Forschung | Betrugsprävention durch Handvenenerkennung
Walliser entwickeln Lösung gegen Identitätsdiebstahl
Durch eine Identifikation der Venen soll ein Identitätsraub verunmöglicht werden.
Foto: zvg
In Afrika führen Probleme durch Identitätsdiebstahl zu Verlusten von mehreren Millionen Franken pro Jahr. Das IDIAP, die Fachhochschule Wallis und IT Services SONNA Sàrl, ein Start-up der EPFL, wollen nun gemeinsam eine kostengünstige Lösung für Schwellenländer entwickeln, mit der die biometrische Identifikation von Personen anhand des Venenmusters ihrer Hand möglich wird.
In Kamerun und zahlreichen anderen afrikanischen Ländern ist die Fälschung von Ausweispapieren ein grosses Problem. Durch Betrug bei Telecom-Gesellschaften, Erschwindeln von Bankkrediten und unberechtigten Zugang zu Pflegeleistungen, die aufgrund von Identitätsdiebstahl möglich sind, würden grosse Verluste für die Regierungen entstehen , die nicht über die erforderlichen Erkennungshilfsmittel verfügen, schreibt die HES-SO in einer Mitteilung.
Identifikation des Venenmusters
Das von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) unterstützte und mit CHF 700'000 Franken dotierte Projekt «Fingervein3D» soll nun die Entwicklung einer Low-Cost-Lösung für die Identifikation anhand des Venenmusters bieten. Es sei auf mehreren Ebenen innovativ und umfasse unter anderem ein Gerät, mit dem das Venenmuster dreidimensional reproduziert werden kann. Dazu wird das Gerät mit einem 3G-Übertragungssystem ausgerüstet, mit dem die Daten an einen zentralen Sicherheitsserver übertragen werden können.
Anschliessend werden Algorithmen und ein Programm entwickelt, mit denen das Venenmuster anhand der Bilder, die vom 3D-Sensor gemacht wurden, modelliert und rekonstruiert werden können. Der Scan kann so mit allen Personen in der biometrischen Datenbank verglichen werden, um die Identität zu überprüfen. Derartige Sensoren sind laut HES-SO auf dem Markt schon erhältlich, arbeiten jedoch nur zweidimensional.
Klimatechnische Herausforderungen
Die technische Herausforderung besteht darin, ein robustes und autonomes Gerät zu entwickeln, das möglichst wenig Unterhalt erfordert und eventuell mit Solarenergie betrieben wird. Es muss auch hohe Temperaturen von bis zu 60 Grad aushalten und gleichzeitig staub- und feuchtigkeitsbeständig sein. Hier seien deshalb, wie es weiter heisst, die bereichsübergreifenden Kompetenzen der Projektpartner gefragt: Das Institut IDIAP etwa beschäftigt sich über seine Forschungsgruppe für biometrische Daten seit mehreren Jahren mit Cybersecurity.
IT Services SONNA Sàrl ist ein Start-up, das im Innovationspark der EPFL angesiedelt und auf Fälschungssicherheit von Dokumenten und sichere Authentisierung spezialisiert ist. Bei Itservices-ch.com handelt es sich um ein kamerunisches Start-up, das seit 2014 eine Geburtsdatenbank für Douala betreibt, in der langfristig alle 20 Millionen Einwohner Kameruns erfasst werden sollen. Die Fachhochschule Wallis, deren Forschungsteam DATA auf Optik und die Entwicklung technischer Prototypen spezialisiert ist, arbeitet seit 2012 an der Entwicklung von Sensoren für die Handerkennung.
Kostengünstige Lösung
In Kamerun kostet die Ausstellung von Ausweispapieren gegenwärtig 5 Franken pro Person. Die Lösung Fingervein3D würde auf 0.5 Franken pro Person zu stehen kommen. Die Herstellungskosten des den Einrichtungen kostenlos zur Verfügung gestellten Geräts würden sich auf 150 Franken belaufen. Pro Identitätsüberprüfung müssten die Leistungserbringer dann 0.1 Franken bezahlen. Im Vergleich zu bestehenden Lösungen bietet dieses Projekt laut HES-SO zahlreiche Vorteile: Kosten, Zuverlässigkeit des Systems, Gewährleistung der Genauigkeit der Daten und der Funktionsweise des Geräts unter schwierigen Bedingungen.
pd / pmo








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