Fussball | Vladimir Petkovic musste ziemlich einstecken an diesem Samstag in Kopenhagen

Wenn die Stürmer nicht treffen

Haris Seferovics Triplette vor elf Monaten gegen die Belgier auf dem Weg ans Finalturnier der Nations League war ein Ausreisser.
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Haris Seferovics Triplette vor elf Monaten gegen die Belgier auf dem Weg ans Finalturnier der Nations League war ein Ausreisser.
Foto: Keystone

Quelle: SDA 0

Drei Tage vor dem Match gegen Irland in Genf akzentuierte sich nicht nur das Problem der späten Gegentreffer. Die Schweizer Stürmer taten sich auch beim 0:1 in Dänemark schwer mit dem Toreschiessen.

Vladimir Petkovic musste ziemlich einstecken an diesem Samstag in Kopenhagen. Am Morgen wurde der Schweizer Nationalcoach in den grossen Schweizer Zeitungen angezählt, am Abend folgte der nächste Tiefschlag. Die Schweiz verlor entgegen dem Spielverlauf und geriet damit 2019 definitiv aus dem Tritt. "NZZ", "Tages-Anzeiger" und "Blick" sind sich einig: Die Kommunikationsschwächen des Trainers in Kombination mit den nachlassenden Resultaten müssen Anlass für den Verband sein, sich kritische Gedanken über eine Verlängerung des nach dieser EM-Kampagne auslaufenden Vertrags mit Petkovic zu machen.

Nur, was kann der Trainer dafür, wenn sich die Mannschaft wiederholt selbst um die Früchte ihrer Arbeit bringt? Gegen die Dänen kassierte die Schweiz abermals ein fatales spätes Gegentor und schlug aus den eigenen Möglichkeiten kein Kapital. "Unsere Chancenauswertung war schlecht", bemängelte Petkovic nicht zum ersten Mal.

Das mag an diesem Abend zum wesentlichen Teil an einem gegnerischen Akteur gelegen haben. Kasper Schmeichel, Sohn der Goalie-Legende Peter Schmeichel, parierte alles. Viermal glänzte der Keeper der Dänen mit Weltklasse-Reflexen. Es gab aber auch diese eine Chance zu Beginn der zweiten Halbzeit, die man, so befand Petkovic, "auf diesem Niveau nutzen muss". Mit einem langen Ball von Ricardo Rodriguez lanciert, stürmte Admir Mehmedi auf das dänische Tor zu und schoss freistehend vor Schmeichel über das Tor.

"Ich habe eine super Ballannahme und entscheide mich dann, mit rechts zu schiessen. Vielleicht hätte ich den Ball noch einmal mitnehmen und mit links abschliessen müssen", schilderte Mehmedi. Der Wolfsburger war der beste Schweizer an diesem Abend, aber auch er blieb ohne Zählbares. Womit sich ein Problem der letzten Monate weiter akzentuierte: Kein Schweizer Stürmer hat in der laufenden EM-Qualifikation mehr als ein Tor erzielt. Seit dem Jahreswechsel erzielten die Stürmer in sieben Spielen drei Tore, zwei davon beim 4:0 gegen Gibraltar.

Die Schweiz hat zurzeit keinen Goalgetter vom Format eines Alex Frei, sie hat keinen Vollstrecker wie die Israeli mit Eran Zahavy (10 Tore), die Russen mit Artem Dsjuba (8) oder die Österreicher mit Marko Arnautovic (6) in ihren Reihen. Mehmedi, Mario Gavranovic und Breel Embolo trafen bislang je einmal, Haris Seferovic, letzte Saison Torschützenkönig in Portugal für Benfica Lissabon, noch nicht, ebenso wenig Josip Drmic und der bei West Ham noch nicht angekommene Albian Ajeti. Seferovics Triplette vor elf Monaten gegen die Belgier auf dem Weg ans Finalturnier der Nations League war ein Ausreisser, die Absenz von Xherdan Shaqiri nur teilweise verantwortlich für die Flaute.

Auf zehn Tore in fünf Spielen kommt die Schweiz mitunter dank dem Offensivdrang aus der zweiten Reihe: Denis Zakaria war zweimal erfolgreich, zwei Verteidiger und drei weitere Mittelfeldspieler je einmal. Diese Ausgeglichenheit kann eine Stärke sein. Mehr Stürmertore würden dem Nationalteam im Finish der EM-Qualifikation aber helfen.

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Im Kampf gegen die Negativspirale

Die Schweizer Nationalmannschaft ist ins Schlingern geraten. Nach dem 0:1 in Kopenhagen gegen Dänemark steht sie am Dienstag gegen Irland unter Zugzwang. Nur ein Sieg bringt die Gewissheit, ein Scheitern in der EM-Qualifikation aus eigener Kraft abwenden zu können.

