Jean-Marie Cleusix' Rücktritt | Harsche Reaktionen von Parteien und Verbänden

Freysinger bietet Cleusix eine Stelle am Kollegium in Brig an

Getrennte Weg. Jean-Marie Cleusix (rechts) soll nach dem Willen von Staatsrat Freysinger künftig am Kollegium in Brig unterrichten.
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Getrennte Weg. Jean-Marie Cleusix (rechts) soll nach dem Willen von Staatsrat Freysinger künftig am Kollegium in Brig unterrichten.
Foto: Walliser Bote

Quelle: WB 6

Die politischen Parteien sind erleichtert, dass Jean-Marie Cleusix das Handtuch warf. In die Kritik gerät Staatsrat Oskar Freysinger. Er will Cleusix nicht fallen lassen und transferiert ihn als Lehrer ans Kollegium in Brig

Und darüber, dass Jean-Marie Cleusix, der erst am Mittwoch seinen Posten als Chef der Dienststelle für Unterrichtswesen räumte, bereits ab Mitte August im Briger Kollegium Unterricht erteilen soll, sind denn auch viele erstaunt. Philipp Matthias Bregy, CVPO, fragt sich etwa, wie Cleusix in Zukunft am Kollegium in Brig Philosophie unterrichten soll.
Diego Clausen, CSPO-Fraktionschef, ist erleichtert, dass Cleusix das Handtuch warf. Als Dienstchef sei er nach Bekanntwerden seiner Steueraffäre eigentlich nicht mehr tragbar gewesen.
Für die FDP kam der Rücktritt nicht überraschend. Man ist aber besorgt und verärgert.: «Die Missstände, intern seit langem bekannt, wurden vom Chef des Departements und der Regierung nicht in Angriff genommen. Alle wussten es!» Das Läuten der Alarmglocken habe man in Sitten in dem Regierungsgebäude nicht wahrgenommen oder nicht ernst genommen. Es könnte aber auch ein politisches Nachspiel geben.

Ein Thema für die GPK

Urs Kuonen, CVPO-Grossrat und Präsident der Geschäftsprüfungskommission (GPK), hat bestätigt, dass das Dossier Cleusix an der ordentlichen Sitzung der GPK Ende August auf die Traktandenliste kommen wird.
Teile der Lehrerschaft machten in den letzten Wochen mächtig Druck auf Cleusix. Er hatte viele Feinde. Natürlich auch in der Lehrerschaft. Vorwürfe gibt es viele. Bestätigt ist vorerst allerdings nichts. Da wäre die Geschichte mit der Verhinderung der Einführung des Lehrplan21. Cleusix soll auch eine «Schwarze Liste» von Lehrpersonen geführt haben, die ihm nicht passten. Das Genick gebrochen haben könnte Cleusix aber wohl eine zweite «Abhöraffäre" und ein Plagiatsvorwurf.

Staatsrat Freysinger stellt sich hinter Cleusix: „Für alle Vorwürfe hat mir bis jetzt niemand Beweise auf den Tisch legen können. Und auch meine internen Abklärungen haben ergeben, dass sich Cleusix nichts hat zu Schulden lassen kommen.“ Er sei aber erleichtert, dass „nun Klarheit herrsche“.

Alles begann mit einer Steueraffäre

Jean-Marie Cleusix (59) begann 2007 als persönlicher Mitarbeiter von Staatsrat Claude Roch im Bildungsdepartement, wurde später Generalsekretär und 2013 ernannte ihn Oskar Freysinger zum Chef der kantonalen Dienststelle für Unterrichtswesen. Seither rumorts. Erstens weil sein Vorgänger Jean-Francois Lovey intern für Spezialaufgaben wegbefördert wurde. Zweitens wegen einer Steueraffäre. Ende der 1990er-Jahre rekurrierte Cleusix gegen seine Steuerveranlagungen von 1995 bis 1998 rekurrierte. Der Fall kam zur kantonalen Steuerrekurskommission (KRK). Dort verlor man das Dossier aus den Augen. Als die KRK es wiederfand, waren die Steuerschulden verjährt. Das akzeptierte die Gemeinde Leytron, wo Cleusix damals wohnte, nicht. Sie forderte 2014 vom Kanton Steuerausfälle von 78 000 Franken zurück. Nach den Steuergeschichten verlangten mehrere Fraktionen eine Suspendierung. Vergeblich. 2015 gabs nach einer Disziplinaruntersuchung für Cleusix einen Verweis der Regierung. Im Herbst 2015 zahlte Cleusix freiwillig einen Teil der verjährten Steuerschulden zurück.

hbi

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Kommentare

  • Bruno Biner - 203

    Jedes Jahr das gleiche Theater. Kurz vor dem Sommerloch schiesst der Oskar den Bock ab. Letztes Jahr gab er seinem Busenfreund Heinz Julen eine Betriebsgenehmigung fürs Vernissage in Zermatt obwohl die Kellerbar keine Brandschtuznormen einhält. Selbsternannte Künster unter sich. Dieses Jahr erhält Jean-Marie Cleusix einen gut bezahlten Lehrerjob obwohl kein Posten ausgeschrieben ist. Inkompetente Lehrerkumpanen unter sich....

  • Lotti Chalbermatten - 279

    Einfach schlimm wie Staatsgelder und gut bezahlte Posten an Inkompetente verteilt werden. Freysinger muss zurücktreten.

  • Klara Zenruffinen - 307

    Die Wiedereinstellung des inkompetenten Cleusix zeugt von der Inkompetenz des Freysingers. Der Oskar sollte auch sein Amt niederlegen.

  • Don Quijote - 284

    Es ist für mich höchst bedenklich, dass Herrn Cleusix auf solche Weise ein goldener Fallschirm angeboten wird. Neubesetzungen von Lehrerposten an kantonalen Gymnasien sind grundsätzlich ausschreibungspflichtig. Wenn Staatsrat Freysinger nun für Jean-Marie Cleusix einfach einmal so eine Planstelle massschneidert, setzt er sich damit über alle Prinzipien seines eigenen Staatsapparates hinweg, die er als gewählter Staatsrat doch in Ehren halten und verteidigen sollte. So etwas ist unwürdig – und zwar für alle Beteiligten. Und es stösst all die Jungen vor den Kopf, die bereit wären, ihr Wissen und Können in den Dienst unseres Kantons zu stellen. Herr Staatsrat, bitte beweisen Sie Grösse und Souveränität!

  • wyberi - 272

    Herr Cleusix soll sich dem üblichen Auswahlverfahren stellen und sich regulär bewerben. Und Herr Freysiger soll sich in operativen Geschäften zurückhalten.

  • Eyer Franz - 558

    Wenn es dann zutrifft, dass Herr Cleusix einfach so zu einer Anstellung am Kollegium Spiritus Sanctus kommt, dann ist das gegenüber allen jungen Gymnasiallehrern und -Lehrerinnen ungerecht. Es gibt viele junge Pädagogen, die sich auf Stellenausschreibungen am Kollegium in Brig-Glis melden würden - sollte denn überhaupt etwas ausgeschrieben sein. Dass Herr Cleusix ein schlechtes Beispiel für unsere Jugend wäre, sei nur nebenbei erwähnt. Bitte Herr Freysinger, sorgen Sie dafür, dass hier nicht ein (unwürdiges) Exempel statuiert wird!

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