Verhüllungsverbot | Volksinitiative für ein nationales Burkaverbot ist bereit

Freysinger: «Das könnte im Wahlkampf helfen»

Die Initiative des Egerkinger Komitees verlangt, dass niemand sein Gesicht im öffentlichen Raum verhüllen oder verbergen darf. (Symbolbild)
1/1

Die Initiative des Egerkinger Komitees verlangt, dass niemand sein Gesicht im öffentlichen Raum verhüllen oder verbergen darf. (Symbolbild)
Foto: /ap/ebrahim noroozi

Quelle: 1815.ch/SDA 29.09.15 1
Artikel teilen

Politiker um den Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann haben ihre Initiative für ein schweizweites Verhüllungsverbot eingereicht. Vorbild ist ein geplantes Gesetz im Tessin. In der ganzen Schweiz soll das Tragen von Burkas verboten werden.

Politiker um den Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann haben ihre Initiative für ein schweizweites Verhüllungsverbot eingereicht. Vorbild ist ein geplantes Gesetz im Tessin. In der ganzen Schweiz soll das Tragen von Burkas verboten werden.

Das Egerkinger Komitee ist in den Startlöchern. Sobald die Bundeskanzlei das bei ihr zur formellen Vorprüfung eingereichte Volksbegehren geprüft und grünes Licht gegeben hat, beginnt die Unterschriftensammlung.

Dass die Initianten nur gut zwei Wochen vor den eidgenössischen Wahlen für ihr Anliegen die Werbetrommel rühren, dürfte kein Zufall sein. "Das könnte helfen", sagte der Walliser Staatsrat und Noch-SVP-Nationalrat Oskar Freysinger am Dienstag vor den Bundeshausmedien in Bern. Er verglich die Situation mit jener nach Fukushima 2011, als die Grünen die Atomkatastrophe im Wahlkampf thematisiert hatten.

Langes Zuwarten

Die Idee einer Volksinitiative für ein nationales Verhüllungsverbot liegt schon länger in der Schublade. Bereits Anfang Jahr hatten die Initianten eine Lancierung angekündigt. Das Projekt verzögerte sich aber wegen "langer Vorbereitungsarbeiten", wie Freysinger sagte.

Das Komitee wartete beispielsweise die Reaktion des Parlaments ab auf eine parlamentarische Initiative von Wobmann, der ein Burkaverbot auf diesem Weg ins Gesetz schreiben lassen möchte. Die Nationalratskommission sprach sich diesen April dann knapp für den Vorstoss aus - mit 11 gegen 10 Stimmen bei 2 Enthaltungen.

Das war den Initianten aber zu wenig: Er habe gespürt, dass die Begeisterung aus den anderen Reihen ausbleibe, sagte Wobmann am Dienstag. "Spätestens im Ständerat wäre die Zustimmung weg." Deshalb sei nun die nationale Volksinitiative der richtige Weg.

Ausnahmen sind abschliessend

In der Zwischenzeit arbeitete das Komitee am Initiativtext. Dieser entspricht dem Text jenes Volksbegehrens, das 2013 vom Tessiner Stimmvolk mit über 65 Prozent gutgeheissen worden war. So soll künftig niemand sein Gesicht an Orten verhüllen dürfen, die allgemein zugänglich sind. Ausgenommen sind Sakralstätten. "Niemand darf eine Person zwingen, ihr Gesicht aufgrund ihres Geschlechts zu verhüllen", heisst es weiter.

Ausnahmen will das Komitee nur aus gesundheitlichen (Gesichtsmasken im Spital), sicherheitsrelevanten (Helmpflicht für Töfffahrer), klimatischen (Kälteschutz für Wintersportler) sowie aus Gründen des einheimischen Brauchtums (Fasnachtskostüme) zulassen. Falls Volk und Stände die Initiative annähmen, müsste der neue Verfassungsartikel innert zwei Jahren in Kraft treten.

Mehrheitlich SVP-Politiker

Dem geplanten Verfassungsartikel zum Erfolg verhelfen wollen verschiedene Vertreterinnen und Vertreter aus dem rechtsbürgerlichen Lager, darunter die Spitze des erfolgreichen Tessiner Initiativkomitees um Giorgio Ghiringhelli. Auch alt SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer (ZH), der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner oder der Neuenburger SVP-Nationalrat Raymond Clottu sitzen im Komitee.

Neben den SVP-Politikern unterstützen EDU- und Lega-Vertreter die Initiative. "Wir wollen auch liberale Exponenten davon überzeugen", sagte Wobmann. Ebenfalls auf der Liste der Unterstützer befindet sich die Ostschweizer Autorin Julia Onken.

In Anlehnung an Minarettinitiative

Optisch kommt die Kampagne des Egerkinger Komitees ähnlich daher wie diejenige zum Minarettverbot im Jahr 2009. Die gleiche mit einer Burka verhüllte Frau und ein mit einer Petarde bewaffneter Hooligan zieren das Logo. Auf sie haben es die Initianten auch abgesehen.

"Wer freies Auftreten einem Geschlecht verbieten will, verordnet einem Land den Rückfall ins Mittelalter", sagte Wobmann. In der Schweiz hätten Gesichtsverhüllungen nichts zu suchen. Wobmann wie auch Freysinger betonten, dass der neue Verfassungsartikel die Grundrechte der Frau garantierten.

Das Volksbegehren soll sich zudem gegen jene Verhüllung richten, "der kriminelle, zerstörerische oder vandalistische Motive zugrunde liegen". "Schluss mit Saubannerzügen in Fussballstadien", sagte Freysinger. Dieser Grundsatz sei in vielen Kantonen bereits zum Gesetz erhoben worden. Nun müsse er auch in der Verfassung festgeschrieben werden.

