Archäologie | Die archäologischen Arbeiten in Naters kosten Bund und Kanton knapp acht Millionen Franken

Eine 5700 Jahre alte Siedlung

Grabungen. Die Archäologen fanden Erstaunliches.
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Grabungen. Die Archäologen fanden Erstaunliches.
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Gut erhalten. Boden eines gefundenen Keramikgefässes.
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Gut erhalten. Boden eines gefundenen Keramikgefässes.
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Vogelperspektive. Die jüngsten Funde wurden südlich (rechts) des Zentrums gemacht, direkt an der Landstrasse.
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Vogelperspektive. Die jüngsten Funde wurden südlich (rechts) des Zentrums gemacht, direkt an der Landstrasse.
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Im Erdreich. Archäologen graben Pfostenlöcher aus. Das Oberwallis wird in den nächsten Jahren zu einem äusserst wichtigen Ort für die Archäologie.Fotos zvg
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Im Erdreich. Archäologen graben Pfostenlöcher aus. Das Oberwallis wird in den nächsten Jahren zu einem äusserst wichtigen Ort für die Archäologie.Fotos zvg
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«Diese reichhaltigen Funde sind charakteristische Zeugnisse für die betreffende Periode»
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«Diese reichhaltigen Funde sind charakteristische Zeugnisse für die betreffende Periode»
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Quelle: WB 0

Naters | Im Rahmen der Erweiterung des Seniorenzentrums haben Archäologen eine Siedlung des Mittelneolithikums ausgegraben. Es handelt sich um die grösste bisher ausgemachte Fundstelle aus dieser Periode im Oberwallis. Durch die nötige Etappierung der Ar beiten wird der Bau verzögert.

Die Fundstätte wurde eigentlich 2004 beim Aushub für den Neubau des Hauses St. Michael bereits entdeckt. Sie konnte wegen eines wetterbedingten Grundwasseranstiegs jedoch nur kurz untersucht werden. Damals stellten die Archäologen nebst 33 Gruben zwei Feuerstellen und 29 Pfostenlöcher sicher, sie förderten gut erhaltene Keramikscherben sowie organisches Material wie verkohlte Eicheln zutage.

Die aufgegleiste Vergrösserung des Seniorenzentrums Naters bot den Ar­chäologen im Februar und März dieses Jahres eine weitere Gelegenheit, um eine Fläche von 100 Quadratmetern freizulegen. Dies, um die Fortsetzung der aus mehreren Gebäuden bestehenden Siedlung aus dem Mittelneolithikum auszugraben.

Dekorierte Keramik und ­Werkzeuge aus Bergkristall

Diese Untersuchungen lieferten bedeutende Funde, darunter dekorierte Keramik, verschiedene Silexobjekte sowie Werkzeuge wie Klingen oder Bohrer aus Bergkristall: «Diese reichhaltigen Funde sind alles charakte­ristische Zeugnisse für die betreffende Periode, so wie wir es nach den Voruntersuchungen erwartet haben», sagt Corinne Juon, Archäologin beim Kanton.

Die Überreste der Siedlung würden aus Pfostenreihen bestehen, welche sich nur «in den Negativen» ihrer ­Hölzer abzeichneten, erklärt Juon. Weiter aus Herdstellen und Gruben der Abfallentsorgung oder der ­Vorratshaltung.

Vereinbarung für Etappierung von Bau und Ausgrabungen

Aufgrund des vorgesehenen Ausbaus des Seniorenzentrums und seiner In­frastruktur sind es nicht weniger als 2500 Quadratmeter, welche die gefundene 5700 Jahre alte Siedlung umfasst. Eine Vereinbarung zwischen der Stiftung Zentrum Rund ums Alter und dem Kantonalen Amt für Archäologie wird für die weiteren Ausgrabungen ausgearbeitet: «Die Etappen der Ausgrabung sollen mit jenen des Bauprojekts abgestimmt werden», sagt Albert Bass, Präsident der Stiftung. Wie diese Vereinbarung konkret aussehen soll, ist noch unklar. Nebst der Gemeinde Naters gehören mit Ausnahme von Grengiols sämtliche Gemeinden des Bezirks Östlich Raron zur Trägerschaft des Seniorenzentrums.

