Olympia | Erste Medaille für die Schweiz

Warum es gut ist, wenn Jenny Perret nervös ist

«Wenn sie nicht denken kann, dann spielt sie besser», so Rios über Jenny Perret.
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«Wenn sie nicht denken kann, dann spielt sie besser», so Rios über Jenny Perret.
Foto: Keystone

Quelle: SDA 0

Der grosse Jubel über die erste Schweizer Medaillen in Pyeongchang blieb noch aus. Denn in einem Punkt sind sich die Mixed-Curler Jenny Perret (26) und Martin Rios (36) ausnahmsweise einig. Das Ziel ist noch nicht erreicht. Gold glänzt mehr als Silber.

Der Halbfinal gegen die Russen brachte für die Bielerin Jenny Perret und den Glarner Martin Rios bis zum 7:5-Schlussstand ein weiteres Wechselbad der Gefühle. Der Sieg sicherte eine Medaille. Was bedeutet die Medaille? Jenny Perret hat noch keine Ahnung. "Die Gefühle sind noch nicht da", sagt sie. "Und ich will sie auch noch nicht da haben. Wir haben eine Medaille, okay. Aber jetzt ja nicht abschalten! Das wichtigste Spiel folgt noch."

Noch gar nicht freuen mag sich Martin Rios. "Natürlich ist es toll, dass die Schweiz jetzt eine Medaille auf sicher hat - und dann auch noch durch das Team mit der Gurke aus dem Glarnerland. Aber das Turnier geht weiter. Jetzt kann ich es ja sagen: Unser Ziel war stets die Goldmedaille. Fast drei Jahre lang haben wir auf diesen Moment hingearbeitet."

In diesen drei Jahren ist viel passiert. Martin Rios und Jenny Perret waren einst ein Paar. Aber schon früh auf dem dreijährigen Parcours zu den Olympischen Spielen zerbrach die grosse Liebe. An den sportlichen Zielen hielten Rios und Perret aber fest. Nur der Umgangston wurde rauer. Inzwischen zelebrieren Perret/Rios die Kommunikation untereinander. Rios, beim Curlingverband als Nachwuchstrainer angestellt, ist sich durchaus bewusst, dass sich viele Leute fragen: "Wie können diese Idioten so miteinander umgehen und doch Erfolg haben?"

Nach dem gewonnen Halbfinal "chifleten" (zankten) Perret und Rios gleich weiter. Perret erzählte, wie sie während des gesamten Spiels extrem nervös gewesen sei. Zwei Stunden vor Spielbeginn habe sich die Nervosität eingestellt. Rios entgegnete, er sei ruhig gewesen. "Den ganzen Tag lang war ich nervös, aber so zwei Stunden vor dem Spiel verflog die Nervosität." Und zur Nervosität seiner Spielpartnerin sagte er: "Es ist super, wenn Jenny nervös ist. Dann kann sie nicht denken. Und wenn sie nicht denken kann, dann spielt sie besser."

Rios sagt gerade raus, was er denkt. Die Spielerinnen der Eishockey-Frauen-Nationalmannschaft sind für ihn die "Hockey-Hühner". Und die ebenfalls erfolgreichen Eishockeyanerinnen werden Rios das Bonmot nicht übel nehmen, denn alle wissen, dass er es nicht böse meint.

Die Zuversicht vor dem Final bei Perret/Rios ist gross - trotz der 2:7-Niederlage gegen die Kanadier in der Vorrunde. Rios: "Wenn wir im Final so spielen wie in den ersten vier Ends gegen die Russen im Halbfinal, dann sind wir bei den Leuten." Und Jenny Perret ergänzt, dass "wir beim 2:7 nur so chancenlos waren, weil ich in diesem Spiel nicht auf der Höhe war". Im Final will sie aber wieder auf Augenhöhe mitspielen. Perret: "Wir sind sowieso Kämpfernaturen. Vor einem Jahr gewannen wir den WM-Final in extremis dank einem Viererhaus am Schluss. An schwierigen Aufgaben wachsen wir."

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