Open Air Gampel | Festivals und ihre Gäste stehen wegen Abfallmengen in der Kritik

Deutlich kleinere ­Müllberge in Gampel

Wegwerfkultur. Dank eingesammelten Zelten und Pavillons muss in diesem Jahr weniger weggeworfen werden.
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Wegwerfkultur. Dank eingesammelten Zelten und Pavillons muss in diesem Jahr weniger weggeworfen werden.
Foto: Walliser Bote

Quelle: WB 0

Neben Musik und ausgelassener Stimmung machten die grossen Open-Air-Festivals in diesem Jahr vor allem mit einem Thema von sich reden: den Abfallbergen. Sobald alle Lichter ausgehen, lassen die Besucher vielerorts das reine Chaos zurück. Nicht so nach dem diesjährigen Open Air Gampel.

Der Anblick soll nicht schöngeredet werden. Auch in diesem Jahr türmen sich auf dem Festivalgelände des Open Air Gampel Müllhaufen, wohin das Auge reicht. Wie wäre es auch anders zu erwarten: Schliesslich haben hier von Donnerstag bis Sonntag tagtäglich bis zu 30 000 Besucher gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Dennoch ist das Bild vor Ort keinesfalls mit jenem aus dem Vorjahr vergleichbar.

Massenhaft zurückgelassene Zelte

Denn als die Festivalbesucher 2017 abreisten, liessen sie Aberhunderte Zelte und Pavillons auf dem Gelände zurück. Zelte und Pavillons, die im Handel für Beträge ab 20 Franken erstanden werden können und die den Zeitaufwand nicht wert zu sein scheinen, wieder zusammengepackt und mitgenommen zu werden. Aufgrund der Bilder, die im Anschluss an die Grossveranstaltungen kursieren, geraten die betroffenen Festivals wie das Open Air Frauenfeld, das Open Air St. Gallen oder auch das Open Air Gampel (OAG) in Verruf. Mehr noch als der Ruf der Veranstaltungen leidet jedoch jener der Festivalgänger – die zum grossen Teil aus der Gruppe der 17- bis 25-Jährigen stammen. Dass es auch anders gehen würde, haben die Festivalbesucher und das OAG mit der diesjährigen Ausgabe angedeutet. Das Festival arbeitete mit dem «No tent waste»-Projekt zusammen. Von sechs Schweizer Hilfswerken lanciert, wollen die Projektverantwortlichen dabei helfen, dass noch intakte Zelte und Pavillons nicht einfach in der Kehrichtverbrennung landen.

Die Festivalbesucher konnten nicht mehr benötigte Gegenstände wie Schlafsäcke, Klappstühle und Zelte bereits während dem Festival an einem Stand beim Festivaleingang abgeben. Und nachdem am späten Sonntagnachmittag die letzten Festivalbesucher vom Gelände verschwanden, begann ein Dutzend freiwilliger Helfer von «No tent waste» mit der Unterstützung von 20 weiteren Personen des OAG-Teams, nach intaktem Campingmaterial zu ­suchen. Gemäss Onlinebericht von Radio «SRF 3» kamen auf diese Weise innerhalb von nur vier Stunden 400 Pavillons, 200 Zelte, 100 Liegematten und 50 Schlaf­säcke zusammen. Die zusammengetragenen Gegenstände sollen an Bedürftige und Obdachlose unter anderem in Paris weitergegeben werden.

Leute sind besser sensibilisiert

Das Abfallproblem dürfte mit solchen und ähnlichen Projekten kaum gelöst werden. Doch Olivier Imboden, Mediensprecher des OAG, ist überzeugt, dass die Besucher inzwischen besser für das Thema sensibilisiert sind: «Die Leute werfen mittlerweile weniger auf den Boden.» Das liege unter anderem auch am Getränkedepot. Aber auch am Abfalltrennsystem, so Imboden weiter. Durch die zunehmende Abfalltrennung steige auch der Abfallanteil, der anschliessend recycelt werden kann. Im vergangenen Jahr kamen rund 120 Tonnen Abfall ­zusammen. Davon wurden 30 Tonnen recycelt. Die nicht recycelten Abfälle sind trotz der in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsenen Besucherzahlen zurückgegangen.

Zeltdepot wird diskutiert

Das Open Air St. Gallen hat der gewachsenen Zahl der liegen gebliebenen Zelte vor Jahren mit einem Depot in Höhe von 20 Franken den Kampf angesagt. Seither würden die Besucher jährlich ­zwischen 85 und 90 Prozent der Zelte wieder mitnehmen, kommuniziert der Veranstalter.

«Ein Zeltdepot wird auch in Gampel Jahr für Jahr diskutiert», sagt Imboden. Bisher habe man sich jedoch dagegen entschieden. Dasselbe gilt auch für ein Mülldepot. «Stattdessen verteilen wir am Eingang Abfallsäcke, die die Besucher gratis benutzen können», so Imboden. Und der Gang über das Festivalgelände zeigt: Das Angebot wird genutzt. Auf dem gesamten Gelände liegen vollgestopfte Müllsäcke herum.

Wer ist schuld?

Im Kampf gegen die Abfallberge an den Festivals sieht Imboden drei Gruppen in der Verantwortung: den Handel, der viel zu billige Zelte herstellt. Die von einer Einweg- und Wegwerfkultur geprägten Besucher und nicht zuletzt auch das Festival. «Gampel macht viel für die Nachhaltigkeit. Wir haben bereits vor Jahren gemeinsam mit dem Kanton eine Nachhaltigkeitscharta ausgearbeitet und sind in dieser Hinsicht auch ein wenig Pioniere», betont er. Einerseits, wolle man damit einen Beitrag leisten, dass bei den Besuchern mit Hinblick auf die Abfallberge ein Umdenken stattfindet. Dann geht es den Veranstaltern aber natürlich auch um das eigene Portemonnaie: «Weniger Abfall bedeutet für das Festival weniger Kosten», so Imboden. Aktuell gebe das Open Air Gampel etwa 160 000 Franken für die Abfallentsorgung aus. In diesem Betrag enthalten ist die Arbeit der seit Jahren ­eingesetzten, sogenannten Trash Heroes.

Verantwortung übernehmen

Damit der Abfallberg zukünftig weiter sinkt, werden neben den Veranstaltern und den Besuchern auch der Handel und mit ihm die Produzenten Verantwortung übernehmen müssen. Jene produzierenden Unternehmen, die ihre Kunden seit Jahren an immer kürzere Produktzyklen und somit immer kurzlebigere Waren gewöhnt haben.

Martin Schmidt

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