Kolumne | Diese Woche zum Thema:

Provins: Wallis unfähig. Bern übernimmt.

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
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Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
Foto: Mengis Media

Quelle: RZ 0

Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und Schriftsteller Oskar Freysinger im Wortgefecht.

Peter Bodenmann, ehemaliger SP-Schweiz-Präsident und Hotelier

Das Wallis fällt in Berner Bärengraben

Die Schweiz ist ein Seuchenstübli. Nicht wir schliessen die Grenzen, sondern die andern. Wenn Parmelin endlich erwacht, ist dies wirtschaftspolitisch kein Problem. Die SVP-Basis muss ihm Beine machen.

Länger beschäftigen wird uns Provins. Die Schweizerinnen und Schweizer trinken immer weniger Schweizer Weine. Und im Export sind Schweizer Flaschenweine nicht gefragt. Die guten Walliser Weine sind keine Marken, die weltweit gesucht werden. Und unsere Marken – wie der Dôle – werden von den Testern des «K-Tipp» zerrissen.

Solche Fehler lassen sich nicht von einem Jahr auf das andere korrigieren. Das braucht Zeit. Und während dieser Zeit muss man die Produktion der sinkenden Nachfrage anpassen. Mehr als 35 Millionen Liter Walliser Wein lassen sich zurzeit nicht verkaufen. In guten Jahren produziert die Walliser Sonne aber 50 Millionen Liter Wein. Deshalb sind die Lager von Provins übervoll.

Bisher nahm Provins 3000 Walliser Winzerinnen und Winzern die Ernte ab. Zehn Millionen Kilo pro Jahr. Leider konnte die Genossenschaft die Ernte des letzten Jahres nicht bezahlen. Weil weder der Verwaltungsrat noch der Staatsrat eine gemeinsame Strategie gegen die Überproduktion entwickelt haben. Wir leben auf der Wolke sieben. Wie beim Coronavirus.

Und jetzt wird Provins einfach an die Berner Fenaco-Krake verscherbelt.

Sturz in den Bärengraben 1: Fenaco wird pro Jahr nicht mehr wie bisher Provins zehn Millionen Kilo Trauben abnehmen, sondern nur mehr sechs Millionen. Damit sind die bisherigen Provins-Winzerinnen und -Winzer, die weiter liefern wollen, den Bernern schutzlos ausgeliefert.

Sturz in den Bärengraben 2: Was geschieht mit jenen vier Millionen Kilo Trauben, welche die New Provins AG nicht mehr abnimmt? Sie werden den Markt überschwemmen. Die Preisspirale wird sich nach unten drehen.

Sturz in den Bärengraben 3: Die Fenaco kann ihre Weine über eigene Läden – Landi und Volg lassen grüssen – in den Markt pressen. Das Nachsehen werden neben den Winzern die Walliser Familien-Kellereien haben.

Sturz in den Bärengraben 4: Die Ernte 2019 wird den Provins-Genossenschaftern nur ausbezahlt, wenn sie ihre Genossenschaft im Interesse der Berner Genossenschaft Fenaco liquidieren. Berner Genossenschafter erpressen Walliser Genossenschafter. Für den «Walliser Boten» ist dies alternativlos. Soso.

Jeden Vertrag kann man nachbessern. Der Staatsrat muss mit der Fenaco verhandeln. Der notwendige Deal: Der Staat reduziert die Walliser Ernte auf 35 Millionen Kilo pro Jahr. Und Fenaco nimmt im Gegenzug allen Provins-Winzerinnen und -Winzern die Ernte weiterhin ab. Im Interesse aller.


Oskar Freysinger, ehemaliger SVP-Staatsrat und Schriftsteller

Provins: Ein Trauerspiel

Was sich hinter den Kulissen in Sachen Provins wirklich abspielt, ist eines billigen B-Streifens würdig und wirft berechtigte Fragen auf. Es wird Zeit, dass die «Kabale und Liebe» um die zu Tode gewirtschaftete Genossenschaft einmal klar und deutlich aufgedeckt wird.

Zurzeit ist Provins Mieter der Produktionszentrale in Sitten, deren Besitzer eine in Nyon angesiedelte Immobiliengesellschaft ist, FidFund Management SA, der ein gewisser Olivier Vollenweider als Administrator und Vizepräsident vorsteht.

Jetzt wird es lustig: Da die Provins angesichts ihrer finanziellen Schieflage nicht mehr in der Lage ist, den vollen Mietpreis zu zahlen, verliert die Immobiliengesellschaft Geld. Sie hat sich also an die Gemeinde Sitten und den Bund gewandt, um das Provins-Gebäude und die anliegenden Grundstücke in Hinsicht auf eine Ausweitung des ETH-Projekts zu verkaufen. Der Verkauf wird jedoch durch den Mietvertrag verunmöglicht, es sei denn, Provins mache Konkurs.

Nun wird es erst recht spannend: Die WKB, Hauptkreditor von Provins im Bereich Weinernte, lehnt es ab, den üblichen Kredit zu gewähren. Just aus diesem Grund kann Provins die Weinernte 2019 nicht bezahlen und riskiert den Konkurs. Doch wer ist Präsident der WKB? Sie haben es erraten: Pierre-Alain Grichting, der übrigens die jetzige Misere von Provins zu einem beträchtlichen Teil zu verantworten hat und sich frühzeitig dadurch aus der Schusslinie nahm, dass er das Verwaltungsratspräsidium der WKB übernahm, welches ihm von der CVP grosszügig unter der Bedingung angeboten wurde, dass er nicht für den Ständerat kandidiert. Alles klar?

Wer aber jetzt glaubt, der Film sei zu Ende, hat sich schwer geirrt, denn siehe da, die vom Aufsichtsrat von Provins im Falle eines Konkurses als Käuferin designierte landwirtschaftliche Genossenschaft ist die Fenaco. Und wer hockt in deren Aufsichtsrat? Karin Perraudin, die Ehefrau des Verwaltungsratspräsidenten von Provins, Léonard Perraudin. Wird da auf dem Schlafkissen die Zukunft der Walliser Weinwirtschaft ausgeknobelt?

Wie auch immer: Sollte die Fenaco Provins aufkaufen, wird sie die Produktion verlagern und die Immobilien an den Bund verkaufen. Und wer wird dann für die Ausweitung der ETH Beton verkaufen können? Wer wird vom Verkauf profitieren? Die Antwort weiss nicht allein der Wind. Jedem aufmerksamen Leser wird inzwischen ein Licht aufgegangen sein.

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