Interview | Franz Julen über die aktuellen Herausforderungen vom Kleinstunternehmen bis zu internationalen Grosskonzernen

«Detailhandel und Tourismus brauchen vermehrt Lobbyarbeit»

Richtige Zeichen. «Die rasche und unbürokratische Unterstützung der Unternehmen durch den Bund ist nicht nur richtig, sondern unabdingbar», sagt Profi-Verwaltungsrat Franz Julen.
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Richtige Zeichen. «Die rasche und unbürokratische Unterstützung der Unternehmen durch den Bund ist nicht nur richtig, sondern unabdingbar», sagt Profi-Verwaltungsrat Franz Julen.
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Franz Julen, Sie tragen als international tätiger Verwaltungsrat in den Branchen Tourismus und Einzelhandel just in jenen Branchen Verantwortung, die von der Corona-Krise besonders betroffen sind. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

«Norditalien und das Tessin sind dem Wallis sehr nahe. Die Tragödien die sich dort, vor allem in Norditalien abspielen, sind unbegreiflich und schmerzen enorm. Wir können nur hoffen, dass die nun weltweit von den Regierungen eingeleiteten Einschränkungsmassnahmen greifen und solches Leid in anderen Regionen vermieden werden kann. Die Probleme im Tourismus und im Einzelhandel werden dadurch relativiert. Sie sind aber gross, ja riesengross und werden uns noch lange begleiten und beschäftigen. Viele Kleinstunternehmen und KMUs stehen vor existenzbedrohenden Monaten. Sie sind das Rückgrat der Wirtschaft. Deshalb sind die eingeleiteten, staatlichen Unterstüzungsmassnahmen mehr als gerechtfertigt. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es auch ein «Danach» gibt. Jeder muss mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, sich auf das Danach entsprechend vorzubereiten.»

Welche Herausforderungen stehen an?

«Vom Ein-Personen-Betrieb über kleine KMUs bis hin zu grösseren Betrieben und multinationalen Firmen sehen die Prioritätenlisten sehr ähnlich aus: gesundheitlicher Schutz der Mitarbeitenden, Eindämmung der Ansteckungen sowie Liquiditätssicherung stehen zuoberst. Gefolgt von Kostensenkungsmassnahmen und der Investitionsüberprüfung. Das Schwierige an dieser Krise ist, dass niemand die Dauer voraussagen kann. Das macht Planung und Abschätzung der Auswirkungen dermassen herausfordernd.»

Braucht es in solchen Situationen besondere Managementqualitäten?

«Ein Chef muss Ruhe, Sicherheit und Souveränität ausstrahlen. Es braucht überlegtes Handeln und schnelle Entscheide, die intern wie extern transparent und gut begründet kommuniziert werden. Er muss die Probleme mit entwaffnender Ehrlichkeit auf den Tisch legen, aber gleichzeitig auch positiv bleiben und Optimismus zeigen. Panik und Aktionismus haben keinen Platz. Es gibt, wie gesagt, ein Danach. Dieses gilt es mit unternehmerischer Weitsicht vorzubereiten.»

Und welche Ansprüche bestehen in einem solchen Moment an die Verwaltungsräte?

«Als Verwaltungsratspräsident bin ich mit den CEOs fast täglich telefonisch im Kontakt. Ich werde informiert, wir tauschen uns aus, stimmen uns ab und bereiten die VR-Entscheide vor. Der VR als Gremium muss dem Management die Stossrichtung vorgeben und rasch Entscheide fällen, die aber morgen auch wieder – aufgrund geänderter Rahmenbedingungen oder neuer Erkenntnissen – revidiert werden können. Wöchentliche VR Videokonferenzen oder schriftliche Updates gehören zum Alltag. Der Rhythmus ist intensiver und die zeitliche Beanspruchung grösser.»

Wie haben Sie bisher die Führungsrolle der Politik wahrgenommen?

Sehr positiv. Bundesrat und Staatsrat, aber auch die Nationalbank, die Finma und die Banken übernehmen Verantwortung, agieren unbürokratisch. Das Tempo ist beeindruckend. Die Kombination zwischen den ausgeweiteten Möglichkeiten der Kurzarbeit und einer grosszügigen Darlehensvergabe betrachte ich sinnvoll und zielgerichtet.

Kommen wir zu den von Ihnen präsidierten Unternehmen. Die Zermatt Bergbahnen mussten die Saison von einem Tag auf den anderen abbrechen. Wie wurde darauf im Unternehmen reagiert?

