Frontal | Katja Ritz Hischier

«Ich bin stolz, dass die Kinder ihren Traum leben können»

Katja Ritz Hischier: «Ich bin ein ruhiger und besonnener Mensch.»
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Katja Ritz Hischier: «Ich bin ein ruhiger und besonnener Mensch.»
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Katja Ritz Hischier: «Bewegung ist für mich ein grosses Thema.»
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Katja Ritz Hischier: «Bewegung ist für mich ein grosses Thema.»
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Sie ist eine der berühmtesten Sportler-Mamas der Schweiz. Katja Ritz Hischier (50), die Mutter von ­Hockey-Star Nico Hischier, spricht über ihre Familie, den Muttertag und ihre persönlichen Wünsche.

Katja Ritz Hischier, am Sonntag ist Muttertag. Ein besonderer Tag für Sie?
Nein, nicht wirklich. Der Muttertag ist für mich ein normaler Tag. Mama ist man das ganze Jahr über. Ich habe lieber, wenn ich zwischendurch mal eine Anerkennung, in welcher Form auch immer, bekomme. Als sportliche Familie erkennt man schnell, dass der Wettkampfsport keine Rücksicht auf irgendwelche Ereignisse nimmt.

Als Mutter wird man oft von den Kindern ­beschenkt. Was ist Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben?
Ich habe viele Sachen bekommen, die mich berührt haben. Ich denke an Briefchen oder Verse, die mir die Kinder geschrieben oder aufgesagt haben. Oder auch ein Frühstück, das von den Kindern extra für mich hergerichtet wurde. Alles schöne Erinnerungen, die mir bis heute geblieben sind.

Apropos Geschenk: Wie kann man Ihnen eine Freude bereiten?
Wenn man zusammen mit mir Zeit verbringt. Das kann bei einem Mittagessen sein, bei einem Schwatz bei mir zu Hause oder bei einem Kaffee in einem Restaurant.

Beschenken Sie Ihre Mutter am Muttertag?
Geplant ist noch nichts. Aber auch hier gilt: Man kann sich das ganze Jahr über beschenken oder einen kleinen Ausflug machen.

Was bedeutet Ihnen Muttersein?
Da sein, wenn man gebraucht wird.

Waren Sie eine strenge Mutter?
Da müsste man die Kinder fragen (lacht). Aber ich glaube, ich war nicht ausserordentlich streng, sicher war ich nicht konsequent. Ich habe immer nach einer Lösung gesucht, die für alle gestimmt hat.

Wurden Sie auch mal laut?
Wenig. Ich bin eher ruhig und besonnen und habe immer versucht, Verständnis zu zeigen. Natürlich gab es Situationen, wo ich mich kurz aufgeregt habe. Aber das hat sich schnell gelegt.

Ihre zwei Söhne Luca und Nico spielen Eis­hockey, während Ihre Tochter Nina an der Uni in Bern studiert. Wo liegen Ihre Präferenzen?
Bewegung ist für mich ein grosses Thema, aber nicht unbedingt auf den Leistungssport bezogen. Ich bin gerne in der Natur unterwegs, bin aber auch der Genussmensch. Ich koche und backe sehr gerne, lese auch mal ein Buch und bin gerne mit der Familie zusammen.

Ihre Kinder sind sehr sportbegeistert. Haben Sie das Talent von Ihnen?
Sowohl mein Mann wie auch ich haben mit den Kindern viel unternommen und versucht, ihnen die Freude an Bewegung weiterzugeben. Das hat sie geprägt und sie sind damit aufgewachsen. Unsere Tochter Nina brachte zudem auch das künstlerische Element in unsere Familie. Sie hat gerne gemalt, getanzt oder schlüpfte in verschiedene Rollen und hat ihre Brüder animiert, miteinander zu basteln und zu spielen. Das war eine gute Ergänzung zum Sport.

Mit dem Nummer-1-Draft von Nico wurde Ihr Leben schlagartig auf den Kopf gestellt. Wie sind Sie als Familie damit umgegangen?
Es war gewöhnungsbedürftig. Vor dem Draft bekamen wir viele Medienanfragen, das kam wie eine grosse Welle auf uns zu. Da wurden wir ­regelrecht überrumpelt und mussten in diese Rollen hineinwachsen. Zudem ist es immer eine Gratwanderung, wie viel man vom Privatleben preisgeben will und woran man die Öffentlichkeit teilnehmen lässt. Das ist nicht immer ganz einfach.

Wie gerne empfangen Sie Medienleute ­morgens um halb acht Uhr?
Man arrangiert sich (grinst). Im Ernst, wenn ich nicht bereit gewesen wäre, das Interview zu geben, hätte ich selbstverständlich nicht zugesagt. Meine Offenheit ist auch eine Wertschätzung und ein Dankeschön an alle, die sich für uns interessieren und sich mit uns zusammen freuen.

Wie gehen Sie damit um, wenn man Ihnen ­unangenehme oder private Fragen stellt?
Schwierig zu sagen. Ich versuche auch mein Gegenüber zu verstehen und wenn möglich Auskunft zu geben. Es ist ja einerseits schmeichelhaft, wenn sich die Medien durch den sportlichen Erfolg unserer Kinder für uns interessieren. Andererseits bin ich nicht gerne im Mittelpunkt. Ich ziehe mich manchmal bewusst aus der Öffentlichkeit zurück und schaffe mir meine eigenen, ruhigen Inseln.

