Kolumne | Diese Woche zum Thema:

Intellektuelle Inzucht tötet die Kultur

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
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Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
Foto: Mengis Media

Quelle: RZ 0

Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und Schriftsteller Oskar Freysinger im Wortgefecht.

Peter Bodenmann, ehemaliger SP-Schweiz-Präsident und Hotelier

Kultur stirbt nicht im Binntal

Ist Oskar Freysinger ein Intellektueller? Warum durfte der selbst ernannte Intellektuelle Freysinger im «Ofenhorn» nicht auftreten? Ist dies, wie David Biner suggeriert, ein Skandal?

Oskar Freysinger ist kein Intellektueller, sondern ein begabter fremdenfeindlicher Geschichtenerzähler, der die SVP im Wallis aufgebaut hat. Seine Erben im Oberwallis wollen mit ihm nichts mehr zu tun haben. Franz Ruppen, Patrick Hildbrand, Michael Graber sind typische CVP-Politiker, die in den falschen Suppentopf gefallen sind. Selbst in Freysingers Kampf gegen die Homo-Ehe lassen sie den abgewählten Staatsrat einfach hängen.

Oskar Freysinger stellt seine Bücher jeweils in der Buchhandlung Zur Alten Post in Brig vor. Von Diskriminierung keine Spur. Er hat immer noch eine vorab proletarische Basis, die ihn verehrt. Sie kaufen seine Bücher, ohne sie zu lesen. Aber verkauft ist verkauft im doppelten Wortsinn.

Oskar Freysinger hat als SVP-Wahlkampfleiter für die Westschweiz – wenn wir Christoph Blocher glauben wollen – krass versagt. Er brachte die Kantonalparteien nicht auf Kampftemperatur. Und Papa Parmelin war auch kein Rennpferd im Stall der Fremdenfeinde.

Es gibt im Oberwallis viele Hoteliers und Beizerinnen, die mit der SVP sympathisieren. Auch wenn deren Zahl leicht rückläufig ist. Die meisten von ihnen würden sich freuen, wenn Freysinger bei ihnen auftreten würde. Stattdessen wollte er das «Ofenhorn» im Binntal mit seinem Auftritt beglücken. Er hoffte auf eine Absage, um sich einmal mehr als Opfer darzustellen. Was auch gelang.

Wenn ein Hotel oder ein Restaurant eine Veranstaltung nicht will, gibt es elegantere Lösungen als ein Nein. Man muss nur die Miete genug hoch ansetzen und schon löst sich jedes Problem in warmer Luft auf.

Anfang der Neunzigerjahre machte die SP Schweiz – deren erfolgreicher Präsident ich war – eine Umfrage: Wir wollten wissen, wie viele national gesinnte, fremdenfeindliche Wählerinnen und Wähler es in der Schweiz gibt. Um das Potenzial der SVP einschätzen zu können. Es waren damals rund ein Viertel der Stimmberechtigten. Daran hat sich seither wenig geändert. 2015 gewann die SVP die Wahlen, weil sie mobilisieren konnte. 2019 verlor sie die Wahlen, weil der fremdenfeindliche Quark nicht überzeugte. 2019 wählten 120 000 Stimmberechtigte weniger SVP als 2015.

In einem Punkt hat Freysinger recht: Es ist sinnvoll, wenn politische Parteien im öffentlichen Raum streiten. Denn niemand deckt die eigenen Schwächen besser auf als die spitzfindigen unter den politischen Gegnern. Das ist des Pudels Kern.


Oskar Freysinger, ehemaliger SVP-Staatsrat und Schriftsteller

Linker Kulturfilz

Sie sind so schön tolerant untereinander, so offen für Gleichgesinnte, sie teilen sich die Subventionen und Auszeichnungen so freigebig unter Gleichdenkenden auf! Willkommen im linken, ach so politisch korrekten Literaturfilz, der das Monopol der Kreativität, der Intelligenz und des Herzens für sich beansprucht. Hier wird die Überlegenheit des linken Einheitsdenkens über die Kritikfähigkeit zur Tat.

Wer nicht links steht, der denkt nicht, wer das Herz nicht am linken Platz hat, empfindet nichts, wer nicht links schaltet, verdient zur Strafe Ausgrenzung, Shitstorms, eingeschlagene Windschutzscheiben, Brandanschläge, Baseballschlägerpädagogik. Alles schön tolerant, um die Gedanken wieder zurecht- – das heisst nach links – zurücken.

Meinungsfreiheit heisst in diesen Kreisen, auf dem rechten Auge blind zu sein. Toleranz heisst, im Namen ebendieser Toleranz nicht genehme Bücher schlechtzumachen, zu ignorieren oder gar zu verbieten und deren Autoren auszuschliessen.

Nicht die literarische Qualität macht in diesem Filz den Wert eines Buches aus, sondern die Konformität des Autors mit dem von der linken Gedankenpolizei vorgegebenen Dogma.

Wer aber nur «einheitlich» denkt und keine anderen Meinungen zulässt, verarmt intellektuell und erleidet geistig das Schicksal des Kaninchens, das verreckt, weil ihm das trockene Brot fehlt, um seine Zähne abzuwetzen. Kunst nährt sich von Vielfalt, Gegensatz, Disput, Erfindungsgeist, Grenzdenken und Antikonformismus. Gleichschaltung schafft einen geschmacklosen Einheitsbrei, der anödet und von der eigenen Moralinsäure zersetzt wird. In der Kunst gibt es keine allein seligmachende Wahrheit, sondern verschiedene Wege zu ihr. Die Kunst darf alles, nur nicht das dürfen müssen, was alle tun. Kunst muss Grenzen sprengen, neue Dimensionen erkunden, Türen öffnen. Sie braucht den Durchzug gegensätzlicher Winde, sonst wird sie schwindsüchtig.

Leider ist die Rechte selber am linken Kulturmonopol schuld. Seit Jahrzehnten überlässt sie die Felder der Kultur, der Erziehung, des Sozialen und der Medien kampflos der Linken. Die Aushöhlung der Bourgeoisie durch «revolutionäre» Besetzung dieser Bereiche, in denen sich das Gehirn der Menschen so leicht waschen und «verlinken» lässt, ist Tatsache geworden. Darum ist es wichtig, den kulturellen Bereich wieder auszubalancieren und von seiner Linkslastigkeit zu befreien. Zum Wohl der Kameraden selbst, die an der eigenen Gedankenarmut zugrunde gehen. Das heisst aber Kampf, denn niemand gibt kampflos seine Pfründen auf, die Linke schon gar nicht.

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