Region | Schmerzhaftes Ritual

Schüler fürchten sich vor Schlag auf den Nacken

So manch ein Schüler muss nach dem Coiffeurbesuch seinen Nacken für einen Schlag seiner Mitschüler hinhalten.
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So manch ein Schüler muss nach dem Coiffeurbesuch seinen Nacken für einen Schlag seiner Mitschüler hinhalten.
Foto: Alain Amherd

Quelle: RZ 0

An Schulen kommt es oft zu einem Ritual: Kommt ein Kind mit geschnittenen Haaren zur Schule, so wird ihm auf den Nacken geschlagen. Gewisse Schüler gehen darum gar nicht mehr zum Coiffeur.

Rituale unter Schülern sind weit verbreitet und geniessen teils ­grosse Beliebtheit. An einem scheiden sich aber die Geister. Der vor allem unter Buben weit verbreitete ­Nackenschlag nach dem Coiffeur­besuch: Das Kind senkt den Kopf, macht den Nacken frei und die Mitschüler schlagen teils heftig zu. Eine Berner Schule hatte laut eines ­Artikels der «Berner Zeitung» genug und setzte dem Treiben mittels ­offiziellem Verbot ein Ende. Die Schulleitung begründet den Schritt mit einer «erniedrigenden Situation» und findet das Ganze ­«äusserst bedenklich und gefährlich».

Besorgte Eltern

Auch an hiesigen Schulen kommt das offenbar vor, worüber in Elternkreisen teils heftig diskutiert wird. Deren Urteil fällt unterschiedlich aus: So gibt es Eltern, die darum auch schon bei der Schule interveniert haben, andere wiederum schätzen dies als absolut unbedenklich ein. Doch offenbar gibt es ­Kinder, bei welchen es mehr auslöst als manchen Eltern lieb ist: Sie ­gehen aus Angst gar nicht mehr zum Coiffeur, wie eine besorgte Mutter sagt. «Ich finde das sinnlos und schlicht unverständlich, ein Kind zu schlagen, nur weil es die Haare ­geschnitten hat», sagt sie, die ­anonym bleiben möchte.

In der Klasse ansprechen

Auch den Verantwortlichen ist das Thema bekannt, wie das Beispiel Leuk zeigt. «Das ist bei uns auch schon vorgekommen, und wir ­versuchen das in erster Instanz über die Klassenlehrer zu lösen», sagt Schuldirektor Stefan Wyer. Solche Vorfälle würden sicher nicht bagatellisiert und würden ernst genommen. Die Schulsozialarbeit habe man bisher noch nicht beiziehen müssen. Auch an anderen Schulen soll es dem Vernehmen nach immer wieder vorkommen. Doch eine Umfrage bei den Schulen Brig Süd, Aletsch und Raron zeigt, dass zumindest die Schuldirektoren «nichts davon gehört haben». Ausgeschlossen sei jedoch nicht, dass solche Vorfälle allenfalls auf Stufe Schulsozialarbeit bekannt seien, was der Briger Schulsozialarbeiter Christian Bayard bestätigt: «Wir wurden von Schülern schon verschiedentlich darauf angesprochen.» Wichtig sei, dass man die Kinder sensibilisiere, dass es nicht von allen als Spass empfunden werde und Grenzen zu respektieren seien. «Schwächen dürfen nicht ausgenützt werden», so Bayard.

Peter Abgottspon

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