Zermatt | Dan Daniell im Gespräch

«Für den Papst würde ich gerne einmal kochen»

Künstler und Gastronom Dan Daniell im grossen Silvesterinterview.
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Künstler und Gastronom Dan Daniell im grossen Silvesterinterview.
Foto: RZ

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In seinem «Chez Heini» geht über die Festtage die Post ab. Doch wie erlebt Dan Daniell diese Zeit? Ein Gespräch über Freude, Talente, Ängste und den Papst.

Dan Daniell, wie werden Sie lieber genannt – Urs Biner oder Dan Daniell?
Rund zwei Drittel der Dorfbevölkerung von Zermatt nennen mich Dani oder Daniel. Die engen Freunde sowie die Familie nennen mich jedoch weiterhin Urs. Ich mag ­beides.

Im Jahr 1988 haben Sie sich den Künstlernamen Dan Daniell zugetragen. Warum eigentlich?
Das ist eine Art ein Schutznetz. Die Leute nehmen oft sehr viel von anderen Menschen und verstehen nicht immer, dass eine Person auch ein Privatleben hat. Der Künstlername dient zum Schutz.

Im nächsten Jahr feiert Dan Daniell sein 30-jähriges Bestehen. Ist dazu etwas geplant?
Nein, nein. Dass Dan Daniell vor 30 Jahren geboren ist, zeigt mir aber, wie schnell die Zeit vergeht.

Weihnachten liegt hinter uns, der Silvester vor uns. Worauf freuen Sie sich jeweils mehr?
Früher habe ich das Weihnachtsfest dem Silvester stets vorgezogen. Das hatte einen Grund: In meiner Lehre als Koch im Hotel Intercontinental in Genf waren wir circa 450 Angestellte. Gerade am Silvester war sehr viel los. Auch heute verbringe ich den Silvesterabend in der Gastronomie. Doch heimlich träume ich davon, den Jahreswechsel einmal bei mir zu Hause auf dem Sofa zu verbringen und ganz gemütlich ein paar feine Lachs-Brötchen zu essen.

Sie führen das Restaurant Chez Heini in Zermatt, wo sich während der Festtage mehrere Stars und Sternchen aus den verschiedenen Branchen begegnen. Fehlt Ihnen zwischendurch ein bisschen Zeit für sich?
Es gibt Momente, in denen ich mir wünsche, bedient zu werden. Momente, in denen ich mein Restaurant auch einmal verlassen möchte, ohne mir irgendwelche Gedanken über Reservationen und Bestellungen zu machen. Doch andererseits ist der Silvesterabend für das Geschäft der beste Abend im ganzen Jahr.

Dan Daniell, im November 2016 verstarb Ihr Vater Heini Biner. Erleben Sie die Festtage seither anders?
Seit dem Tod meines Vaters fehlt etwas. Das spüre ich. Ich lebe seit jeher alleine und bin zwar glücklich und zufrieden, trotzdem habe ich gerade während der Festtage den Kontakt zu den Eltern geschätzt. Die Lücke, die mein Vater hinterlassen hat, ist durch nichts zu ersetzen.

Ganz alleine leben Sie nicht. Sie haben einen Hund, der Ihnen viel bedeutet.
Ganz ehrlich, ich hätte nie gedacht, dass ein Haustier mir so fest das Herz öffnen könnte. Eigentlich habe ich mir einen Goldfisch gewünscht, der hätte keinen Staub verursacht. Doch dann kam «Wuschel». Anfangs war er noch so klein, nun hat er fast schon die Grösse eines Bernhardiners (lacht). Durch ihn unternehme ich viel mehr und fühle mich weniger einsam. Haustiere sind eine Bereicherung im Leben der Menschen und bereiten ihnen viel Freude.

Reden wir über Ihr Lokal «Chez Heini». Die Musiker Phil Collins und Robbie Williams waren genauso bei Ihnen wie Fussball-Welttorhüter Manuel Neuer und zahlreiche andere Stars. Von ihnen gibt es viele Bilder an einer Wand im Restaurant. Was braucht es, um an der Wand «verewigt» zu werden?
Die Leute auf den Bildern an der Wand haben eine Gemeinsamkeit: Alle haben sie eine Nacht bei mir verbracht.

Ach so?
Ich lege mich nicht fest, was das für eine Nacht gewesen ist, aber es war eine Nacht bei mir.

Welche Begegnung hat Sie besonders beeindruckt?
Das kann ich nicht beantworten, denn ich war nie ein Fan von irgendwelchen Künstlern, Stars und Sternchen und habe früher auch nie Poster von irgendwelchen Idolen in meinem Zimmer aufgehängt. Mich beeindruckt grundsätzlich der Mensch und wie er seine Fähigkeiten einsetzt und etwas im Leben bewegt. Ich bin überzeugt, dass viele Menschen sehr grosse Talente haben, aber nur wenige haben den Mut, sie auch zu nutzen.

