandes. Was haben Sie für ein Verhältnis zu Macht?

«Ich bin kein Machtmensch, gehöre eher zur Kategorie ‹Chrampfer› und muss nicht im Mittelpunkt stehen. Es geht immer um die Partei, um die CSPO. Seinerzeit wollte mich Freysinger übrigens abwerben. Wir haben uns sicher 20 Mal getroffen. Ich blieb der CSPO immer treu – obwohl es auch schwierige Zeiten gab.»

Wie lange werden Sie noch Präsident der CSPO sein?

«Bis Herbst 2019 oder Januar 2020.»

Wer wird folgen?

«Wir haben das Rekrutierungsverfahren lanciert. Wichtig ist, dass der Übergang gut geplant wird.»

Wo werden Sie die Ferienzeit ­verbringen?

«Ich werde hierbleiben, aber verschiedene kulturelle Veranstaltungen besuchen. Die Woche vor den Wahlen geht es noch nach Slowenien.»

Und im Herbst die Jagd?

«Die Jagd im Wallis ist für mich kein Thema mehr. Diesen Entschluss musste ich nach der letzten Jagdaffäre so fällen. Ich werde aber weiterhin in der Deutschschweiz, aber auch in Ungarn auf die Pirsch gehen.»

Interview: Armin Bregy

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Zur Person

Alex Schwestermann (66) ist in Brig aufgewachsen und lebt seit 1980 in Raron. 14 Jahre war der mittlerweile pensionierte Bähnler im Rarner Gemeinderat, seit 2009 sitzt er im Walliser Parlament, wo er auch der Finanzkommission vorstand. 2014 übernahm er das Präsidium der «Gelben», nachdem die CSPO während zweier Monate führungslos war. Schwestermann setzt sich insbesondere für die Jugend ein, aber auch der Kampf gegen Wolf und neuerdings Bär steht auf dem Banner des passionierten Jägers. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Die sechs Enkelkinder seien oft und gerne bei ihm und seiner Frau, sagt der stolze Grossvater.

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