Ökologie | Alpenbaum wandert nur langsam in höhere Lage

Die Arve kann dem Klimawandel kaum in die Höhe ausweichen

Die Arve wächst zwischen 1500 und 2500 Metern Höhe in den Alpen und bildet einen wichtigen Lebensraum.
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Die Arve wächst zwischen 1500 und 2500 Metern Höhe in den Alpen und bildet einen wichtigen Lebensraum.
Foto: sabine brodbeck / wsl

Quelle: SDA 0

Die Arve bildet in den Alpen vielerorts die Baumgrenze. Wie hoch diese liegt, bestimmt aber nicht allein das Klima. Der Tannenhäher und andere Tiere und Pflanzen spielen dabei eine wichtige Rolle, wie Forschende berichten. Das könnte für die Arve zum Problem werden.

Mit der Klimaerwärmung ziehen sich viele Pflanzen und Tiere der Alpen in höhere und damit kühlere Lagen zurück. Gleiches gilt für die Arve (Pinus cembra). Eine Studie von Forschenden der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zeigt nun, dass die Arve sich nur sehr langsam in grössere Höhen ausbreitet.

Bisher ging man davon aus, dass die Ausbreitung der Arve, die vielerorts die Baumgrenze zwischen Wald und alpiner Vegetation bildet, hauptsächlich durch das Klima bestimmt wird. Tatsächlich gibt das Klima aber nur den Rahmen vor, wie die Forschenden im Fachblatt "Journal of Ecology" berichten.

Der Tannenhäher als Flaschenhals

Ob die Arve sich tatsächlich in höhere Gefilde ausbreite, hänge vor allem von ihren Wechselbeziehungen mit anderen Pflanzen und Tieren wie dem Tannenhäher ab, erklärte Senckenberg-Forscherin Eike Lena Neuschulz gemäss einer gemeinsamen Mitteilung der beiden Institutionen vom Montag.

Dem Tannenhäher fällt deshalb eine entscheidende Rolle zu, weil er die flugunfähigen Samen der Arve transportiert. Der Vogel versteckt die Arvennüsschen als Futtervorrat und pflanzt dadurch neue Bäume. Er bleibt jedoch der bisherigen Baumgrenze treu und verschleppt nur sehr wenige Samen in höhere Lagen, berichten die Wissenschaftler.

Ob einer dieser wenigen Samen dann wirklich keimt, hängt dann wiederum von der direkten Umgebung ab, in der der Tannenhäher das jeweilige Arvennüsschen versteckt hat. Zwergstrauch-Vegetation sei förderlich, Nagetiere, die den Samen anknabbern, verhinderten das erfolgreiche Keimen, so Neuschulz. Weniger wichtig als angenommen sind demnach hingegen Durchschnittstemperatur und Bodenfeuchte in den ersten Etablierungsjahren.

Arve könnte in Bedrängnis geraten

Die WSL- und Senckenberg-Forschenden führten ihre Studie auf einer Höhe zwischen 1850 und 2250 Metern in zwei Tälern nahe Davos durch. Während drei Jahren dokumentierten sie die Verjüngung des Arvenwaldes und die kleinräumigen Umweltbedingungen. Ausserdem vergruben sie selbst 360 Arvensamen, um den Keimungserfolg zu studieren.

Die Ergebnisse zeigten, dass einzelne Baumarten wie die Arve den Veränderungen des Lebensraums durch die Klimaerwärmung nur sehr langsam folgen können, hiess es in der Mitteilung.

Das könnte problematisch werden: "Wenn sich das Klima erwärmt und dadurch die Konkurrenz durch Baumarten aus tieferen Lagen zunimmt, dürfte dieses komplexe Gefüge der ökologischen Wechselwirkungen durcheinander geraten", sagte Felix Guggerli von der WSL. "Dadurch könnte der für viele Regionen der Alpen charakteristische Lebensraum des Arvenwaldes gefährdet sein.

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