Ob Basel, Porto, Dublin oder Kopenhagen, die Bilder bei Schweizer Länderspielen 2019 gleichen sich: ein spielerisches Übergewicht, späte Gegentore, enttäuschte Gesichter. Auch die Erklärungen von Trainer und Spieler gehen in die gleiche Richtung. Von fehlender Konzentration in der Defensive ist die Rede, von mangelnder Effizienz im Abschluss oder der Weltklasse einzelner Gegenspieler. Auch am Samstag wiederholte sich im stimmungsvollen Parken in Kopenhagen die Szenerie. Wie sehr die Niederlage schmerzen wird, wird sich gegen Irland weisen.

Die Schweizer Mannschaft hatte vor gut einem Jahr im Nachgang der WM, in der Diskussionen um Doppeladler und Doppelbürger und der blutleere Auftritt gegen Schweden den Achtelfinal-Einzug überstrahlten, ihre Antwort auf dem Platz gegeben. Beim 6:0 gegen Island und dem 5:2 gegen Belgien boten sie begeisternden Fussball und lieferten zwei der besten Leistungen in der jüngeren Länderspiel-Geschichte ab.

Doch der goldene letzte Herbst mit der Qualifikation für das Final Four der Nations League täuschte und war nur eine Momentaufnahme, die Bilanz 2019 ist ernüchternd. Nur zwei Siege gelangen der SFV-Auswahl im laufenden Jahr, von den letzten sechs Partien konnte nur eine gewonnen werden - im September in Sitten gegen den Exoten Gibraltar (4:0). Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander.

Gefällig, aber ineffizient

Das Team hat sich dank dem von Vladimir Petkovic eingeleiteten Umbruch spielerisch weiterentwickelt. Das Mittelfeld, gegen Dänemark der stärkste Mannschaftsteil, genügt höheren Ansprüchen. Granit Xhaka, bei Arsenal als Captain umstritten, im Kreis der Nationalmannschaft der klare Chef, kontrollierte zusammen mit Denis Zakaria, dem Aufsteiger des letzten Jahres, das Zentrum.

Die Schweizer spielten deutlich besser als beim 1:1 in Dublin, brachten die Dänen mit Spielverlagerungen und weiten Bällen immer wieder in Bedrängnis und drückten dem Spiel den Stempel auf, standen am Ende aber trotzdem mit leeren Händen da. Ein genialer Pass von Christian Eriksen und ein kollektives Fehlverhalten der Schweizer Defensive ermöglichte den seit 23 Pflichtspielen ungeschlagenen Dänen den Siegtreffer von Yussuf Poulsen in der 85. Minute. Die Schweizer ihrerseits waren wiederholt am überragenden Keeper Kasper Schmeichel gescheitert, der die Schüsse von Xhaka (14.) und Ricardo Rodriguez (51.) an die Latte lenkte.

Dominanz und Ballbesitz zeugen zwar von Spielkultur, garantieren aber schon länger nicht mehr Erfolg. Der Fussball hat sich in eine andere Richtung entwickelt, gefragt sind schnelles Umschalten, gute Standards und Effizienz - sowohl in der Offensive wie auch in der Defensive. Diese ist der Schweiz abhanden gekommen. Die wenigen Nachlässigkeiten in der Abwehr werden eiskalt bestraft, die Stürmer haben in diesem Kalenderjahr - das Gibraltar-Spiel ausgenommen - erst ein Tor erzielt.

Mentale Schwäche

Zudem hat sich ein mentales Problem eingeschlichen. "Wir wussten, dass die Schweiz in der Schlussphase immer nachlässt." Der Satz des dänischen Nationaltrainers Age Hareide sass. Der Norweger und sein Team hatten im Vorfeld die späten Tore als Schweizer Schwäche ausgemacht und diese eiskalt ausgenützt - womit sie sich weiter akzentuierte. In vier von sieben Spielen kassierten die Schweizer späte Gegentore, allein fünf in den drei Spielen gegen Dänemark und Irland. Als Folge davon droht dem Gruppenfavoriten nun der Worst Case.

Noch immer hat die SFV-Auswahl ihr Schicksal in den eigenen Händen. Will sie das EM-Ticket aus eigener Kraft via Qualifikation lösen, braucht sie aber sowohl in Genf gegen Irland als auch in den verbleibenden zwei Spielen im November gegen Georgien und in Gibraltar jeweils einen Sieg. Scheitert sie, hätte sie zwar noch immer die Chance, sich im Frühjahr als einer der Nations-League-Gruppensieger via Barrage zu qualifizieren, der Schaden wäre aber angerichtet. Erstmals wären Trainer Petkovic und die Generation um die U17-Weltmeister Xhaka, Rodriguez und Haris Seferovic in einer Kampagne gescheitert. Ein Misserfolg, der weder der Erwartungshaltung der Fans und der Öffentlichkeit, geschweige denn dem Selbstverständnis dieser Mannschaft entspricht. sda

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