«Ich bin froh, kann ich mich dort auf CEO, CFO und die gesamte Geschäftsleitung dermassen verlassen. Alle machen einen super Job ohne den Anspruch, blenden zu wollen. Am denkwürdigen Freitag, den 13. März, der CEO dem VR schon nachmittags die finanziellen Auswirkungen einer Betriebsschliessung ab Montag, den 16. März, bis Ende Mai vorgelegt. Noch abends und am anderen Morgen wurden die Mitarbeitenden über die betriebsinterne App offen und ehrlich informiert und motiviert. Am Montag schon lagen neue Berechnungen vor. Am Dienstag wurde eine GL-Sitzung abgehalten, wo die nächsten Schritte beschlossen, Arbeiten und Aufgaben festgelegt und intern kommuniziert wurde. Seit Mitte März gilt Kurzarbeit.»

Von welchen finanziellen Auswirkungen ist die GL in ihrem Szenario ausgegangen und was zeigten diese für Ergebnisse?

«Wir rechnen mit Null Umsatz bis Ende Mai, mit einem Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr im Juni und Juli von 50 Prozent und vom August bis Ende Dezember mit 25 Prozent weniger. Die Kosten bleiben auf Vorjahresniveau und nur die wirklich betriebsnotwendigen Investitionen werden ab jetzt bis Ende Mai 2021 getätigt. Mit diesen Massnahmen und Annahmen ist die Liquidität bis Ende Dezember gesichert. Und sämtliche Bedingungen der Kreditverträge gegenüber den Banken werden eingehalten.»

Die ZBAG hat, wie viele andere, Kurzarbeit beantragt. Gerade die Saisonangestellten sind da in einer besonderen Situation...

«...die Saisonangestellten sind für uns genauso wichtig wie die Mitarbeitenden, die wir ganzjährig beschäftigen. Auch diese haben ihre Kosten und Familien. Wir halten unsere Verpflichtungen bis zum letzten Arbeitstag ein.»

Gibt es hier und heute bereits Zusagen betreffend Job-Sicherheit?

«Der grosse Erfolg der ZBAG ist über all die Jahre zum grossen Teil den Mitarbeitenden zu verdanken. In dieser schwierigen Situation darf man das nicht vergessen. Die Mitarbeitenden brauchen jetzt Vertrauen und Wertschätzung von VR und GL. Wir lassen sie nicht im Stich und sind uns unserer unternehmerischen und sozialen Verantwortung bewusst. Vorausgesetzt, dass wir bis November wieder in etwa zur Normalität zurückfinden, wird es keine betriebswirtschaftlich bedingten Entlassungen geben. Ja, so gesehen gibt es gibt eine Job-Sicherheit.»

Valora teilte am Donnerstag mit, dass die Unternehmung die Lohndifferenz zwischen Kurzarbeit (80% Lohn in der Schweiz und 60% bzw. 67% in Deutschland) und dem vollen Lohn auszugleicht. Macht das die ZBAG auch?

«Bei den Märzgehältern hat das die ZBAG ebenfalls gemacht. In der Zwischenzeit haben wir entschieden, dass wir auch im April den vollen Lohn bezahlen. Die Unternehmung steht vorerst für die Differenz gerade. Im Mai sehen wir weiter.»

Valora hat die Dividende für 2019 gestrichen. Die BVZ Holding als eine der grössten Aktionärinnen der ZBAG hat diese Woche angekündigt, sie zu halbieren. Werden die ZBAG das im Geschäftsjahr 2019/20 auch machen?

«Bis zur GV am 18. September 2020 ist noch sehr vieles möglich. Zum gegebenen Zeitpunkt wird der VR darüber befinden und der GV einen Vorschlag unterbreiten.»

Wie ist Ihre persönliche Meinung?

«Ganz allgemein: Staatliche Hilfe über Kurzarbeit beanspruchen oder bei den Banken neue Kredite für Investitionen holen und dann noch Dividenden bezahlen, passt nicht zusammen. Es macht für die Aktionäre finanziell mehr Sinn, diese Beträge in das «Danach» zu investieren. Aber die letzte Entscheidung liegt bei den Aktionären an der GV.»

Im verflossenen Geschäftsjahr wiesen die ZBAG einen Betriebsertrag von 76 Millionen Franken aus. Wagen Sie für dieses Jahr eine Prognose, Corona-Krise inklusive?

«Wir haben da ziemlich präzise Vorstellungen. Aber die sind im Moment nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.»

Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf die kurz- und mittelfristige strategische Ausrichtung?

«Keine. Unsere «Strategie 2022» basiert auf fünf Eckpfeilern. Sie werden nicht angepasst.»

Wie heissen diese Eckpfeiler?

