Kommentar | Der Ruf nach dem Staat ist gefährlich

Für Kinder und Gesundheit muss man sparen

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Fast 200 Millionen wird beziehungsweise muss der Kanton Wallis im kommenden Jahr für die Individuelle Prämienverbilligung (IPV) ausgeben. Das sind 12,5 Millionen mehr als in diesem Jahr. Insgesamt kommen 71 000 Walliserinnen und Walliser, ungefähr 20 Prozent der Versicherten, in den zweifelhaften Genuss von verbilligten Krankenkassenprämien. Dabei werden die Prämien von Kindern aus wirtschaftlich schwachen Familien neu zu mindestens 60 statt bislang 50 Prozent von der Allgemeinheit übernommen. Das Bild, das sich durch die IPV für die Gesellschaft zeichnet, gibt dabei allerdings wenig Anlass zu Freudensprüngen. Die IPV lässt nämlich erkennen, dass sich 20 Prozent (!) der Walliserinnen und Walliser eine «gute Gesundheit» kaum oder gar nicht mehr leisten könnte, wäre da nicht der Sozialstaat, der Millionen in die Hand nimmt, um einzuspringen. Gleiches gilt auch für die Kindererziehung. Diese, gerade wenn es um externe Betreuung geht, wäre ohne staatliche Gelder für die wenigsten bezahlbar. In der Konsequenz heisst das: Auch im Wallis können sich viele Menschen die grundlegendsten Dinge ohne den Staat nicht mehr leisten. Die Reaktion vieler darauf besteht darin, einfach nach mehr Staat zu rufen. Doch ist dies schlicht kurzsichtig. Denn der Staat ist keine Gelddruckmaschine, sondern eine Umverteilungseinrichtung. Alles, was der eine bekommt, muss ein anderer bezahlen. Wer für sich mehr in Anspruch nehmen will, sollte daher nicht vergessen, dass ein anderer dafür weniger hat. Dieses Bewusstsein ist jedoch nicht immer spürbar, gerade wenn es um die Finanzierung von Kindern geht. Schnell wird da einmal die «Kinder-sind unsere-Zukunft»-Keule geschwungen und Geld gefordert. Das ist allerdings für den gesellschaftlichen Zusammenhang gefährlich, denn jede soziale Haltung hat auch ihre Grenzen. Ein sozialer Staat ist gut und wichtig, immer nur fordern jedoch falsch. Für manche Dinge muss man auch auf etwas verzichten können: Gesundheit und Kinder gehören auf jeden Fall dazu.

Martin Meul

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