Kolumne | Diese Woche zum Thema:

Windsun und Erdverlegung

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
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Peter Bodenmann und Oskar Freysinger schreiben in der Rhonezeitung.
Foto: Walliser Bote

Quelle: RZ 0

Der ehemalige SP-Schweiz-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann und Alt-Staatsrat und Schriftsteller Oskar Freysinger im Wortgefecht.

Peter Bodenmann, ehemaliger SP-Schweiz-Präsident und Hotelier

Unsere Undercover-Agenten: Jean-Michel Cina und Roberto Schmidt

Oskar Freysinger versteht von Energie so viel wie ich von barocker ­Kirchenmusik. Somit gar nichts.

Altes Beispiel 1: In dieser Rubrik behauptete Freysinger: Das Elektroauto ist tot. Die Zukunft gehöre dem Wasserstoffauto. Dies in der Logik der SVP-nahen Emil Frey AG. Freysinger wie Frey. Inzwischen setzen auch die Japaner voll auf das Elek­troauto. Ignoranten-Pech.

Altes Beispiel 2: Das Trio Louis Ursprung, Roland Squaratti und ­Renato Kronig hat die EnBAG schlecht ­geredet. Die Aktien seien nicht, wie vom Verkehrsverein bilanziert, 7000 Franken wert, sondern viel weniger. Freysinger verbreitet dieses Märchen. Die Geschichte hinter der Geschichte: Renato Kronig wollte Verwandten günstig Aktien abluchsen. Louis ­Ursprung wollte seine Misswirtschaft beim Verkehrsverein vertuschen. Dank Beat Britsch bilanziert die EnBAG ihr Vermögen jetzt immerhin halbwegs richtig. Das Unternehmen ist neu 100 Millionen Franken wert. Mehr als 20 000 Franken pro Aktie. Roland Squaratti, der bei der Trickserei als Revisor mitgemacht hat, verlor sein Mandat. Ein Fall für den Oberstaatsanwalt.

«Staatsrat lässt die Gemeinden im Stich»

Neues Beispiel 3: 1998 unterschrieb der Staatsrat in Sachen Autobahn einen Vertrag mit den Umweltorganisationen. Bestandteil war der angedachte Bau eines Infrastruktur­kanals. Während 20 Jahren kam die staatsrätliche Autobahnkommission nicht ein einziges Mal zusammen. Die Gemeinden zwischen Chamoson und Chippis wurden im Stich gelassen. Genauso wie die schläfrigen Gommer Gemeinden. Rechte und linke Staatsräte waren für Swissgrid unterwegs. Im Goms sieht man, wohin das führt. Dabei ist die ­Gommer Leitung überflüssig. ­Warum? Die italienischen Grillinis und Salvinis haben die 380 kV-Leitung durch das Formazzatal fallen gelassen. Notwendig ist zwischen Bitsch und Chippis deshalb nur eine kleine erdverlegte Leitung. Die betroffenen Gemeinden müssten dem europaweit führenden Professor Brakelmann eine Studie in Auftrag geben. Denn Roberto Schmidt ist – wie schon Jean-Michel Cina – ein Undercover-Agent von ­Alpiq und Swissgrid.

Neues Beispiel 4: Die Deutschen produzieren pro Kopf achtmal mehr Solarstrom als wir Schweizer. Wir können problemlos aufholen. Denn die Kilowattstunde Solarstrom ist inzwischen zweimal billiger als die Kilowattstunde Strom aus neuen Kleinwasserkraftwerken. Der weitere Vorteil: Alpine ­bifaziale Freilandanlagen produzieren mehr Strom im Winter als im Sommer. Winsun hat etwas versucht. Immerhin. Scheitern und zweite Anläufe gehören zum Kapitalismus. Winsun müsste neue Projekte anschreiben. Gefordert wären Jean-Michel Cina und Renato Kronig. Wir haben zwei Nieten zu viel. Leider.


Oskar Freysinger, ehemaliger SVP-Staatsrat und Schriftsteller

Windsun und Erdverlegung

An der Strombörse in Leipzig wird geschaut, dass das europäische Stromnetz reibungslos und zum günstigsten Preis versorgt wird. Das einzige Problem dabei ist, dass die Börse für die Qualität des Stroms völlig blind ist: ein Kilowatt ist ein Kilowatt, Punkt, Schluss. Die massive Senkung der finanziellen Rentabilität unserer einheimischen Wasserkraft rührt jedoch gerade daher, dass der qualitative Mehrwert, den sie darstellt, nicht in Betracht gezogen wird und es für sie zwischen den übersubventionierten Windsun-Energien, dem billigen Braunkohlestrom (der deren Unbeständigkeit kompensieren soll) und dem Atomstrom aus veralteten osteuropäischen Atomkraftwerken immer enger wird.

Angesichts dieser Situation hätte sich dem Wallis eine wahrhaft innovative Lösung angeboten, für die Grossrat Albert Pitteloud seit Jahren erfolglos weibelt: Der Bau einer in den Uferdeich der Rhone integrierten technischen Hülle, einer Energie-Autobahn, die nicht nur Strom und Megabytes auf kürzestem Weg durch das Rhonetal geführt, sondern auch das turbinierte Trinkwasser der Stauseen kanalisiert und den ­zukünftigen Verbrauchern zugeleitet hätte. Mitunter wären auf diese Weise die hohen Elektrizitätsmasten verhindert worden, gegen die der Walliser Staatsrat vor 20 Jahren einzusprechen vergass, weil einer der Staatsräte mit dem massgeblichen Elektrizitätsriesen verbandelt war.

Als ich Pittelouds Zukunftsvision in der Regierung vertrat, fand ich kein Gehör, weil es Melly und Konsorten nur darum ging, in Bern maximale Subventionen für das pharaonische Rhone-III-Projekt zu ergattern. Dabei wird sich das Trinkwasser in den nächsten Jahrzehnten als ein noch kost­bareres Gut erweisen als der Strom und könnte unserem Kanton – der ohne die Zuschüsse der BNS und des Finanzausgleichs jedes Jahr massiv defizitär wäre – die nötigen Devisen bringen, damit er endlich auf eigenen Füssen steht. Um einen Umschwung in der Regierungsführung zu ermöglichen, versuchte ich es vor zwei Jahren mit dem «rechtsbürgerlichen Bündnis» und scheiterte. Für mich persönlich keine Katastrophe und wahrscheinlich lebensrettend. Für das Wallis jedoch ­weniger erbaulich: Es wird nun weitergewurstelt und geschoben wie bisher, weil ja glücklicherweise Geld von aussen zufliesst und mit vollen Händen ausgegeben werden kann. Dabei wird an der Substanz der rigorosen Geschäftsführung von Maurice Tornay gezehrt. Zu bedauern sind die zukünftigen Staatsräte, die nach der heutigen Wohlfühl-Regierungsriege die Geschäfte übernehmen werden.

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