Standpunkt | Zum Pflichtfach Informatik

Digitale Augenwischerei des Bundesrats

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Der Bundesrat hat das Fach Informatik zum Pflichtfach an den Gymnasien in der Schweiz erklärt. In spätestens vier Jahren müssen also alle Maturandinnen und Maturanden sich mit dem Funktionieren und Bedienen von Computern auseinandersetzen. An vielen Kollegien ist dies schon lange so. So waren ich und meine Klassenkameraden schon Ende der 1990er-Jahre am Kollegium in Brig obligatorisch dazu angehalten, eigene Homepages zu programmieren. Nun werden dies oder Ähnliches also alle Kollegiumsschüler im Land tun müssen. So gesehen war man am Kollegium «Spiritus Sanctus» der Zeit um 20 Jahre voraus, und das ist gut. Allerdings ist es auch ein Zeichen dafür, dass die Intention des Bundesrats, warum er Informatik zum obligatorischen Fach am Kollegium macht, strukturelle Schwächen hat. «Die gesellschaftliche Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien nimmt stetig zu», schreibt die Regierung nämlich als Begründung. Die Massnahme solle daher die Studierfähigkeit der Kollegiumsschüler für Informatik erhöhen. Wäre dies realistisch, so hätte das Kollegium in Brig in den letzten Jahrzehnten also unzählige Informatikstudenten «produzieren» müssen. Hat es aber nicht getan. Die Massnahme des Bundesrats ist daher digitale Augenwischerei, denn das Problem der mangelnden Informatikstudenten dürfte ein anderes sein, als dass zu viele Maturanden es sich nicht zutrauen, Computerwissenschaften zu studieren. Informatik und Computer bestimmen unseren Alltag schon seit langer Zeit. Der Bundesrat tut hingegen so, als ob man junge Leute mit einer ach so neuen Technologie in Kontakt bringen müsste, gerade so, als ob an den Gymnasien noch mit Schreibmaschine geschrieben würde. De facto heisst der Grund für die fehlenden Studenten wohl eher: Viele junge Leute haben schlicht keine Lust auf ein anspruchsvolles Informatikstudium. Ob die Massnahme des Bundesrats daran etwas ändern wird, darf getrost bezweifelt werden.

Martin Meul

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