Wie gehen Sie mit Medienkritik an Ihren ­Söhnen um?
Seit dem Draft konsumiere ich generell weniger Medien. Viel Kritisches wurde bisher ja glücklicherweise noch nicht berichtet, es ist ja eher das Gegenteil der Fall. Aber ich versuche, das Geschriebene oder Gesagte nicht zu werten und objektiv zu sehen. Ich habe sogar einige Hefte vor dem Draft beiseitegelegt, aber nicht wegen den Schlagzeilen, sondern wegen den Bildern.

Ich nehme an, Sie haben schon etliche Hockeyspiele Ihrer Söhne mitverfolgt. Leiden Sie als Mutter auch mit, wenn Ihre Söhne auf dem Eisfeld hart angegangen werden?
Natürlich. Eishockey ist ein sehr körperbetonter Sport und bei jedem Check ist man als Eltern nicht wirklich erfreut. Als Nico in einem seiner ersten Spiele in der National Hockey League hart und unfair angegangen wurde, war ich sogar live im Stadion. Ich hoffte, dass es nicht weiter schlimm ist. Als Luca noch beim SCB spielte und sich in der Playoff-Halbfinal-Serie das Schlüsselbein gebrochen hat, habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmte, weil er nicht mehr aufs Eis zurückgekehrt ist. Da war ich in grosser Sorge.

Sie pflegen nicht nur das Familienimage, ­sondern leben es auch. So haben Sie unter ­anderem elf Familienregeln aufgestellt, die im Wohnzimmer hängen. Welche ist für Sie die wichtigste?
Sind es tatsächlich elf? Ich finde alle Regeln sehr gut und wertvoll, auch wenn die Umsetzung nicht immer einfach ist. Wenn ich eine aus­wählen müsste, würde ich sagen, habe Respekt dir selber und anderen gegenüber. Das habe ich von meinem Elternhaus mitbekommen und will dies meinen Kindern mitgeben.

Was macht Sie als Mutter besonders stolz?
Dass alle drei Kinder mit beiden Beinen im ­Leben stehen und ihren Traum leben können.

Welche Schlagzeile möchten Sie gerne einmal lesen?
National-Hockey-League-Meisterfeier in Naters. (lacht)

Wir haben viel über Ihre Kinder gesprochen. Wer ist eigentlich Katja Ritz Hischier?
Das ist eine gute Frage. Wenn ich das selber wüsste (lacht). Ich glaube der Mensch ist immer auf der Suche nach dem wahren Ich. Ich will in erster Linie zufrieden sein, alles ausprobieren, was mir Spass macht, und ich bin jemand, der aus der Natur viel Kraft schöpfen kann. Das mag kitschig tönen, aber wenn ich in der Sonne sitze und ein Glas Wasser trinke, gibt mir das allein ein Gefühl der inneren Zufriedenheit.

Beschreiben Sie sich in drei Worten?
Ausgeglichen, flexibel und tolerant.

Sie sind Sportlehrerin am Kollegium Spiritus ­Sanctus. Was macht Ihnen dabei besonders Spass?
Ich bin sehr gerne mit jungen Leuten zusammen und finde es spannend, mit ihnen zu diskutieren und sie zu motivieren, sich zu bewegen und ­Neues zu lernen. Ich bewundere auch das ­Engagement der jungen Leute und habe das ­Gefühl, dass sie kritischer und direkter sind als die frühere Generation. Darum finde ich es schön, mit ihnen die Zeit zu verbringen. Und man bleibt in Gedanken jung, wen man sich mit Jugendlichen auseinandersetzt.

Haben Sie sich mit dem Erfolg Ihrer Söhne verändert?
Ich glaube nicht. Aber das können andere besser beurteilen als ich. Wenn ich auf der Strasse auf meine Kinder angesprochen werde, ist mir das eher unangenehm, weil es für mich selbstverständlich ist, was sie machen. Sie haben das Glück, ihren Traum leben zu dürfen, und ich freue mich für sie. Auch wenn die Medien die Leistung von Nico in den Himmel loben, bleibe ich schön mit beiden Füssen auf dem Boden.

Sie wirken auf mich harmonisch und aus­geglichen…
… ich liebe Harmonie.

Trotzdem – gibt es etwas, dass Sie auf den Tod nicht ausstehen können?
Wenn mich jemand anlügt, bringt mich das auf die Palme. Eher nervig finde ich es, wenn man jemanden aufgrund seines Benehmens oder seines Äusseren wertet. Ich bin der Meinung, man muss alle Menschen nehmen, wie
sie sind.

Sie haben einen Wunsch frei…
Es mag banal klingen, aber mein grösster Wunsch ist Gesundheit. Wenn man gesund ist, hat man die Möglichkeit, neugierig und offen zu bleiben. Eine «gesunde» Welt in allen Bereichen hilft uns, zufrieden zusammenzuleben.

Walter Bellwald

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Infos

Vorname Katja
Name Ritz Hischier
Geburtsdatum 2. August 1968
Familie verheiratet, drei Kinder
Beruf Sportlehrerin
Hobbies Bewegung, Lesen, Backen
Davos gefällt mir besser als New York. Ja
Ein Strauss Blumen sagt mehr als tausend Worte. Ja
Nico gewinnt an der Hockey-WM seine erste WM-Medaille. Joker
Der Joker darf nur einmal gezogen werden.  

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