Für die Gegner ist dieser Weg dagegen ein zu starker Eingriff in die persönliche Freiheit. Die religiös motivierte Gesichtsverhüllung sei in der Schweiz sehr selten, weshalb ein Verbot unverhältnismässig sei, lautet dort der Tenor. Der Erlass eines Verhüllungsverbots an Kundgebungen und Sportanlässen sei Sache der Kantone.

29. September 2015, 18:24
Artikel teilen

Artikel

Kommentare

  • Carmen Braun - vor 11 Jahre ↑12↓14

    Die SVP ist dabei die Zukunft unseres Tourismus zu zerstören: die vielen reichen Touristen aus den arabischen Ländern werden bei einem Verbot ihre Ferien nicht mehr in der Schweiz verbringen. Dies wird dann ein harter Schlag für die jetzt schon gebeutelte Tourismusindustrie. Für mich sieht Tourismusförderung anders aus.

    antworten

Kommentar

schreiben

Loggen Sie sich ein, um Kommentare schreiben zu können.

zum Login
Corona Infoseite

Wallis: Abgesagt oder verschoben wegen Corona

Veranstaltungen

  • Hier ansehen.
  • Newsticker
  • Meistgelesen
  • 20:00 Ab morgen ein neues News-Portal für das Oberwallis
  • 19:45 Polizei löst Party auf
  • 17:00 Eine Region – ein News-Portal
  • 16:21 Update: Flächenbrand in Törbel verläuft glimpflich
  • 12:47 Staubtrockene erste Aprilhälfte
  • 09:58 Türkischer Präsident Erdogan lehnt Rücktritt seines Innenministers ab
  1. Sexueller Übergriff auf ein siebenjähriges Mädchen in Riddes
  2. 120'000 Franken für OK-Präsident Jürg Stahl
  3. CSS muss zurückzahlen
  4. «Der Papst kann nicht Neues erfinden»
  5. Alpinist stirbt am Dom beim Festigrat
  6. Update: Flächenbrand in Törbel verläuft glimpflich
Aktuelle Verkehrsmeldungen

Kolumne | Diese Woche zum Thema:

Offene Fragen zur Corona-Pandemie

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben bis auf weiteres im Walliser Bote.

RZ | Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und [...]

Oberwalliser Baby-Galerie

William MathierHannah KummerValentina Heidi Studer
zur Baby-Galerie
Anmeldung - WB Newsletter

Walliser Bote - Newsletter

    Täglich informiert mit dem WB-Newsletter!
  • Jetzt registrieren unter: www.1815.ch/newsletter

1815.märt - Jetzt inserieren

Hier können Sie Ihre Inserate direkt, günstig und flexibel im Walliser Bote und der Rhone Zeitung aufgeben.

Logo WalliserBote
  • Walliser Bote - Stellen
  • Walliser Bote - Immobilien
  • Walliser Bote - 5 Liber
  • Walliser Bote - Fahrzeuge
  • Walliser Bote - Diverses
  • Walliser Bote - Erotik
Logo Rhonezeitung
  • Rhone Zeitung - Inserate
  • Rhone Zeitung - 5 Liber
  • Rhone Zeitung - Baby Galerie - Kostenlos

Publikationen 2020

  • WB Publikationen 2020 [PDF]
  • RZ Publikationen 2020 [PDF]
Tweets von @1815_online
Rotten Verlag News

Kultur Wallis

    mehr

    Kursangebote

    Fehler beim laden der XML Datei

    mehr

    Das Walliser Erlebnismagazin

    Bergluft

    • Bergluft Nr. 30 [PDF]
    • Bergluft Nr. 29 [PDF]
    • Bergluft Nr. 28 [PDF]
    • Bergluft Nr. 27 [PDF]
    • Bergluft Nr. 26 [PDF]
    • Bergluft Nr. 25 [PDF]
    • Bergluft Nr. 24 [PDF]
    • Bergluft Nr. 23 [PDF]
    Freysinger: «Das könnte im Wahlkampf helfen» | 1815.ch
    • Login
    • ePaper
    • Babies
    • Umfragen
    • Videos
    • Bilder
    • Wetter
    • Suchen
    • 1815 Märt
    • Abo
    • Werbung
    • Newsletter
    • Impressum
    • Kontakt
    • Leser-Reporter
    Mengis Gruppe: Pomona Media AG
    Rotten Verlags AG
    Alpmedia AG
    1815.ch
    Wetter-Cam
    : °/°
    • Login
    • Abo
    • Werbung
    • Newsletter
    • Kontakt
    • Leser-Reporter
    • Babies
    • Umfragen
    • Bilder
    • Videos
    • Sie sind hier:
    • Home
    • News
    • Wallis
    • Aktuell
    • Freysinger: «Das könnte im Wahlkampf helfen»

    Sitemap

    Impressum

    NEWS

    • Wallis
    • Schweiz
    • Ausland
    • Sport

    ABONNEMENTS

    • Aboservice
    • Alle Aboangebote
    • Probeabo
    • Ferienumleitung
    • Adresse ändern

    VERLAG & SERVICES

    • Regio Info
    • RSS
    • Werbung
    • Tarifdoku: WB, RZ, 1815

    MENGIS GRUPPE

    Pomonastrasse 12
    3930 Visp
    Tel. +41 (0)27 948 30 30
    Fax. +41 (0)27 948 30 31
    • Kontakt

     

    • Mengis Druck und Verlag AG
    • Rotten Verlags AG
    • Alpmedia AG

    © 2026 Mengis Druck und Verlag AG - Alle Rechte vorbehalten | Kontakt | Impressum | Datenschutzerklärung | AGB Abo | AGB Werbung | AGB 1815.club | AGB Rotten Verlags AG

    Website by update AG, Zürich