«1. Das Wintergeschäft bleibt das Herzstück. Wir werden in Pisten und Bahnen - vielleicht etwas verzögert - weiter investieren, um in diesem nicht mehr wachsenden Segment Marktanteile von Konkurrenten zu gewinnen. 2. Wir sehen im Sommergeschäft ein grosses Potential. 3. Unsere Hochpreisstrategie bleibt, verbunden mit den entsprechenden Investitionen, bestehen. 4.Wir treiben die Digitalisierung voran und 5. nehmen wir unsere Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden und der Umwelt wahr.»

Beim Bau der 3S-Bahn von Testa Grigia zum Kleinen Matterhorn sowie bei der neuen Kumme Bahn gibt es also keine Verzögerungen?

«Die gesicherte Liquidität brauchen wir für das operative Geschäft. Unsere Banken kennen seit dem 16. März unsere Berechnungen. Sie zeigen grosses Interesse, diese beiden Bahnen zusätzlich zu finanzieren. Sobald die Offerten auf dem Tisch liegen, werden wir eine Gesamtbeurteilung vornehmen. Was heisst das für die langfristige Nettoverschuldung, für den Verschuldungsfaktor Fremdkapital/EBITDA, können Leitner und Garaventa die Zeitpläne einhalten und haben die Baufirmen die Angestellten und das benötigte Material, um ihre Aufgaben fristgerecht zu erledigen? Auch hier sind wir unserer Verantwortung bewusst. Wir wollen die Bahn zum Klein Matterhorn im Herbst 2021 eröffnen, jene in der Kumme schon an Weihnachten 2020. Wenn niemand mehr investiert, steht alles still und Massenentlassungen sind unweigerlich die Folge.»

Daraus schiesse ich, dass Sie für den Vorschlag der Gewerkschaften, die Bautätigkeit einzustellen, wenig übrig haben?

«Die Gesundheit ist unser höchstes Gut. Auf jeder Baustelle gilt es den behördlichen Anordnungen zu folgen. Wenn wir den grössten Teil der Wirtschaft stoppen, muss der Bund noch viel tiefer in die Taschen greifen und sich so stark verschulden wie viele andere Staaten. Aber das passt nicht zur Schweiz, ebenso wenig wie steigende Arbeitslosenzahlen und fehlende Konsumkraft.»

Durch Ihre Äusserung in einer grossen Schweizer Tageszeitung, rund ums Kleine Matterhorn 150 Millionen Franken für reiche Araber und Asiaten investieren zu wollen, gerieten Sie massiv in die Kritik. Was ist da Sache?

«Sache ist, dass es hier etwas unmissverständlich klarzustellen gibt. Diese Sätze wurden von mir nie autorisiert. Wir investieren bei der Inszenierung des Kleinen Matterhorns nicht für wohlhabende ausländische Kundensegmente. Der treue Schweizer Gast, von dem Zermatt seit jeher entscheidend lebt, ist hier mindestens genauso willkommen. Gerade die Corona-Krise zeigt, dass solche Segmentierungen nach Herkunft völlig falsch wären.»

Und wie rechnen sich diese gewaltigen Investitionen?

«65 Millionen kostete die Bahn von Trockenen Steg aufs Kleine Matterhorn, 35 Millionen beansprucht die sich im Bau befindende Bahn Testa Grigia – Klein Matterhorn. 50 Millionen für die einmalige Inszenierung dieses Übergangs von Cervinia nach Zermatt nahe an der Viertausender-Grenze geplant. Wir arbeiten daran zusammen mit externen Profis, im Einvernehmen mit den Umweltverbänden und im Einklang mit der Natur, unserem, neben der Gesundheit, grössten Kapital. Wir wollen gerade Schweizer und europäischen Gästen ein einmaliges Erlebnis bieten, damit sie dafür nicht in weite Welt fliegen müssen.»

Die neue 3S Bahn von Teste Grigia zum Klein Matterhorn hat in Zermatt nicht nur Befürworter…

«Dieselben Kritiker haben vor Jahren gesagt, dass die neue 3 S Bahn von Trockener Steg auf das Klein Matterhorn eine falsche Entscheidung sei, weil dadurch die Schweizer Gäste vermehrt in Italien Skifahren gingen. Heute sind alle von der Bahn begeistert und die italienischen Gäste beehren das Skigebiet von Zermatt mit Besucherrekorden. In der Zwischenzeit habe ich gelernt, dass nicht nur im Sportfachhandel, sondern auch im Tourismus gerne kritisiert und gejammert wird. Statt sofort negativ zu sein, sollte man zuerst die Chancen und Möglichkeiten sehen. Wir nehmen diese Kritik ernst, setzen uns mit den wichtigsten Leistungspartnern an einen Tisch und kreieren Angebote, welche die Grundlage für die wichtige Wertschöpfung in Hotels, der Gastronomie und dem Gewerbe in Zermatt sicherstellen. Doch es ist auch Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen gefragt. Sonst drehen wir uns nur im Kreis.»

