Religion | Ein Einsiedler-Mönch auf der Suche nach Wahrheit

Grosse Meditation in den Walliser Bergen

Bruder Markus vor seiner Meditationshütte.
1/3

Bruder Markus vor seiner Meditationshütte.
Foto: 1815.ch

Religionen verschwimmen. Bei Bruder Markus hat auch das Kreuz seinen Platz.
2/3

Religionen verschwimmen. Bei Bruder Markus hat auch das Kreuz seinen Platz.
Foto: 1815.ch

Tibetische Fahnen in den Walliser Alpen.
3/3

Tibetische Fahnen in den Walliser Alpen.
Foto: 1815.ch

Quelle: WB /pmo 0

Oberwallis. Unweit der höchsten Viertausender der Walliser Alpen sucht Bruder Markus nach der Wahrheit. Ende Jahr beginnt seine zweite Grosse Meditation, während der er sich mindestens drei Jahre lang ausschliesslich der Meditation widmen will.

Der Weg führt über einen alten Kreuzweg steil nach oben auf eine kleine Oberwalliser Alpe, die nur im Sommer auf dem Fussweg erreichbar ist. Nach über einer Stunde Aufstieg erreicht der Besucher einen umgebauten alten Stall, weit abseits jeglicher Zivilisation. Es ist das 25 Quadratmeter grosse Meditationshaus des hinduistischen Einsiedlers Markus. Bruder Markus ist ein Brahmachari, einer der sich auf die Suche nach dem Absoluten, der Wahrheit oder eben auch Gott genannt, macht.

«Weil die Wüste zu weit weg ist, es im Urwald zu viele Moskitos hat und die Walliser Berge das beste Klima im ganzen Alpenraum bieten», hab es ihn in die hiesige Berglandschaft verschlagen, erklärt er im Gespräch. Die Alpen seien etwa gleich alt wie das Himalaja-Gebirge und weisen zudem die gleiche geologische Struktur auf. «Ich bin in die Walliser Berge gezogen, um Gott zu finden.» Um Gott zu hören, brauche es Stille, sowohl eine äussere als auch eine innere, mentale Stille.

Die Suche nach dem Unvergänglichen

Bruder Markus sucht nach dem Unbewegten und Unvergänglichen, in dem die Wahrheit liegt-im Gegensatz zu allem Vergänglichen und Bewegten des Alltags, das kein dauerhaftes Glück ermögliche und nicht absolut sei. Als Einsiedler-Mönch müsse man sich deshalb vom wirtschaftlichen, politischen, sozialen und religiösen Leben lösen. Dies sei nur möglich durch Meditation, während der er eine innere Ruhe finde und seine Aufmerksamkeit auf die Wahrheitssuche richten könne. Das eigentliche Ziel dabei sei das unaufhörliche Denken für immer zu stoppen und sich vollständig von Anhaftungen an Dinge und Menschen zu lösen.

Alle Religionen, so ist Bruder Markus überzeugt, lehren, wie man Gott erkennen kann. In diesem Zusammenhang macht er deshalb keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Glaubenslehren. «Das Wesentliche einer Religion, wie dem Christentum, ist, dass sie auf die letzte Wahrheit zeigt. Auch Jesus hat den Menschen gezeigt, wie man beten soll und verweist dabei auf Gott.» Der Unterschied sei einzig, dass es in jeder Religion verschiedene Propheten und Lehrer gebe. Letztendlich gehe es jedoch um die letzte Wahrheit, die alle Religionen vermitteln.

Vom Informatiker zum zeitlosen Einsiedler

Vor seiner Zeit als Einsiedler führte Bruder Markus, der im Kanton Bern aufgewachsen ist, ein normales Leben als Wirtschaftsinformatiker bei einem grossen Schweizer Mobilfunkanbieter. Bereits vor seinem endgültigen Rückzug lebte er neben seinem Berufsalltag mit Meditation und dem Studium der Heiligen Schriften. Bei einem Lehrer, der selbst 25 Jahre als Einsiedler-Mönch im Himalaja lebte und ihm die Hinduschriften erklärte, wurde er vom Einsiedlerleben inspiriert. Nach über zehn Jahren als Einsiedler auf Teneriffa zog es ihn schliesslich in die Walliser Berge, wo er während eines Spaziergangs zufällig auf seine heutige Hütte stiess.

«Die Begegnungen mit Menschen, die ich hier in der Region gemacht habe, waren phänomenal», betont Bruder Markus. Er sei zu Beginn überrascht worden von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Oberwalliser Bevölkerung. Die Unterstützung ist grossartig, wie er hervorhebt, sei dies nun durch kleine Spenden oder andere Gaben und Dienstleistungen. Ganz ohne Spenden kommt er nämlich nicht aus. «Der grösste Budgetposten ist die AHV, für die ich jährlich 540 Franken zahlen muss.»

Grosse Meditation steht bevor

Seit rund zwei Jahren lebt Bruder Markus nun bereits in den Walliser Bergen. Vor Kurzem musste er seine erste Grosse Meditation zwischenzeitlich abbrechen, weshalb er überhaupt erst Zeit für ein Gespräch finden konnte. Grund für den Abbruch war der Absprung seines bisherigen Administrators, seines Kontakts zur Aussenwelt also. Damit er den Kontakt mit der Aussenwelt aufrechterhalten kann und er Zugang auf seine Webseite eremo.ch hat, verfügt Bruder Markus über einen Internetanschluss. Das Internet, das er «seine Bibliothek» nennt, bietet ihm zudem die Möglichkeit, verschiedene Schriften zu studieren.

Ende Jahr will Bruder Markus eine neue Grosse Meditation beginnen. Während drei Jahren, drei Monaten, drei Wochen und drei Tagen wird sich der Einsiedler, der sich übrigens mit wenigen Ausnahmen ausschliesslich flüssig ernährt, vollständig der Meditation widmen. «In der Anfangsphase geht man noch zeitweise für kurze Phasen schlafen.» Mit der Zeit allerdings ist es das Ziel, dass kein Unterschied mehr zwischen Tag und Nacht besteht. «Wenn ich so weit komme in diesen drei Jahren, schlafe ich nicht mehr und stehe auch nicht mehr auf, um mich zu ernähren. Vielleicht einmal in der Woche noch, um mich etwas zu stärken.»

Philipp Mooser

Artikel

Kommentare

Noch kein Kommentar

Kommentar

schreiben

Loggen Sie sich ein, um Kommentare schreiben zu können.

zum Login

Artikel

Empfehlungen

Heute im WB

Oberwalliser Baby-Galerie

Lukas SchallerLivio WaltherAmelie Lengdorfer
zur Baby-Galerie

In der aktuellen RZ

Kolumne | Diese Woche zum Thema:...

Schlagabtausch zwischen Peter Bodenmann und Oskar Freysinger

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben ab sofort in der Rhonezeitung.

RZ | Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und [...]

1815Club Banner

Aktuell auf 1815.tv

Unterwegs mit Josef Escher

zum Video
Anmeldung - WB Newsletter

Walliser Bote - Newsletter

Rotten Verlag News

Ventil | der Walliser Blog

Sechs Kilogramm

1815.ch | Paare, so heisst es, nehmen im Lauf einer langjährigen Beziehung rund sechs Kilogramm an [...]

Aktuelle Verkehrsmeldungen

Sitemap

Impressum

MENGIS GRUPPE

Pomonastrasse 12
3930 Visp
Tel. +41 (0)27 948 30 30
Fax. +41 (0)27 948 30 31