Kolumne | Diese Woche zum Thema:

Droht uns eine Deflation?

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
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Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
Foto: Walliser Bote

Quelle: RZ 0

Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und Schriftsteller Oskar Freysinger im Wortgefecht.

Peter Bodenmann, ehemaliger SP-Schweiz-Präsident und Hotelier

Droht uns nächstens eine Deflation?

Der neue Chefökonom der Walliser Kantonalbank ist realistisch. Der Tourismus wird diesen Winter unter dem zu starken Franken leiden. Lonza ist für das Oberwallis ein Klumpenrisiko. Trotzdem: besser ein Klumpenrisiko als tote Hose. International stehen die Zeichen auf Sturm. Einige Analysten gehen noch weiter: Für sie droht Ländern wir der Schweiz Deflation. Deflation bedeutet sinkende Preise und schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt. Diese Pest setzt sich, wenn sie einmal ausbricht, hartnäckig fest. Weil die Spirale nach unten dreht. Auf vielen Gebieten ist Walliser Politik machtlos. So wird Lonza nächstens filetiert. Der harte Brexit kommt. Und Trump wird früher oder später auch die Schweiz in den Schwitzkasten nehmen. Die Schweiz und das Wallis können Gegensteuer geben.

Neuer Mindestkurs: Die Nationalbank muss einen neuen Mindestkurs von 1.15 festlegen. Damit die Währungsspekulanten aufhören, gegen den Franken zu wetten. Damit Exportindustrie und Tourismus frische Luft bekommen.

Ökologischer Umbau: Die Schweiz kann – auch ohne Kompensationen im Ausland – bis 2030 klimaneutral werden. Die Nationalbank muss bescheidene 100 ihrer 800 Milliarden in diesen schnellen Umbau stecken. Vorab auch in alpine bifaziale Solaranlagen, die Arbeit in den Alpen schaffen. Noch können Roberto Schmidt und Jean-Michel Cina dieses Wort nicht buchstabieren.

Staatsfonds: Neu ist aufgrund einer Umfrage von «cash» die Mehrheit der Schweiz für einen Staatsfonds, der die AHV saniert und ­verhindert, dass Haushalte mehr als 10 Prozent ihres Nettoeinkommens für Krankenkassenprämien verwenden ­müssen.

«Ohne Rahmenabkommen mit der EU ist Wasserkraft weniger wert»

Energie: Ohne Rahmenabkommen mit der EU verliert der Strom aus Wasserkraft an Wert. Wenn der Walliser Strom weniger wert ist, kommen kurzfristig die Wasserzinse wieder unter Druck. Und mittelfristig ist der Heimfall, den wir voll geltend machen sollten, weniger wert.

Lonza-Deponie: Die Sanierung der Lonza-Deponie wird plus/minus eine Milliarde Franken kosten. Der freigestellte Chefbeamte Rossier wollte dieses Dossier endlich voranbringen. Vergeblich. Wenn Lonza filetiert wird, müssen alle neuen Gesellschaften solidarisch für diese notwendige Sanierung haften. Sonst wird Brig-Glis verlumpen.

Die SVP ist gegen einen neuen Mindestkurs. Die SVP bekämpft den ökologischen Umbau genauso wie einen sinnvollen Staatsfonds. Die SVP ist gegen ein Rahmenabkommen, das die Wasserkraft aufwertet, und verschlampt in Brig das Dossier Lonza-Deponie.


Oskar Freysinger, ehemaliger SVP-Staatsrat und Schriftsteller

«Die Finanzmärkte tanzen auf einem Vulkan»

Der Begriff Deflation bezeichnet den stetigen Rückgang des aktuellen Preisniveaus in einer Volkswirtschaft. Vieles wird billiger. Dies ist für den Normalverbraucher von Vorteil, nicht aber für die Unternehmen – die mit sinkenden Margen zu kämpfen haben – und für die Staaten, die nicht mehr auf die Inflation zählen können, um ihre Verschuldung auszubügeln. Was heute droht, ist keine Geldmengendeflation, weil die Zentralbanken seit zehn Jahren zur Stabilisierung des weltweiten Schuldenturms massiv Geld in Umlauf setzen (mitunter der Grund für das SNB-Klumpenrisiko durch massiven Euro-Ankauf). Was hingegen droht, ist eine Preis­deflation, falls die Verbraucher, teils weil sie verunsichert sind, teils weil sie auf eine weitere Senkung der Preise hoffen, vermehrt mit Investitionen abwarten. Der aktuelle Anstieg des Goldpreises und die hohe Liquiditätsquote, die es erlaubt, Cash in kurz laufenden Anleihen sicherer Schuldner unterzubringen, können als Vorboten einer möglichen Deflation gedeutet werden. Die nachlassende Nachfrage, anhaltende Überkapazitäten (z. B. Immobilienblase) sowie die untragbare Schuldenlast der Privathaushalte und der öffentlichen Hand vergrössern zurzeit den weltweiten Deflationsdruck.

Nun stecken die Geldinstitute in einer Zwickmühle: Heben sie die Zinsen an, um zu einer gesunden Inflation zurückzufinden, laufen sie Gefahr, angesichts der allgemeinen massiven Verschuldung eine Konkurswelle sondergleichen und eine weltweite Wirtschaftskrise auszulösen. Aus Angst davor treffen sie weiterhin aussergewöhnliche geldpolitische Massnahmen und schrauben die Zinsschraube weiter nach unten. Der verbleibende Handlungsspielraum ist jedoch bei den historisch tiefen Zinsen so gering, dass sie damit die Agonie der Finanzmärkte nur hi­nauszögern, nicht aber verhindern können. Schlimmer noch: Je länger die jetzige Abwärtsspirale dauert, desto grösser wird das Risiko einer Deflation, die ihrerseits das Geld verteuert und die Schuldenlast dadurch noch drückender macht. Dies bedeutet, dass die unvermeidbare Krise, je länger sie in der Hoffnung auf eine Erholung der Weltwirtschaft hinausgezögert wird, umso brutaler ausfallen wird. Eigentlich tanzen die Finanzmärkte, trotz aller ver­balen Beruhigungspillen, auf einem Vulkan. Ein Funke genügt, um eine durch einen plötzlichen Vertrauensverlust bewirkte Massenstampede auszulösen, die zu einem Super-GAU führen würde. Wer schuldenfreien Grund und gesunde Immo­bilien besitzt, sollte zum jetzigen Zeitpunkt auf keinen Fall verkaufen.

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