Weinwirtschaft | Provins-Genossenschafter sollen über Aktiengesellschaft abstimmen

Provins und der neue Plan

Hoffnungsschimmer? Provins soll zur AG werden. Die Genossenschafter stimmen Ende Februar ab.
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Hoffnungsschimmer? Provins soll zur AG werden. Die Genossenschafter stimmen Ende Februar ab.
Foto: zvg

Quelle: WB 0

Wallis | Provins erlebt stürmische Zeiten. Und will nun die Segel neu setzen. Als Aktiengesellschaft.

Provins, die grösste Winzergenossenschaft der Schweiz, soll in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. An der Generalversammlung vom 27. Februar sollen die 3200 Genossenschafter über die Transformation abstimmen. Ein entsprechendes Schreiben wurde am 26. Dezember an die Mitglieder versandt, wie der «Nouvelliste» berichtete. Generaldirektor Raphaël Garcia bestätigte die Information gestern gegenüber dieser Zeitung.

Weg aus der Krise

Für Léonard Perraudin ist die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft «unerlässlich». Nur so könne man neues Kapital beschaffen und neue strategische Partnerschaften aufbauen, so der Provins-Präsident gegenüber der Unterwalliser Tageszeitung. In den kommenden Wochen sollen die Genossenschafter umfassend über die Modalitäten und Folgen der Transformation informiert werden. Es handle sich um eine «historische Änderung», so Perraudin.

Die Genossenschaft wurde am 11. Januar 1930 in Sitten gegründet, um die Walliser Weinwirtschaft aus der damaligen Krise zu führen. 90 Jahre später soll die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft also helfen, die aktuelle Krise zu überwinden.

Provins und die Politik

Seit Längerem ist bekannt, dass das grösste Schweizer Weinhaus derzeit finanziell arg angeschlagen ist. Provins musste in der jüngeren Vergangenheit stattliche Verluste eingefahren: Im Geschäftsjahr 2017/2018 knapp 2,8 Millionen Franken, im darauffolgenden Jahr 1,48 Mio. Franken. Die Umsätze konnten nach markanten Rückgängen zuletzt bei 47,6 Mio. Franken stabilisiert werden. Vor zehn Jahren konnte der damalige Klassenprimus Provins noch 65 Mio. Franken ausweisen. Die Gründe für die Einbussen sind vielfältig: Auf der einen Seite schlagen der rückläufige Weinkonsum sowie der ansteigende Konkurrenzdruck aus dem Ausland zu Buche, auf der anderen Seite haben die Verantwortlichen in der Vergangenheit strategische Fehler gemacht. Die Folge: volle Lager, leere Kassen.

Wie angespannt die Situation bei Provins derzeit ist, zeigt auch eine Aussage von Diego Clausen. Die «mögliche Insolvenz von Provins» sei eine der grössten Herausforderungen für die kantonale Politik im kommenden Jahr, liess der Fraktionschef der CSP Oberwallis kürzlich in dieser Zeitung verlauten.

Befreiungsschlag ohne Wirkung

Einen ersten Befreiungsschlag des Verwaltungsrates liessen die Genossenschafter am 12. Dezember ins Leere laufen. Sie verweigerten eine Statutenänderung, die eine Mengenbeschränkung ermöglichen sollte. Das Weinhaus wäre so nicht mehr verpflichtet gewesen, die gesamte Ernte seiner Genossenschafter anzunehmen, sondern nur so viel, wie am Markt abgesetzt werden kann. Mit 396 Ja, 248 Nein und 46 Enthaltungen wurde die erforderliche Zweidrittelmehrheit für die Statutenänderung verfehlt, woraufhin die Banken ihre Kredite für die Auszahlungen der Ernten 2018 und 2019 nicht freigaben. Derzeit führen Verwaltungsrat und Direktion intensive Gespräche mit den Banken, um neue Finanzierungsmöglichkeiten auszuloten, wie es im Schreiben vom 26. Dezember heisst. Die Bedingungen für weitere Kredite und Darlehen werden Provins am 6. Januar mitgeteilt – kurz vor der Gläubigerversammlung vom 8. Januar. An dieser wird die Winzergenossenschaft ihre Gläubiger um mehr Zeit für Rückzahlungen bitten. Es geht um eine Anleihe in der Höhe von insgesamt 4,1 Mio. Franken. Wie der «Nouvelliste» kürzlich berichtete, stehen bis Ende 2020 noch weitere Rückzahlungen von Schulden in der Höhe von 8,5 Mio. Franken an.

Die Provins-Kapitäne erleben stürmische Festtage. Als Aktiengesellschaft wollen sie das Weinhaus in ruhigere Gewässer lenken. Ob die Winzer mitfahren, entscheidet sich am 27. Februar 2020.

Armin Bregy

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