Walliser im Ausland

Hans-Ruedi Bortis: «Die Peruaner sind gutherzige Leute»

Botschafter Hans-Ruedi Bortis im Residenzgarten
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Botschafter Hans-Ruedi Bortis im Residenzgarten
Foto: zvg

Quelle: 1815.ch /map 17.02.14 2
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Hans-Ruedi Bortis aus Fieschertal ist seit bald einem Jahr Botschafter in Peru und führt seit über 30 Jahren aufgrund seiner Arbeit ein «Zigeunerleben». Auf 1815.ch spricht der 54-Jährige über das peruanische Nationalgetränk, Nespresso-Kapseln und zieht Parallelen zwischen dem andinen Hochland und dem Goms.

1815.ch: Seit Anfang Mai 2013 sind Sie Botschafter in Peru und leben in Lima. Wie lange werden Sie dort bleiben?

Hans-Ruedi Bortis: «Normalerweise werden wir Diplomaten für vier Jahre auf einen Posten versetzt. Wenn also nichts dazwischen kommt, bleibe ich bis Sommer 2017 in Lima.»  

Ihre Arbeit hat Sie schon an viele verschiedene Orte verschlagen. Welche waren das?

«In der Tat führe ich seit über 30 Jahren ein 'Zigeunerleben'. Vor dem Eintritt ins EDA war ich über zehn Jahr im Vatikan in der Schweizergarde. Seit 1991 war ich für das EDA - neben mehrmaligen Aufenthalten in Bern und Genf - in Strassburg, Paris, Guatemala, Buenos Aires, Moskau und Montevideo tätig. Seit bald einem Jahr bin ich nun in Lima.»  

Wem sind Sie in Lima zuerst begegnet?

«Dem Nationalgetränk 'Pisco Sour' natürlich!»  

Wie wohnen Sie?

«Als Botschafter wohne ich in der bundeseigenen Residenz, welche sich auf dem gleichen Grundstück der Botschaft befindet. Das ist sehr praktisch, weil ich nur den Garten durchschreiten muss, um ins Büro zu gelangen. Damit erspare ich mir täglich Stunden im stockenden Stadtverkehr der 10-Millionen-Metropole Lima.»

Welche Sprachen brauchen Sie im Alltag und bei der Arbeit?

«Im Umgang mit der peruanischen Bevölkerung und den Behörden kommt ausschliesslich Spanisch zur Anwendung. Peru verfügt aber über sehr viele Ureinwohner-Sprachen wie Quechua und Aymara. In internationalen Freundeskreisen kommt es dagegen auf die Nationalität an. Erfreulicherweise sprechen auch sehr viele Schweizer, die bereits in Peru geboren sind, noch ihre Mundart.»  

Welches Wort in der Landessprache brauchen Sie am meisten?

«'Gracias'. Die Peruaner sind gutherzige Leute und behandeln uns Ausländer stets zuvorkommend.»  

Welche Erwartungen hatten Sie an das Leben in Peru?

«Ich bin eigentlich ohne besondere Erwartungen nach Lima gereist. Ich wusste, dass die Hauptstadt vor allem in den Wintermonaten grau ist. Es regnet hier aber nie, trotzdem ist es immer feucht. Ein sehr spezielles Mikroklima.

Lima ist eine pulsierende Grossstadt mit einem umfassenden Kulturangebot. Einmalig ist natürlich die peruanische Küche. Während meinem vierjährigen Aufenthalt möchte ich einen Teil dieser geografisch so verschiedenen Landschaft mit Küste, Hochland und Regenwald bereisen. Ebenfalls möchte ich neben der weltweit bekannten Inka-Kultur auch weitere, langjährige Kulturen des Landes kennenlernen. Im ganzen Land stösst man auf Ruinen. Prächtige, alte Gegenstände in zahlreichen Museen zeugen von dieser bedeutenden kulturellen Vergangenheit.

Schliesslich verfolge ich das wirtschaftliche und politische Peru der Gegenwart und bin zuversichtlich, dass sich das Land, auch dank der umfassenden Bodenschätze, der peruanischen Schaffenskraft und unserer 50-jährigen Kooperation, hin zu einem prosperierenden, sozial gerechteren und umweltfreundlicheren Land entwickeln kann.»  

Wie ist das Wetter momentan?

«Jetzt befinden wir uns im Sommer. Es ist sonnig und warm. Ein Grossteil der Familien verbringt die Sommermonate Januar und Februar südlich oder nördlich von Lima am Meer.»

Würden Sie das Leben in Peru als gefährlich bezeichnen?

