Kolumne | Diese Woche zum Thema:

Der Hehler ist schlimmer als der Stehler

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
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Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
Foto: Walliser Bote

Quelle: RZ 0

Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und Schriftsteller Oskar Freysinger im Wortgefecht.

Peter Bodenmann, ehemaliger SP-Schweiz-Präsident und Hotelier

SVP-Wahlbetrug: Der Hehler ist schlimmer als der Stehler

Der SVP-Wahlfälscher posierte mit Franz Ruppen und Oskar Freysinger in der Lokalpresse. Leider hat Eduard Brogli die Polizei zu spät eingeschaltet. Leider hat der zuständige Staatsanwalt Rinaldo Arnold keinen Zeugenaufruf erlassen. Er tanzt lieber auf Fifa-Fiestas. Trotzdem gibt es eine Lösung: Die SVP verzichtet auf den gestohlenen Sitz. Die SVP-Wahlmänner bezeichnen jenen Christlichsozialen als Grossrat, den sich die Gelben wünschen. Die SVP weigert sich seit 30 Monaten, den gestohlenen Sitz zurückzugeben.

Szenenwechsel I: Vor 30 Monaten wollte die SVP mit der Brigerin ­Sigried Fischer-Willa einen zweiten Sitz im Staatsrat erobern. Jetzt tritt sie als Gemeinderätin zurück. Der Nachrutscher-Gemeinderat Michael Graber müsste subito zwei Probleme lösen: widerrechtliche Auszonungen und widerrechtliche Strompreiserhöhungen.

Ich habe Eduard Brogli, Louis ­Ursprung und Patrick Hildbrand vor zwei Jahren schriftlich darauf aufmerksam gemacht, dass sie in Sachen Zweitwohnungen falsche Zahlen nach Bern liefern. Es gäbe in Brig nicht 800 Zweitwohnungen, sondern bestenfalls 100. Hildbrand gab den Fehler zu, ortet aber die Verantwortung bei der Einwohnerkontrolle. Korrigiert haben unsere drei Kronleuchter rein nichts. Wer allein diesen Fehler korrigiert, muss nicht auszonen. Die Briger Gemeinderätinnen und Gemeinderäte haben über die ­widerrechtlichen Auszonungen nicht eine müde Minute lang diskutiert. Patrick Hildbrand weigert sich im Nachgang, die Einsprecher auch nur zu treffen. Typisch SVP-Arroganz. In Gamsen kocht der Volkszorn.

Szenenwechsel II: SVP-Mann Franz Ruppen und SVP-Beifang Louis Ursprung kontrollieren als Verwaltungsräte mit ihren Aktienpaketen die EnBAG. Die EnBAG schwimmt im Geld. Sie müsste die Tarife senken. Stattdessen macht der Verwaltungsrat eine Kalberei nach der anderen: Den Bau des Glasfasernetzes überlässt er in Brig der Swisscom. Anstatt selbst die wenigen grossen Stromkonsumenten zu betreuen, darf Direktor Burgener einen Account-Manager anstellen. Neu werden viel zu teure digitale Stromzähler in­stalliert, anstatt abzuwarten, bis die Dinger billiger und besser werden. Und jetzt wollen Direktion und Verwaltungsrat die Strompreise um 6 Prozent erhöhen.

Strompreiserhöhungen bedürfen der Zustimmung der beiden Gemeinderäte von Brig-Glis und ­Naters. Bisher wurde das Thema nicht einmal traktandiert, obwohl die Elcom die Erhöhung bereits publiziert hat. Unsere Kronleuchter sind Wiederholungstäter. Warum informiert der «Walliser Bote» nicht? Sind Inserenten wichtiger als Leser?


Oskar Freysinger, ehemaliger SVP-Staatsrat und Schriftsteller

Bodenmanns Hickhack

Die SP hatte vor ein paar Jahren ihren Fall Lumengo, der Wahlzettel für Bestellzettel hielt. Im rechten Lager würde es nun aber niemandem einfallen, die gesamte SP für die Verirrungen dieses dubiosen Stimmenfängers verantwortlich zu machen und den SP-Präsidenten Levrat als Hehler zu bezeichnen. Im Oberwallis jedoch, wo der abgehalfterte Bodenmann nach Rache sinnt, weil er die blutige Nase, die er sich im WNF-Dossier geholt hat, noch nicht verdaut hat, wird Franz Ruppen durch seinen «besten Wahlhelfer» (dixit David Biner im WB) für den Wahlbetrug eines psychisch angeschlagenen frü­heren Mitglieds der SVPO ver­antwortlich gemacht. Auf dem ­Plateau von Kanal9 plapperte Grossrätin Schmidhalter-Näfen neulich die Bodenmann’sche Vorgabe nach, ohne die typische Satz-ver-bildung ihres Mentors zu übertünchen: Fakt 1,2,3 und so fort…

Dass die SVPO der CSPO vor Jahr und Tag die Hand bot und den möglicherweise unrechtmässig erworbenen Sitz zurückgeben wollte, wird verschwiegen. Dass die CSPO diese Rückgabe als Kuhhandel bezeichnete und ablehnte, auch. Verschwiegen wird zudem, dass die SVPO 2017 den CSPO-Antrag auf Nichtvalidierung des Wahlresultats unterstützte, während die Gelben sich zu ihrem eigenen Antrag enthielten, da sie fürchteten, dem abgewählten Verfasser dieser Kolumne dadurch möglicherweise eine zweite Chance zu geben. Dann liess die CSPO auch noch die Beschwerdefrist verstreichen und schliesslich kam ein vom Büro des Grossen Rates im Februar 2019 in Auftrag gegebenes, unabhängiges Rechtsgutachten (Müller/Friedrich) zum Schluss, dass keine der möglichen Korrekturmassnahmen in der Lage sei, den Schaden zu beheben und den Wählerwillen korrekt widerzuspiegeln. Also beschloss der Grosse Rat widerwillig, das leidige Kapitel nach zweieinhalb Jahren definitiv zu beerdigen.

Nun kommt Totengräber Bodenmann, buddelt die Angelegenheit sabbernd aus dem Erdreich der hoffnungslosen Fälle und bewirft seinen beliebtesten Sündenbock Ruppen mit den halb verwesten Gliedteilen des freigelegten Kadavers. Weint er dem Umstand eine Träne nach, dass der von ihm «heiss geliebten» CSPO möglicherweise ein Sitz verlustig ging? Trauert er um die Demokratie und die Institutionen? Woher denn! Ihm geht es nur darum, einen viel- versprechenden und für die SP gefährlichen Konkurrenten um jeden Preis fertigzumachen. Dazu ist sich Bodenmann wieder einmal nicht zu schade, mit ungerechtfertigten Vorwürfen, Unterstellungen und Verleumdungen um sich zu werfen. Ihm Wahlkampf ist ihm jedes Mittel heilig. Sonst auch.

Walter Bellwald

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