Raron | Valperca in Raron

Lötschbergwasser für die Fischzucht

Valperca-CEO David Morard mit Abteilungsleiterin Maggie Furrer.
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Valperca-CEO David Morard mit Abteilungsleiterin Maggie Furrer.
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Vor zehn Jahren ist in Raron eine der ersten landbasierten Fischzucht-Anlagen der Welt in Betrieb gegangen. Es sei eine gewagte Investition gewesen, erinnert sich CEO David Morard.

Im Herbst 2009 hat die Firma Valperca in Raron, mit konstant 18 Grad warmem Wasser aus dem Lötschberg-Basistunnel, mit der Aufzucht von Eglis in einem geschlossenen Kreislauf begonnen. Es war eine der ersten landbasierten Aquakulturen der Schweiz, ja sogar weltweit. Inzwischen entstanden vergleichbare Anlagen auch vor dem Nordportal des Gotthard-Basistunnels oder im Misox – für Zander und Lachs. Das Tropenhaus in Frutigen und Valperca in Raron gehören damit zu den Pionieren von landbasierter Fischzucht, und der Neuenburger David Morard, seit 2016 CEO der Valperca, ist erster Präsident des soeben gegründeten Verbands der Schweizer Aquakulturen.

Den Mai vortäuschen

«Unser grösstes Problem war am Anfang, genau zu wissen, was ein Egli braucht, damit er laicht», erklärt Morard. «25 Jahre nachdem wir in Chavornay, nahe dem Neuenburgersee, mit Eglis zu experimentieren begonnen haben, wissen wir, dass man die Fische mithilfe von Licht und Temperatur praktisch glauben machen muss, es sei Mai», ergänzt er. Noch heute werden die Satz­fische, 40 000 bis 50 000 Jungfische von gerade mal zehn Gramm, wöchentlich per Camion von Chavornay nach Raron gebracht. Die ursprüngliche Idee, den Egli in Netzgehegen im Neuenburgersee grosszuziehen, sei ein Fehlschlag gewesen, erinnert sich Morard. Entsprechend gewagt war damit die Investition in die Aquakultur-Anlage in Raron, zumal es etwa zehn bis zwölf Monate dauert, bis aus einem Ei ein schlachtreifer Fisch von etwa 150 bis 300 Gramm wird. Es gab manchen Rückschlag zu überwinden. Im letzten Dezember erst verendeten 200 000 Fische aufgrund eines Fehlers im Informatiksystem.

25 Jahre lang getüftelt

Nach jahrelangem Tüfteln weiss man heute auch, dass LED-Leuchten statt Neonröhren flackerndes Licht vermeiden, oder dass man für Larven in bestimmten Lebensphasen sogar besser blaues Licht verwendet. Die meisten Betriebsgeheimnisse verrät Morard aber nicht. Auch zum Futter verrät Morard einzig, dass die Fische eine Mischung aus Gemüse und Fisch fressen. Weil der Egli ein Räuber mit Hang zum Kannibalismus ist, sind neben der Zusammensetzung des Futters auch die Fütterungszeitpunkte von massgebender Bedeutung, wenn man verhindern will, dass sich die Fische gegenseitig töten. Vor zwei, drei Jahren erst habe man genügend Erfahrungen gesammelt, um den Egli in grösserer Quantität auf den Markt zu bringen. Letztes Jahr wurde sogar erstmals die Marke von mehr als 100 Tonnen verkauftem Fisch durchbrochen – das ist fast doppelt so viel wie 2016. Bis in drei Jahren will Morard sogar mehr als 200 Tonnen Egli verkaufen, weshalb das Tüfteln für ihn und sein Team weitergeht. Vor einem Monat hat er etwa die Egli-Bratwurst auf den Markt gebracht. Morard ­kreierte für den «Fisch aus Walliser Bergwasser» sogar eine neue Marke: «La Perche Loë». Der aus dem Patois stammende Begriff (eine Sprache, die heute nur noch in Evolène lebendig erhalten wird) bedeutet praktisch Fisch von den Gipfeln der Berge.

Christian Zufferey

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