Gewiss hingegen ist, dass die Etappierung für die Verantwortlichen des Baus nicht sehr angenehm ist und «zu Mehrkosten führen könnte». Es sei nicht alles klar definiert, wer genau was zahlen müsse. Dies hätten die jüngsten Ausgrabungen südlich des Hauses St. Michael bereits gezeigt, so Bass weiter.

Klar ist ebenfalls, dass der Erweiterungsbau beim Haus St. Michael bis im nächsten Mai fertig erstellt sein muss. Hier konnte vor zwei Wochen mit den Bauarbeiten begonnen werden, nachdem im vergangenen Oktober bereits der Spatenstich erfolgt war. Bass: «Wir sind froh, dass wir loslegen konnten.» Der Südanbau und die Teilaufstockung des 2007 fertig erstellten Hauses St. Michael wird prioritär behandelt. Der jetzige Wohnbereich Demenz wird in die Aufstockung mit den 13 neuen Zimmern untergebracht, die Bewohner vom Haus de Sepibus in Mörel werden nach Naters verlegt.

Die Anpassungen durch die Etappierung und Abstimmung mit den archäologischen Arbeiten führen beim Bau zu einer Verspätung von rund sechs Monaten. Gemäss Bass ist mit der Fertigstellung der Arbeiten wohl gegen Ende 2022 zu rechnen.

Finanzierung der Ausgrabung

Die Gesamtkosten der archäologischen Arbeiten – inklusive Auswertung und Publikation – belaufen sich gemäss einer Mitteilung des Kantons auf rund acht Millionen Franken. Finanziert wird die Ausgrabung durch Kanton und Bund. Dem Bund können ausserordentliche Kreditanträge vorgelegt werden, sobald die Bedeutung der Fundstätte durch Fachpersonen des Bundesamtes für Kultur bestimmt worden ist. Ein Antrag für einen Verpflichtungskredit soll im Herbst dem Grossen Rat vorgelegt werden.

«Diese Ausgrabung wird die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den neolithischen Gesellschaften weiter voranbringen», ist Corinne Juon überzeugt. Wobei sich das Wallis für diese Periode bereits heute auf internationaler Stufe hervorhebe.

Dank diesem Projekt in Naters und den Grabungen, welche im Rahmen des Autobahnbaus zwischen Siders und Susten vorgenommen werden, wird das Oberwallis in den nächsten Jahren zu einem äusserst wichtigen Ort für die Archäologie.zum

«Diese reichhaltigen Funde sind charakteristische Zeugnisse für die betreffende Periode»

Corinne Juon, Archäologin beim Kantonalen Amt für Archäologie

Neubau Haus Stelle

Die Stiftung Seniorenzentrum Naters und die Stiftung Zentrum Rund ums Alter haben 2017 einen Projektwettbewerb zum Neubau des Zentrums Rund ums Alter ausgeschrieben. Als Siegerprojekt wurde «Stelle» der Architekten­gemeinschaft Stephan Pfeiffer und Diana Zenklusen aus Zürich/Simplon Dorf erkoren.

Sobald der Erweiterungsbau beim Haus St. Michael fertig erstellt sein wird, werden die Bewohner vom Haus De Sepibus von Mörel nach Naters verlegt. Dies wird aller Voraussicht nach Anfang 2021 erfolgen. Dann wird das Seniorenzentrum Naters neu über 162 Zimmer verfügen. Es will mit neuen Wohn- und Betreuungsangeboten auf die veränderten Bedürfnisse heutiger Senioren eingehen.

Daniel Zumoberhaus

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