Vandalismus | Gipfelkreuz gewaltsam entfernt

Kreuzschändung an der Dent d’Hérens

Abgesägt. Vom Gipfelkreuz blieben nichts...
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Abgesägt. Vom Gipfelkreuz blieben nichts...
Foto: zvg

...als ein steinbedeckter Sockel und Schrauben übrig.
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...als ein steinbedeckter Sockel und Schrauben übrig.
Foto: zvg

Quelle: WB 1

Zermatt. Zwei Bergsteiger mussten Ende Juli feststellen, dass das Gipfelkreuz auf der Dent d’Hérens fehlte. Eine unbekannte Täterschaft hatte es gemäss Spuren mit einer Trennscheibe von seinem Sockel geholt.

Harry Lauber, der das Metallkreuz mit Steinplatten aus dem Nikolai- und Aostatal vor vier Jahren mit zwei weiteren Bergführern aufgestellt hat, ist ausser sich. «Eine verdammte Frechheit ist das! Jede Walliser Gemeinde hat das Recht, auf ihrem öffentlichen Raum Kreuze aufzustellen.» Auf der Dent d’Hérens haben gleich drei Gemeindepräsidenten vereinbart, eben dies zu tun. Wem das nicht passe, der könne öffentlich darüber diskutieren. Solche Guerilla-Aktionen hingegen seien schlicht inakzeptabel, als trampele man auf den Gräbern hinter der Kirche herum.

Lauber hat bereits auf der italienischen Seite Meldung erstattet. Auch ein neues Treffen zwischen den drei Gemeinden Zermatt, Valtournanche und Valpelline ist absehbar. «Wir werden sehen. Kann sein, dass es polizeiliche Untersuchungen gibt, vielleicht auch nicht.» Das Kreuz wurde am Mittwoch am Fuss der Nordwand gefunden. Nun will man es bergen und unbeirrt wieder aufstellen.

Eine Frage der Kultur

Die Dent d’Hérens wird so zum ersten Fall von Kreuzschändung auf einem Walliser Gipfel – eine Praxis, die im Alpenraum keine Seltenheit mehr darstellt. Im Kanton Freiburg machte vor sieben Jahren beispielsweise ein Bergführer Furore, der mehrere Gipfelkreuze fällte. Auch in Österreich hört man immer wieder von Wanderern, die sich an den Fixpunkten zu schaffen machen. Hauptgrund für solche Sachbeschädigungen ist die Abneigung gegen die scheinbaren Machtdemonstrationen der Kirche. Die Berge gehören doch allen, warum muss die Kirche ihre Symbole daraufpflastern?

Diese Frage stelle sich gar nicht erst, so Lauber. «Es geht nicht um Macht, es geht um Tradition, Kultur, Glauben, Ehrfurcht.» Daraus sei auch sein Vorschlag entstanden, ein Gipfelkreuz zum 150. Jubiläum der Erstbesteigung der Dent d’Hérens aufzustellen. Ein grenzübergreifendes Projekt, das Zermatt, das französischsprachige Valtournanche und das italienische Valpelline vereint. «Was wirklich wichtig ist, ist der Wert, den man diesem Kreuz gibt», stellt Lauber klar. So habe man die Arbeit am Tag der Errichtung den zwei kurz zuvor am Matterhorn tödlich verunglückten Freunden aus Cervinia gewidmet.

Der renommierte Jesuitenpater Dr. Albert Ziegler, der seine Ferien oft in Zermatt verbringt, misst dem Gipfelkreuz aber noch weitere Bedeutung bei: «Berge sind für uns auf menschliche, religiöse und ästhetische Weise bedeutsam.» Im menschlichen Sinn sind sie sowohl imposant und mächtig, aber auch furchteinflössend. Diese Doppeldeutigkeit habe dazu geführt, dass sie in fast allen Weltreligionen besondere Plätze innehalten. Ausserdem habe man mit dem Tourismus und der Malerei auch die Schönheit der Landschaft entdeckt – ein Punkt, der der Kirche nun zum Verhängnis wird?

Verstaubte Traditionen?

«Die Kirche hat doch damit nichts zu tun», schüttelt Lauber den Kopf. «Die Kreuze sind heutzutage vor allem an individuelle Erlebnisse und Eindrücke, an persönlichen Glauben gebunden. Sie dienen zum Beispiel als Erinnerung an tödliche Stürze oder als Symbol für Frieden. So bleibt auch die spirituelle Dimension, die Ehrfurcht in den Bergen erhalten, die im neuen Alpinismus eher zu Klettergerüsten für Rekorde werden», erklärt Pater Ziegler. Damit dies nicht falsch gedeutet werde, sei freilich ein Minimum an Interesse und Verständnis nötig. Eigenschaften, welche dem Täter scheinbar fehlten…

Man müsse diese daher umso mehr bei den Jungen fördern – nicht zuletzt auch, weil dadurch ein gesundes Traditions- und Heimatbewusstsein entstehen könne. «Wenn sich die Jugendlichen für Tradition interessieren, können sie daran anknüpfen und ihre eigene Version davon entwickeln. Nur so lebt sie weiter – andernfalls taugt sie höchstens zum Museum», gibt der Studentenseelsorger zu bedenken. Das heisse nicht, dass man die Berge mit Gipfelkreuzen zupflastern solle. Ein gewisser Respekt vor den bestehenden Kreuzen und ihren Hintergründen sei aber mehr als wünschenswert.

leh

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Kommentare

  • Bernhard Brantschen, St. Niklaus VS - 119

    Grandiose frechheit; habe vor diesem kreuze besinnlich inne gehalten; respekt vor dem göttlichen!!

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