Kurzinterview | Therese Zenhäusern

«In manchen Fällen ist eine jahrelange Therapie notwendig»

Therese Zenhäusern, Kinder- und Jugendpsychologin
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Therese Zenhäusern, Kinder- und Jugendpsychologin
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Region | Therese Zenhäusern ist Regionalleiterin des Zentrums für Entwicklung und Therapie des Kindes und Jugendlichen (ZET) in Brig. Die Kinder- und Jugendpsychologin hat langjährige Erfahrung in der Betreuung von Kindern, die Opfer von Übergriffen geworden sind.

Wieviele Übergriffe auf Kinder gibt es jährlich im Oberwallis?

2012 wurden der Kinderschutzgruppe Oberwallis 115 Fälle von sexueller oder körperlicher Gewalt sowie Vernachlässigung gemeldet. Ich möchte aber betonen, dass es sich dabei nur um die gemeldeten Fälle handelt. Die Statistik kann die Realität niemals wiedergeben. Die Dunkelziffer ist bedeutend höher. Untersuchungen gehen davon aus, dass 10 bis 20 Prozent der Kinder bis zu ihrem 18. Geburtstag eine der Formen von Kindsmisshandlung erleiden. Das kann in Form von aufdringlichen sexualisierten Blicken und Gesten oder Voyeurismus geschehen bis hin zu schwerer sexueller oder körperlicher Misshandlung.

Wie reagieren Kinder auf einen Übergriff?

Die Folgen können bei jedem Kind sehr unterschiedlich sein. Die Art der Reaktion hängt vom Alter, der Konstitution, der Persönlichkeit und Vorgeschichte des Kindes, aber auch von der Häufigkeit und Schwere der Tat ab. Eine zentrale Rolle spielt auch die Beziehung zum Täter. Kennt das Kind seinen Peiniger, so ist dies für das Opfer meistens traumatischer als wenn ein Fremder die Tat begangen hat. Mögliche Folgen für die Kinder können sehr vielfältig sein. Zum Beispiel: Emotionale Reaktionen wie massive Ängste, Aggressionen, Depressionen, psychosomatische Reaktionen, Traumata oder Schwierigkeiten auf der Verhaltensebene wie etwa Probleme im Sozialverhalten oder in der Schule.

Wie versuchen Sie den betroffenen Kindern zu helfen?

Jeder Fall ist anders und erfordert eine individuell abgestimmte Unterstützung und Behandlung. Kinderschutzarbeit ist immer eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von mehreren Fachleuten. Dies geht von rechtlicher, sozialer, psychologischer Beratung und Information bis hin zu gezielter Psychotherapie und Traumaarbeit mit dem betroffenen Kind einzeln und/oder seinem zugehörigen System wie Familie oder sozialem Umfeld. Auch die Dauer ist unterschiedlich. Manchmal reicht eine kurzzeitige Behandlung, in anderen Fällen jedoch ist eine jahrelange Therapie notwendig.

Frank O. Salzgeber

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