Weinbau | Nach Kritik am Einsatz von Pestiziden

Hoffen auf Verbesserungen beim Einsatz von Pestiziden im Weinbau

Das Versprühen von Pestiziden mittels Helikoptern im Weinbau ist umstritten.
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Das Versprühen von Pestiziden mittels Helikoptern im Weinbau ist umstritten.
Foto: Ephraim Bieri/Greenpeace

Quelle: RZ 0

Die Denkfabrik Vision Landwirtschaft ist guter Dinge, dass sich die Praxis beim Einsatz von Pestiziden in den Walliser Rebbergen schon bald verbessert. Gleichzeitig ist man erstaunt über die Haltung des Staatsrats in der Angelegenheit.

Anfang Juni sorgte der Walliser Weinbau für nationale Schlagzeilen. Nicht etwa ob der Qualität der hiesigen Tropfen, vielmehr stand das Sprühen von Pestiziden in der Kritik. Der Grund: In Gewässern neben besprühten Weinbergen wurden stark erhöhte Konzentrationen der Unkrautvernichtungsmittel und anderer Pestizide nachgewiesen. Eine Untersuchung von Vision Landwirtschaft, einer Denkwerkstatt für eine nachhaltige Schweizer Landwirtschaft, hatte dabei aufgezeigt, dass ein Grossteil der Walliser Winzer die Regeln zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln massiv missachten. Untersuchungen des Eawag, des Wasserforschungsinstituts der ETH, ergaben denn auch, dass beispielsweise in der Tsatonire in Savièse die geltenden Pestizidgrenzwerte regelmässig überschritten werden.

Regierung angefragt

In der November-Session des Grossen Rats wollte SPO-Suppleantin Gina Schmidhalter daher von der Regierung wissen, was diese gegen die Missstände zu unternehmen gedenke. «Wie die Studie der Vision Landwirtschaft zeigt, werden Vorschriften im Walliser Rebbau systematisch missachtet», sagt Schmidhalter. «Helikopter überfliegen zum Beispiel illegalerweise Bäche oder Hecken, ohne ihre Spritzdrüsen zu verschliessen.» Schmidhalter stellte dem Staatsrat daher die zentralen Fragen, wie die Regierung künftig die Einhaltung der geltenden Gesetze garantieren wolle und was getan werden könne, um den systematischen Einsatz von Pestiziden zu reduzieren.

Unbefriedigende Antwort

Die Antwort der Regierung auf Schmidhalters Anfrage fiel indes äusserst wage aus. Der Staatsrat erklärte, dass die als Begründung herangezogene Studie von Vision Landwirtschaft «verschiedene Ungenauigkeiten beinhaltet». Zudem, so der Staatsrat, habe man seit dem Jahr 2014 mehrere Massnahmen in diesem Bereich umgesetzt, unter anderem ein Projekt für den Gewässerschutz in Spezialkulturen. Der Geschäftsführer von Vision Landwirtschaft ist ob dieser Aussage der Walliser Regierung erstaunt. «Der Staatsrat lässt offen, in welchen Punkten unsere Untersuchung ungenau sein soll», sagt Andreas Bosshard. «Wir können alle im Bericht gemachten Aussagen belegen. Die systematisch miss­achteten Vorschriften lassen sich auch im Feld jederzeit zeigen.» Auch die Aussage seitens des Staatsrats, dass verschiedenste Massnahmen im Bereich Pestizideinsatz ergriffen worden seien, sieht Bossard kritisch. «Vielmehr ist es so, dass die Probleme, welche die Studie 2013 aufzeigte, bis heute fast vollständig ungelöst blieben, wie unsere Nacherhebungen gezeigt haben.» Auch SPO-Suppleantin Gina Schmidhalter ist mit der Antwort des Staatsrats nicht zufrieden. «Anstatt die aufgeworfenen Fragen zu beantworten, verweist die Regierung in erster Linie lieber darauf, dass das Versprühen von Pestiziden mit Helikoptern immer noch das geringste Übel sei. Das ist unbefriedigend.»

Bewegung in der Sache?

Trotz der vom Staatsrat gegebenen Antwort ist man bei Vision Landwirtschaft dennoch zuversichtlich, dass die Probleme jetzt engagiert angegangen werden. Im Oktober trafen sich Vertreter der Dienststelle für Landwirtschaft mit Vision Landwirtschaft, um Massnahmen zur Verbesserung der Situation im Walliser Weinbau zu besprechen. «Das Ziel ist es, dass in zwei Jahren im Wallis keine überdurchschnittlichen Überschreitungen der Abstandsgesetze mehr gefunden werden und dass ab dann auch die Ausnahmeregelung für flächendeckenden Herbizideinsatz im Walliser Rebbau eliminiert ist», sagt Bosshard. «Im Gespräch mit den Vertretern der Dienststelle für Landwirtschaft wurde klar, dass in der Dienststelle diese Auffassung geteilt wird und dass man bestrebt ist, die Probleme mit konkreten Massnahmen gezielt zu lösen.» Bosshard ist überzeugt, dass sich die Walliser Winzer ebenso hinter dieses Ziel stellen. Denn viele wüssten gar nicht, dass sie bisher ständig Gesetze verletzten. «Und als Umweltsünder von den Medien an den Pranger gestellt zu werden, sei das letzte, was sich die Weinproduzenten im ohnehin wirtschaftlich schwierigen Umfeld leisten könnten», gibt Bossard zu bedenken.

Politischer Druck

Während Vision Landwirtschaft auf den Dialog mit der zuständigen Dienststelle setzt, wollen die Grünen den politischen Druck auf den Staatsrat erhöhen. So wurde im November ein Postulat ausgearbeitet, in dem die Grünen vor der Regierung fordern, die Probleme unverzüglich anzugehen. Konkret solle der Staatsrat Kontrollmechanismen einrichten, damit sichergestellt werde, dass die gesetzlichen Grenz­abstände eingehalten würden. Zudem bedürfe es eines Aktionsplans zur generellen Verminderung des Einsatzes von Pestiziden im Weinbau. Dazu müsse vor allem die Ausnahmeregelung für den flächendeckenden Einsatz von Pestiziden den heutigen, technischen Gegebenheiten angepasst werden. Der Grosse Rat wird sich wohl im kommenden Jahr mit dem Vorstoss der Grünen befassen.

Martin Meul

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