«Nein. Generell ist das Leben in Peru nicht gefährlicher als anderswo. Leider gibt es aber eine Region nördlich von Lima, wo der Staat bisher ohne grossen Erfolg gegen die dort vorherrschende Gewalt und Kriminalität vorgegangen ist. Mit den international tätigen Drogenbanden spannen auch Exponenten der verbliebenen Guerrilla-Bewegung 'Sendero Luminoso' zusammen.»  

Was unterscheidet die Peruaner von den Wallisern?

«Vor wenigen Monaten habe ich Kleinbauern im andinen Hochland besucht. Die betreiben dort Land- und Viehwirtschaft wie wir das früher bei uns im Goms gemacht haben. Die Peruaner sind je nach Herkunftsgegend ganz verschieden. Nach meinen ersten Eindrücken würde ich sagen, dass die Peruaner den Fremden vielleicht eher etwas offener und freundlicher begegnen als wir Walliser.»    

Als Botschafter vertreten Sie die Schweizer Interessen in Peru. Welches Bild der Schweiz haben die Peruaner?

«Es gibt viele Peruaner, die kaum mehr als die gewöhnlichen Klischées der Schweiz (Uhren, Käse, Taschenmesser, Schokolade, schöne Berge und Seen) kennen.

Meine Gesprächspartner und unsere Projektpartner zeichnen aber ein differenzierteres Bild unseres Landes. Unser besonderes Verhältnis zur EU, welches mit der letzten Abstimmung über die Masseneinwanderung noch schwieriger werden dürfte, unsere Rolle bei der Bekämpfung internationaler Steuerflucht, die Bedeutung der Schweiz als Drehscheibe des weltweiten Rohstoffhandels sind dieser Personengruppe nicht fremd.

Grundsätzlich würde ich aber sagen, dass die Schweiz in Peru über einen sehr guten Ruf verfügt. Viele Schweizer Einwanderer haben hier erfolgreiche Unternehmen aufgebaut. Die Schweizer Schule Pestalozzi wird als eine der besten Schulen betrachtet und auch die zahlreichen Projekte unserer 50-jährigen Entwicklungshilfe stossen landesweit auf sehr positives Echo.»  

Fehlt Ihnen die Schweiz manchmal?

«Natürlich. Wenn der Alltag ab und zu von Bürokratie, Formalitäten, Unpässlichkeiten, Staus, Streiks und Pannen geprägt ist, denke ich oft an unsere Schweiz, wo doch viele Sachen auch heute noch gut funktionieren.»

Was sollten Ihnen Besucher aus der Schweiz mitbringen?

«Heute kann man in den grossen Einkaufshäusern der Hauptstadt so ziemlich alles kaufen. Mir fehlen aber vor allem Nespresso-Kapseln, Schweizer Käse und Schokolade.»

Besuchen Sie Ihre Heimat regelmässig?

«Ja. Ich besuche die Schweiz wenigstens zweimal jährlich. Auch nach über 30 Jahren im Ausland fühle ich mich noch sehr und immer mehr mit der Heimat verbunden.»

Was darf man auf keinen Fall verpassen, wenn man Peru und Lima besucht?

«In Lima ist der Besuch des Stadtzentrums obligatorisch. Zudem drängt sich die Visite einiger historischer Gebäude und Plätze auf. Selbstverständlich gehört die Einkehr in eines der weltbekannten Restaurants wie 'Astrid & Gaston' zur Pflicht. Cusco mit Machu Picchu, Puno und der Titicacasee, Arequipa mit einem Aufstieg zum Misti, eine Bootstour im Regenwald bei Iquitos und der Besuch der Nazca-Linien bilden das Standard-Besuchsprogramm für Peru.»

 

Für unsere Rubrik «Walliser im Ausland» sind wir regelmässig auf der Suche nach Wallisern, die fernab der Heimat leben. Gehören Sie auch dazu oder kennen Sie jemanden? Dann freuen wir uns auf Ihre Nachricht an info@1815.ch.

17. Februar 2014, 07:00
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Kommentare

  • Giovanni Roggen - vor 12 Jahre ↑1↓0

    Liebe Freunde des WALLISER BOTEN, interviewen Sie auch die beiden Walliser Nuntien,
    Peter Zurbriggen in Wien und Emil Tschrrig in Buonas Aires, woher Papst Franziskus gekommen ist! Mit freundschaftlichen Grüssen, Giovanni Roggen, ehemaliger Wachtmeister der Schweizergarde

    antworten

    • 1815.ch-Redaktion - vor 12 Jahre ↑0↓0

      Besten Dank für den Tipp, Herr Roggen!

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