Wie erleben Sie die aktuelle Entwicklung bei Valora? Dieses Geschäft brach vermutlich auch mächtig ein.

«Auch bei Valora kann ich mich mit dem CEO Michael Mueller an der Spitze auf ein Topmanagement verlassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Firmen hat die Valora schon sehr früh auf die Corona-Krise reagiert. Bereits am 25. Februar wurde eine Corona-Task- Force gegründet, am 27. Februar hat der CEO via die Mitarbeiter-App über die ersten Massnahmen informiert. Seitdem ist die Task Force fast Tag und Nacht am Arbeiten. Es folgen regelmässige CEO-Letters.»

Mit welcher Perspektive planen Sie?

«Die Dynamik der Krise ist gewaltig und beeinflusst den Geschäftsgang deutlich. Im Rahmen der Grundversorgung haben wir vorerst noch 80 Prozent unserer Verkaufsstellen offen. Aufgrund der behördlichen Restriktionen und damit verbundenen Frequenzverlusten sowie krankheitsbedingten Personalausfällen wird es zu weiteren Schliessungen und Reduktionen von Öffnungszeiten kommen. Massnahmen zur Reduktion der Kosten und Investitionen sind eingeleitet und die Verhandlungen mit den Banken und Vermietern laufen. Das ist wohl wie bei den meisten Unternehmungen – und fordert alle extrem.»

Valora mietet an den Bahnhöfen in der ganzen Schweiz sehr teure Geschäftsflächen. Viele Verträge wurden erst im letzten Jahr längerfristig erneuert. Was lässt sich hier tun?

«Mit den wichtigen Vermietern haben wir im ersten Schritt eine Stundung der Mietzahlungen vereinbart. Auch die Investitionen in die Umbauten der SBB Standorte können wir zurückstellen. Jetzt gilt es, in partnerschaftlichen Verhandlungen, mit den grossen Vermietern die Mieten den stark abnehmenden Frequenzen anzupassen.»

Als Beirat von Aldi-Süd kennen Sie auch das Lebensmittelgeschäft. Hier müssten die Umsätze im grünen Bereich liegen...

«Zum Geschäftsgang von Aldi mache ich keine Aussagen. Die generelle Situation im Lebensmitteleinzelhandel kann ich jedoch recht gut abschätzen.»

Und?

«Es fehlen die Non-Food-Umsätze. Die Lebensmittelumsätze sind selbstverständlich sehr gut. Die Herausforderungen bestehen in der Warenversorgung und bei den Mitarbeitern. Diese leisten Überstunden, gehen an die Belastungsgrenze, müssen ständig Regale auffüllen und gefährden dabei auch noch ihre Gesundheit. Man sieht aber auch, dass die Konsumenten immer mehr die neuen Verhaltensregeln in den Geschäften akzeptieren, was der Motivation der Mitarbeitenden hilft.»

Das ist nun nicht völlig überraschend…

«Sage ich auch nicht. Was mich aber auch hier beschäftigt , ist die viel zu kleine Lobby des Detailhandels. Ich habe die meisten bisherigen Bundesratspressekonferenzen verfolgt. Dabei wurden der Detailhandel, aber auch der Tourismus, immer nur am Rande erwähnt. Beide Bereiche sind für unsere Wirtschaft derart wichtig, dass es hier vermehrt Lobbyarbeit und Unterstützung bedarf.»

Als langjähriger Intersport-Chef hatten Sie stets intensiven Kontakt mit den zahllosen kleinen Selbständigen in der Sportartikelbranche. Was haben Sie hier zu raten?

«Für all diese kleinen Betriebe, nicht nur im Sporthandel, habe ich einen riesen Respekt. Sie bilden die Basis unserer Volkswirtschaft. Unter diesen gibt es so viele innovative, agile, moderne Unternehmer. Ich rate ihnen vor allem und wenn immer möglich, Liquidität und Kosten im Griff zu haben.»

Sie kennen auch das internationale Sport-Business sehr gut. War die Absage der Olympischen Sommerspiele in Tokio schon vier Monate im voraus richtig, respektive hätte man damit nicht noch zuwarten können, auch als Signal für den Glauben an das Danach?

