Riederalp | Ehrung am Walliser Bergführerfest

Art Furrer: Seit 60 Jahren als Bergführer unterwegs

Nachdenklicher Art Furrer: «Ohne Schutzengel hätte ich die vielen Touren kaum überlebt», sagt er. «Egal wie stark man auf die Sicherheit achtet, es braucht auch immer Glück.» 
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Nachdenklicher Art Furrer: «Ohne Schutzengel hätte ich die vielen Touren kaum überlebt», sagt er. «Egal wie stark man auf die Sicherheit achtet, es braucht auch immer Glück.» 
Foto: RZ

Was heute Bewertungen im Internet sind, war früher das Bergführerbüchlein. «Die Gäste schrieben ihre Erfahrungen und Bewertungen hinein, was als Referenz für zukünftige Kunden diente», sagt Furrer.
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Was heute Bewertungen im Internet sind, war früher das Bergführerbüchlein. «Die Gäste schrieben ihre Erfahrungen und Bewertungen hinein, was als Referenz für zukünftige Kunden diente», sagt Furrer.
Foto: Aletscharena

Obwohl er unzählige Bergbesteigungen geleitet hat – das Skifahren und die Arbeit als Skilehrer blieben immer die grösste Leidenschaft von Art Furrer. «Ich war halt immer ein vielseitig aufgestellter Mensch.»
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Obwohl er unzählige Bergbesteigungen geleitet hat – das Skifahren und die Arbeit als Skilehrer blieben immer die grösste Leidenschaft von Art Furrer. «Ich war halt immer ein vielseitig aufgestellter Mensch.»
Foto: Art Furrer

Startschuss für eine 60-jährige Karriere am Berg. Im Mai 1959 erhielt der damals 22-jährige Art Furrer sein Diplom als Bergführer. «Ein Traum wurde wahr», erinnert er sich.
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Startschuss für eine 60-jährige Karriere am Berg. Im Mai 1959 erhielt der damals 22-jährige Art Furrer sein Diplom als Bergführer. «Ein Traum wurde wahr», erinnert er sich.
Foto: Aletscharena

Auch heute begleitet Art Furrer noch Gäste und Freunde auf die Berge. «Allerdings für einen Gotteslohn», sagt er. «So kann ich schneller abbrechen, wenn ich das Gefühl habe, dass es kritisch wird.»
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Auch heute begleitet Art Furrer noch Gäste und Freunde auf die Berge. «Allerdings für einen Gotteslohn», sagt er. «So kann ich schneller abbrechen, wenn ich das Gefühl habe, dass es kritisch wird.»
Foto: Aletscharena

Quelle: RZ 0

Vor 60 Jahren erhielt Art Furrer sein Diplom als Bergführer. Seitdem hat er Tausende Kunden und Freunde auf die Gipfel der Berge geführt. Ein anekdotischer Streifzug.

Art Furrers Karriere als Bergführer startet gleich mit einem Knall. Kurz nachdem er im Mai 1959 sein Bergführerdiplom erhalten hatte, klopfte mit Max Eiselin einer der Shootingstars der damaligen Bergsportszene an Furrers Tür. «Eiselin plante eine Expedition auf den Elbrus (5642 m ü. M.), den höchsten Berg Russlands», erinnert sich Furrer. «Dazu brauchte er einen diplomierten Bergführer und dieser sollte ich sein, da kein anderer Berufskollege in die Sowjetunion reisen wollte.» Wenig später sass Furrer mit seinen Bergsteigerkollegen im Zug nach Kiew, um von dort aus ins Baksan-Tal und weiter zum Elbrus zu reisen. «Die Reise führte uns hinter den eisernen Vorhang, da gab es natürlich ein paar Hürden zu überwinden», sagt Furrer und lacht. «So wollte ein Offizier in Prag unbedingt meine Uhr kaufen. Weil der Preis stimmte, verkaufte ich sie ihm. Allerdings merkte ich dann, dass ich das tschechische Geld wohl nur dort würde ausgeben können.» Furrer entschied sich also dazu, jedem Passanten am Bahnhof ein Bier auszugeben, um das Geld loszuwerden. «Natürlich trank auch ich den einen oder anderen Becher mit der Folge, dass man mich beim Überqueren der russischen Grenze immer noch nicht verstehen konnte», sagt er und lacht.

Im Knast von Kiew

Einige Tage später stand Furrer dann als Einziger seiner Expedition auf dem Elbrus. «Meine Kollegen mussten einer nach dem anderen aufgeben. Allerdings hatte auch ich die Rechnung ohne die Höhe des Elbrus gemacht und auf dem Gipfel musste ich mich erst einmal übergeben. Ich habe mich so geschämt, denn schliesslich war ich frischgebackener Bergführer und hielt mich eigentlich für fit», erzählt er. «Wenigstens reichte es noch für ein Beweisfoto mit der Leninstatue auf dem Gipfel.» Als die Gruppe dann die Rückreise antrat, kam es in Kiew zu einem Zwischenfall. «Eines Nachts kletterten wir aus unserem Hotelfenster, um ein bisschen in den Ausgang zu gehen», erzählt Art Furrer. «Weil wir uns mit der Aktion aber unseres Aufpassers entledigt hatten, wurden wir verhaftet.» Sechs Tage verbrachte die Gruppe im Gefängnis und konnte erst auf Intervention des Schweizer Konsuls in Moskau hin das Land verlassen. «Wenn ich heute darüber nachdenke, kann ich es kaum noch glauben», sagt Furrer und lacht.

Ogis «Furzverbot»

Eine andere Geschichte, an die sich Furrer mit einem Schmunzeln erinnert, ist jene der Besteigung des Doms zusammen mit seiner Frau Gerlinde und dem damaligen Bundespräsidenten Adolf Ogi. «Beim Bergsteigen habe ich mich immer wohlgefühlt, wenn ich bei Bedarf ein Lüftchen entweichen lassen konnte», erklärt der langjährige Bergführer. «Auf dem Berg gibt es schliesslich genug Frischluft.» Beim Aufstieg zum Dom über den Festigrat erteilte der Bundespräsident seinem Freund Furrer jedoch ein «Furzverbot». «Nicht etwa wegen der Geruchsbelästigung, sondern weil er stinksauer war», so Furrer. «Wir hatten den Vorgipfel des Doms erreicht und Ogi glaubte es geschafft zu haben. Als er aber merkte, dass noch eine Stunde Aufstieg vor uns lag, gefiel ihm das gar nicht, und um mich zu bestrafen, sprach er eben das Verbot aus. Eine Geschichte, die ich nie vergessen werde.»

Ehrung am Bergführerfest

Wie viele Menschen er in seiner Karriere auf die Berge geführt hat, kann Art Furrer indes nicht mehr sagen, es dürften jedoch Tausende gewesen sein. Allein etwa 1000 Leute begleitete er zusammengezählt auf die Gipfel von Allalinhorn und Weissmies. Anlässlich des Walliser Bergführerfests am 25. Mai in Naters wird Art Furrer neben anderen Bergführern nun für seine Verdienste geehrt.

Martin Meul

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