Zermatt/Bern | «Girls on Ice»

Frauen erforschen den Findelngletscher

«Girls on Ice»: Auch letztes Jahr wurde die Schneedichte auf dem Gletscher vermessen.
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«Girls on Ice»: Auch letztes Jahr wurde die Schneedichte auf dem Gletscher vermessen.
Foto: zvg

Quelle: RZ 0

Am Findelngletscher, hoch über Zermatt, erforschen die nächsten zwei Wochen neun Mädchen im Alter von 15 und 17 Jahren die alpine Bergwelt. Männer sind dabei ausdrücklich nicht erwünscht.

Die Idee, Mädchen und junge Frauen die Gletscherwelt erforschen zu lassen, stammt ursprünglich aus den USA. In die Schweiz geholt wurde die Idee von der Glaziologin Marijke
Habermann, die einen Teil ihrer Kindheit in Visp verbrachte, später aber zehn Jahre in Alaska gelebt hat. Seit ihrer Rückkehr in die Schweiz organisiert sie als Präsidentin des Vereins «Girls on Ice» Expeditionen in die hochalpine Bergwelt um Zermatt.

Am Findelngletscher

«Unser Ziel ist es, den Teilnehmerinnen zu zeigen, dass man auch als Frau eine Karriere als Wissenschaftlerin oder Bergführerin machen kann», meint Habermann. Da sie aber nicht mehr in der Wissenschaft tätig ist, führt sie selbst keine Expeditionen mehr an. Es ist stattdessen die Bernerin Marlene Kronenberg, die die nächste Expedition ab dem kommenden Wochenende leiten wird, nebst einer zweiten Leiterin, einer Bergführerin und einer Begleiterin. Es war zwar nicht Kronenberg, die den Findelngletscher ob Zermatt als idealen Standort für die «Girls on Ice»-Expeditionen ausgesucht hat, aber auch sie findet diesen Gletscher ideal. «Wir befinden uns an einem sehr abgelegenen Ort, wo weder Bergsteiger-Routen vorbeiführen noch Tausende von Wanderern vorbeikommen», meint sie.

Fördert Selbstvertrauen

Hier sollen die jungen Frauen eigene Forschungsprojekte definieren und umsetzen. «Letztes Jahr hat ein Dreierteam beschlossen, die Temperaturen der auf dem Gletscher fliessenden Bäche zu messen, und war überrascht, dass sie alle null Grad kalt waren», erzählt Kronenberg. Das sei zwar keine bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnis – trotzdem tragen solche Erfahrungen dazu bei, mehr Verständnis für die alpine Ökologie zu gewinnen. Die Erkenntnisse, welche die jungen Frauen sammeln, werden sie kurz nach der Expedition sogar präsentieren. Dadurch, dass ausschliesslich junge Frauen teilnehmen, entstehen auch andere Dynamiken. «Da trauen sich Frauen Dinge zu, die sie in gemischten Gruppen eher den männlichen Kollegen überlassen würden. Dadurch wird ihr Selbstvertrauen gefördert», meint Kronenberg. Zumal das Bergsteigen, die Naturwissenschaft und die Technik immer noch überwiegend männlich dominiert seien.

Letzte Vorbereitungen

Vorerst ist Kronenberg aber noch damit beschäftigt, die Expeditionen, die diesen Samstag für deutschsprachige und eine Woche später auch für französischsprachige Teilnehmerinnen starten, vorzubereiten. Seit gestern Mittwoch ist sie bereits in Brig und organisiert die Ausrüstung – vom technischen Gerät zur Vermessung des Gletschers bis hin zu den Bergschuhen, Steigeisen und Rucksäcken. Sie kaufte auch Lebensmittel, die luft- und wasserdicht verpackt wurden. Ab heute Donnerstag erkundet sie die Umgebung des Findelngletschers, um zu entscheiden, wo die Zelte aufgeschlagen werden – wozu die Gemeinde Zermatt bereits eine Ausnahmebewilligung erteilt hat. «Auch das trägt dazu bei, Selbstvertrauen zu fördern», ist Kronenberg überzeugt.

Christian Zufferey

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