«Olympische Spiele sind von der Planung, Organisation und Verschiebung das mit weitem Abstand komplexeste Sport-Grossereignis. Ich finde den Zeitpunkt richtig. Gesundheit und Chancengleichheit, sprich identische Trainingsbedingungen für alle Athleten, über alles.»

Der Bundesrat gab am Mittwoch keine Carte Blanche für À- fonds-perdu-Kredite. Darlehen müssen nach fünf zinsfreien Jahren rückbezahlt werden. Ist das richtig oder falsch?

«Die rasche und unbürokratische finanzielle Unterstützung dieser Betriebe seitens von Bund, Kantonen und Banken zur kurzfristigen Lösung von Liquiditätsproblemen ist nicht nur richtig, sondern unabdingbar. Die früher oder später rückzahlbaren Kredite sind ein zweischneidiges Schwert. Das gehört aber grundsätzlich nun mal zu einem Bankkredit. In dieser doch speziellen Situation vertrete ich auch die Ansicht, dass in den nächsten Wochen Mittel und Wege gefunden werden müssen, um die Betriebe zumindest teilweise von dieser Rückzahlungsverpflichtung zu befreien.»

Es gibt die Erwartung, dass der Bund die Ertragsausfälle ganz oder zumindest teilweise entschädigt. Schliesslich sei die Betriebsschliessung amtlich verordnet worden, also nicht selbstverschuldet.

«Mit allem Verständnis und Respekt für die Probleme würde das zu weit gehen. Ich bin gegen A-fonds-perdu Beträge. Kredite haben einen Verpflichtungscharakter. Wenn bei diesen nun die Rückzahlung aufgeweicht werden sollten, finde ich, muss ein klares, einfaches, ausgewogenes und gerechtes System angewendet werden.»

Einige Schlaumeier dürften Lücken finden, das jetzt als "grosszügig" zu bezeichnende Finanzierungssystem auszunutzen. Sehen Sie das auch so?

«Ja, das sehe ich auch so. Mit einer gewissen Dunkelziffer ist, wie überall im Leben, auch in diesem Fall zu rechnen. Die Vorteile überwiegen aber, weil damit, wie erwähnt, ein wichtiger Bereich unserer Volkswirtschaft am Leben gehalten werden kann.»

Ist zu verhindern, dass Unternehmen in Schieflage noch mal rasch einen Kredit abholen – und dann Konkurs anmelden?

«Auch das wird und kann möglich sein. Ich gehe davon aus, dass die Banken hier den Riegel frühzeitig schieben.»

Auf der anderen Seite sind mutige unternehmerische Zeiten gerade in unsicheren Zeiten zu begrüssen. Was sagen Sie in diesem Sinne zur bevorstehenden Übernahme der Air Glacier durch die Air Zermatt?

«Im Detail kann ich den Deal zu wenig beurteilen. Ich habe aber einen enormen Respekt vor der unternehmerischen Leistung, die Beat Perren und sein Sohn Philipp seit Jahren erbringen. Heute ist die Air Zermatt einer der besten Werbeträger für Zermatt und dasWallis. Die Übernahme der Air Glacier stellt zum jetzigen Zeitpunkt sicher eine grosse Herausforderung dar. Ich bin aber überzeugt, dass der kompetente Verwaltungsrat in einigen Jahren mit Stolz auf diese Akquisition zurückblicken kann. Solche Unternehmer braucht das Land.»

Ist der Zermatt Unplugged Gründer Thomas Sterchi für Sie eine ähnliche Unternehmerpersönlichkeit?

«Ja zweifellos. Das hat er ja schon vor der Gründung von Unplugged bewiesen. Zuerst wurde er in Zermatt für seine Vision belächelt. Heute ist das Unplugged in Zermatt nicht mehr wegzudenken und verlängert die Saison um eine Woche. Ich bin überzeugt, dass Thomas und sein Team, nachdem sie die erste Enttäuschung und Leere überwunden haben, uns ein phantastisches Festival 2021 präsentieren werden. Jetzt ist Solidarität von allen Zermatter Leistungspartnern gefragt.»

Was haben Sie abschliessend und in Kurzfassung für eine Corona-Krise-Message?

«Keine Schnellschüsse, die Liquidität im Griff haben, optimistisch und positiv bleiben. Es gibt ein Danach und dort haben gerade die Kunden im Tourismus und im Einzelhandel einen grossen Nachholbedarf. Der «Gewinner», wenn man ihn so nennen kann, ist derjenige, der in den nächsten Monaten mit seinen Mitarbeitenden und Partnern fair und respektvoll umgeht.»

Interview: Thomas Rieder

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