«Hert gfregt» | Philippe Nantermod, FDP, über seine Ambitionen und seinen Angriff auf Beat Rieder

«Die CVP spielt ein gefährliches Spiel»

Breitbeinig im Bundeshaus. Philippe Nantermod, Nationalrat FDP.
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Breitbeinig im Bundeshaus. Philippe Nantermod, Nationalrat FDP.
Foto: WB / Andrea Soltermann

Quelle: WB 0

Philippe Nantermod hat Ambitionen. Und Talent. In Bundesbern setzt er Akzente. Im Oberwallis wird er trotzdem auf keinen grünen Zweig kommen.

Philippe Nantermod, die FDP will eine zweiten Sitz im Nationalrat. Auf Kosten des Oberwallis.

«Nein, es ist auch möglich, dass wir den zweiten Sitz im Unterwallis holen.»

Denjenigen von Jean-Luc Addor?

«Genau. Addor hatte 2015 ein nicht allzu überragendes Ergebnis.»

Sie attackieren auch Beat Rieder und somit den Oberwalliser Ständeratssitz. Wieso?

«Das Oberwallis ist eine Minderheit. Sie müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass ich aus einer Region komme, die nur einen Sitz in Bern hat. Konkret: Von Saillon bis zum Genfersee ist die Walliser Bevölkerung mit nur einem Sitz im Bundesparlament vertreten. Dabei gibt es hier die beiden grossen Städte Martinach und Monthey. Und seit rund zehn Jahren hat der Bezirk Monthey keinen Staatsrat. Diskutiert man über eine gerechte Verteilung der politischen Mandate im Kanton, sollte man nicht nur über das Oberwallis sprechen.»

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein? Die FDP ist im Oberwallis kaum präsent. Und Sie vertreten im Parlament liberale Positionen, die im Oberwallis wenig populär sind.

«Es gibt Polit-Rankings, welche die politische Positionierung aufzeigen. Ich stimme am häufigsten im Durchschnitt der Walliser Delegation – häufiger sogar als die CVP. Ich bin nicht ultra-liberal, sondern in der Mitte. Übrigens haben auch andere Kantone nicht zwei Ständeräte derselben Partei, weil man mit einer Partei keine Mehrheiten schaffen kann. Es stimmt, dass die CVP im Ständerat stark ist. Trotzdem hat sie nur 14 Stimmen.»

Mit einem FDP-Ständerat wären Mehrheiten eher möglich, sagen Sie. FDP und CVP könnten sich in der kleine Kammer aber auch neutralisieren.

«Die CVP hat 14 Stimmen. Das ist nun mal keine Mehrheit. Dafür braucht es zwei Parteien. Alle anderen Kantone haben dies verstanden: Wenn man eine gute Vertretung im Ständerat will, braucht es zwei Parteien. Punkt. Schluss.»

Die CVP ist aber die Partei, die Kompromisse und Lösungen ermöglicht. Insbesondere auch für die Randregionen. Dies ist nicht eine Stärke der FDP.

«Es gibt nie einen Kompromiss nur mit der CVP. Die CVP alleine kann in Bundesbern nichts erreichen. Denn es gibt einen Unterschied zwischen Bundesbern und Sitten: Im Wallis hat die CVP eine Mehrheit in der Regierung, bis vor wenigen Jahren sogar eine absolute Mehrheit im Parlament. In Bern sieht das anders aus. Für eine Mehrheit braucht man die Hälfte der Stimmen plus eins. Diese Mehrheit kann eine Partei alleine nie erreichen.»

Ich nenne Ihnen eine Zahl, und Sie sagen mir, was Sie mit dieser in Verbindung bringen: 587.

«Keine Ahnung.»

Das ist die Anzahl Stimmen, die Sie vor vier Jahren im Oberwallis gemacht haben. Wie wollen Sie diese Zahl steigern?

«Vor acht Jahren waren es übrigens 82. Ich finde es traurig, dass Unterwalliser Politiker im Oberwallis derart schlechte Resultate erzielen. Und umgekehrt. Selbst Roberto Schmidt hat in meinem Bezirk nur 300 Stimmen gemacht. Das ist ein Problem und nicht gut für die Kohäsion des Kantons. Ich bin liberal, politisiere rechts der Mitte, bin Vizepräsident der FDP Schweiz, arbeite in zwei Kommissionen und bin laut der «SonntagsZeitung» der einflussreichste Walliser Parlamentarier in Bundesbern. Die Frage ist doch: Was wollen wir?»

Die Antwort?

«Wir brauchen Leute, die den Kanton Wallis in Bern gut vertreten – und nicht nur für ihre Region sprechen. Und wir müssen künftig verstärkt zusammenarbeiten. Ich arbeite sehr gut mit den Oberwalliser Parlamentariern zusammen.»

Und trotzdem haben Sie im «Nouvelliste» gesagt, dass Sie den Oberwalliser Ständeratssitz angreifen.

«Das stimmt, und das war ein wenig skandalös. Aber es war auch eine Provokation. Und diese wurde im Oberwallis wahrgenommen. Das heisst, dass die Oberwalliserinnen und Oberwalliser die politischen Debatten im Unterwallis verfolgen.»

Ist das umgekehrt auch der Fall?

«Weniger. Und das ist nicht gut.»

Wenn die jeweiligen Politiker in der anderen Kantonshälfte nicht beachtet werden, könnte man doch auch zwei Halbkantone machen: Unterwallis und Oberwallis.

«Das wäre keine gute Lösung. Ich bin stolz auf das Oberwallis. Der Unternehmergeist ist hier viel ausgeprägter als im Unterwallis – insbesondere auch im Tourismusbereich.»

Wer wird bei den Wahlen 2019 überraschen?

«Die Überraschung gibt es bei den Ständeratswahlen. Ständeratswahlen sind Personenwahlen. Beat Rieder ist ein guter Ständerat, doch Marianne Maret hat kein Netzwerk in Bern. Daher spielt die CVP ein gefährliches Spiel, wenn sie sich an die beiden Sitze klammert. Die Folge dieser Strategie wird sein, dass Rieder seinen Sitz verliert. Und Mathias Reynard oder Philippe Nantermod gewählt ist.»

Interview: Armin Bregy

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