Region | Brig-Glis

Weihnachten in Jugendeinrichtung

Regelmässiger Austausch. Raphael Jossen und Stefanie Imseng leiten die Institution Kinder- und Jugendeinrichtung «Mattini».
1/1

Regelmässiger Austausch. Raphael Jossen und Stefanie Imseng leiten die Institution Kinder- und Jugendeinrichtung «Mattini».
Foto: RZ

Quelle: RZ 0

Die Jugendwohngruppe Anderledy wurde durch die Kinder- und Jugendeinrichtung «Mattini» ersetzt. Die beiden Heimleiter sprechen über erste Erfahrungen.

Stefanie Imseng und Raphael Jossen leiten zusammen die Kinder- und Jugendeinrichtung «Mattini» in Brig. Ein Gespräch über ihre ersten Erfahrungen im neuen Heim, Herausforderungen im Alltag, persönliche Grenzerfahrungen im Berufsleben und zu «schwierigen Familienverhältnissen» an Heiligabend.

Stefanie Imseng und Raphael Jossen, übermorgen Samstag ist «Heiligabend». Freuen Sie sich darauf?
Stefanie: Ja, darauf freue ich mich.

Raphael: Grundsätzlich freue ich mich.

Wieso grundsätzlich? Haben Sie bezüglich der Kinder- und Jugendeinrichtung «Mattini» ein komisches Gefühl?
Raphael: Gerade in der Weihnachtszeit erinnere ich mich daran, dass es nicht selbstverständlich ist, dass alle Kinder und Jugendlichen unserer Wohneinrichtung in einer Familie Weihnachten verbringen können. Wir dürfen nicht vergessen, dass kein Kind den Wunsch hat, in einer Institution zu leben. Das wird mir in dieser Zeit bewusster als während anderen Tagen.

Weihnachten ist das Fest der Familie. Das Fest der Liebe. Dennoch kommt es oft auch zu Disharmonien. Hat das Auswirkungen auf die Einrichtung?
Stefanie: Ja. Unsere gesamte Arbeitsplanung ist darauf ausgerichtet, dass wir im Fall von Anspannungen in der Familie Hand bieten können. Wenn sich Kinder und Eltern an Weihnachten in einer angespannten Erwartung begegnen und der Abend nicht wunschgemäss abläuft, kann es vorkommen, dass unser Pikettdienst zur Unterstützung kontaktiert wird. In seltenen Fällen kann es sein, dass ein Kind dann Heiligabend in der Institution mit einem Sozialpädagogen verbringt.

Häufen sich Anfragen für die Institution «Mattini» während der Weihnachtszeit?
Stefanie: Die Anfragen häufen sich nach Beginn der Schulzeit, das heisst vor allem ab Herbst. Grundsätzlich ist es so, dass die Platzierungsanfragen gegen Ende Jahr zunehmen.

Sie beide leiten zusammen die Kinder- und Jugendeinrichtung «Mattini». Wo liegen die grössten Herausforderungen?
Stefanie: Die Kinder in unserer Einrichtung stammen aus unterschiedlichen Familienstrukturen und haben ihrerseits verschiedene Werte kennengelernt. Da sie nicht freiwillig zusammenleben und differenzierte Ansprüche haben, besteht unsere grösste Herausforderung darin, die Bedürfnisse des Einzelnen möglichst zu berücksichtigen und trotzdem die Werte und Normen der Gesellschaft sowie der Institution einzubeziehen.

Die Bedürfnisse dürften sehr unterschiedlich sein, leben doch Kinder und Jugendliche in den «Mattini».
Stefanie: Das ist richtig. Zum Beispiel wünscht sich ein Kind manchmal, dass man ihm vor dem Einschlafen noch eine Geschichte erzählt. Ein Jugendlicher hat diesen Wunsch eher nicht. Die Aufgabe für die Sozialpädagogen besteht dann darin, den Abend so zu gestalten, dass auf diese Bedürfnisse möglichst Rücksicht genommen wird. Oder wenn es um die Auswahl der Fernsehprogramme geht, kann zwischen den Kindern eine Konfliktsituation entstehen. Diese Herausforderungen kennen auch Eltern mit ihren eigenen Kindern.

Am 17. Oktober dieses Jahres wurde der Betrieb aufgenommen. Wie fällt eine erste Bilanz aus?
Stefanie: Die Bilanz fällt positiv aus. Der Umzug war für unser Team eine sehr anspruchsvolle Zeit. Innerhalb von 48 Stunden haben wir es mithilfe des Zivilschutzes geschafft zu zügeln und den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Nun befinden wir uns in der Orientierungs- und Einlebephase.

Raphael: Wir stellen fest, dass sich die Kinder- und Jugendlichen wohlfühlen in der neuen Einrichtung. Das wirkt sich positiv auf die Grundstimmung aus.

Ab Sommer 2017 werden in der neuen Einrichtung 18 sozialpädagogisch betreute Wohnplätze angeboten. Werden direkt alle belegt sein?
Raphael: Ab dem Sommer werden alle Wohnplätze betriebsbereit sein, ob sie dann auch belegt sind, wissen wir heute noch nicht. Zurzeit betreiben wir eine Wohngruppe mit zwölf Kindern und Jugendlichen. Ab dem Sommer werden es je zwei Wohngruppen à maximal acht Kinder- und Jugendliche sein inklusive zwei externe Plätze.

Auch aufgrund der erwähnten zwei Gruppen werden die Stellenprozente von derzeit 660 Prozent auf 1250 Prozent ausgebaut. Wer profitiert davon?
Raphael: In erster Linie sind das die Kinder und Jugendlichen. Dies deshalb, weil wir neu zwei Gruppen mit maximal acht Personen bilden können. Dies hat zur Folge, dass ein kleinerer sozialer Rahmen stattfindet und wir dadurch besser mit jedem Einzelnen arbeiten können.

Stefanie Imseng, wo stossen Sie beruflich an Ihre Grenzen?
Stefanie: (überlegt lange) Wenn ich sehe, was die Kinder und deren Familien bereits alles erlebt haben, oder wenn ein Kind nicht Kind sein kann und darf, dann stosse ich emotional an Grenzen.

Was bringt Sie beruflich an Ihr persönliches Limit, Raphael Jossen?
Raphael: Ans Limit stosse ich, wenn ich feststelle, dass unsere Strukturen nicht ausreichen, um dem Leben der Kinder eine Stabilität zu geben.

Simon Kalbermatten

Artikel

Kommentare

Noch kein Kommentar

Kommentar

schreiben

Loggen Sie sich ein, um Kommentare schreiben zu können.

zum Login

Sitemap

Impressum

MENGIS GRUPPE

Pomonastrasse 12
3930 Visp
Tel. +41 (0)27 948 30 30
Fax. +41 (0)27 948 30 31