Wie landen die Promis in Ihrem Lokal?
Das ist unterschiedlich. Meist sagen sie, dass unser Lokal ihnen durch Drittpersonen empfohlen wurde. Zwischendurch kommt es auch vor, dass ich die Leute zuerst gar nicht kenne.

Wie bitte?
Ja, vor einem Jahr stand eine Serviertochter plötzlich vor mir und erzählte dann von einem Schauspieler (Sam Heughan, er spielt die Hauptrolle in Outlander, die Red.), der im Lokal sei. Ich ging dann später zu ihm, um mich zu erkundigen, ob das Essen geschmeckt hat. Anschliessend haben wir ein bisschen geplaudert.

Entstehen dadurch auch Freundschaften?
Das ist unterschiedlich. Manchmal entstehen Freundschaften. Im Fall von Sam ist eine Kollegschaft entstanden. Es ist auch nicht so, dass jeder Star jedes Jahr erneut nach Zermatt zurückkehrt. Dem einen gefällt es bei uns, dem anderen halt weniger.

Was machen Sie anders als andere Gastronomen, damit die Promis ausgerechnet bei Ihnen landen?
Nun gut, die Leute kommen ja nicht nach Zermatt und verbringen ihre Zeit nur bei mir. Sie besuchen auch andere Restaurants und logieren in anderen Hotels. Der Unterschied ist wohl, dass ich die Begegnungen mit einem Foto festhalte. Hinzu kommt, dass ich in den vergangenen 30 Jahren meine ganze Freude in das Restaurant gesteckt habe. Ich lebe dafür und habe den Mut, etwas auszuprobieren. Angst hingegen zerstört viele Träume der Menschen.

Macht Ihnen denn nichts Angst?
(überlegt lange) Ich habe Angst vor Krankheiten und vor dem ­Altwerden.

Angst vor dem Altwerden?
Ja, Angst davor, dass ich eines Tages auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen bin.
Sie sind Koch, Künstler, Autor und Musiker. Sie haben viele Talente. In welcher Rolle fühlen Sie sich am wohlsten?
Vor zehn Jahren entstanden Wolli und die zahlreichen Kinderbücher, bei denen ich für die Texte zuständig bin. Das liegt mir sehr am Herzen. Freude bereiten mir auch die anderen Rollen, doch Wolli ist eine Herzensangelegenheit.

Sie haben auch eine Vision mit Wolli. Womöglich könnte es zu einer TV-Premiere kommen.
Wolli als Gutenachtgeschichte wie es auch Pingu als Gutenachtgeschichte gibt, wäre etwas Tolles. Es geht mir darum, den Kindern gewisse Werte mitzugeben, die im heutigen digitalen, kurzlebigen, aber oft auch oberflächlichen Zeitalter ein bisschen verloren gehen.

Dan Daniell, welche Person bewundern Sie?
Ich bewundere Menschen, die in sozialen Berufen tätig sind. Sei es in einem Spital oder an der Grotte von Lourdes oder anderswo. Diese Leute verdienen meinen grössten Respekt und ich denke, dass ihre Leistungen zu wenig gut honoriert werden.

Auch Sie gehören zu diesen Menschen. Sie haben mit dem ehemaligen Abba-Star Frida die Institution «Kinder in Not» gegründet.
Wir sammeln stets Geld für Kinder in Not. Es bricht mir fast das Herz, wenn Kinder mehrere Jahre in Spitälern liegen müssen und vor einer ungewissen Zukunft stehen. Es gilt zu sagen, dass sich viele Promis für solche Institutionen einsetzen.

Erzählen Sie.
Es wird oft vergessen, dass zahlreiche Stars ein ganz grosses Herz haben. Sie spenden grosszügige Summen für Menschen in Not. Das ist nicht selbstverständlich.

Wen möchten Sie gerne einmal in Ihr Restaurant einladen?
Den Papst würde ich wirklich gerne einmal bei mir begrüssen. Ich finde, er ist eine höchst interessante Persönlichkeit. Zudem würde es mir viel Freude bereiten, einmal für ihn zu kochen

Simon Kalbermatten

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Infos

Zur Peron

Vorname Urs
Name Biner
Geburtsdatum 22. Juli 1961
Beruf Gastronom und Künstler

Nachgehakt

Ich bereue es, dass ich nicht Schauspieler geworden bin. Nein
Bei mir gibt es das beste Lammfleisch. Joker
Die Restaurants bieten heute grundsätzlich zu wenig Unterhaltung. Nein
Der Joker darf nur einmal gezogen werden.  

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