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Mögliche Auswege aus der Kostenfalle im Gesundheitswesen

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Die Schweiz verfügt über eines der weltweit besten Gesundheitssysteme – leider ist es auch eines der teuersten. In den vergangenen 20 Jahren verdoppelten sich die Gesundheitskosten, und auch 2019 werden die Krankenkassenprämien schweizweit im Schnitt wieder um 1,2 Prozent steigen, im Wallis gar um 3,6 Prozent. Das Grundproblem: Die finanziellen Anreize, sich wirtschaftlich zu verhalten, sind im Gesundheitswesen dünn gesät. Der Arzt, der seinem hustenden Patienten rät, einige Tage zu Hause zu bleiben und Tee zu trinken, verdient weniger als der, der dem gleichen Patienten einen potenten Hustensaft verschreibt und ihn zur Kontrolle nochmals in die Praxis bestellt. Dazu hat sich das Konsumverhalten von uns allen verändert. Es herrscht eine luxuriöse Anspruchsmentalität. Wir wollen alles, was die (Spitzen-)Medizin zu bieten hat. Kein Wunder, nimmt die Zahl der Hausärzte ab, die der Spezialärzte aber stetig zu. Beispielsweise gibt es heute doppelt so viele Radiologen wie 2003. Wie also die Kostenspirale im Gesundheitswesen bremsen? «Die Kosten lassen sich nicht reduzieren, wenn der Leistungskatalog stetig erweitert und nie etwas ausgemistet wird», sagt etwa Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly vom Vergleichsdienst Comparis, und Helsana-Chef Daniel Schmutz doppelt in einem Interview mit der «Handelszeitung» nach: «Eine Versicherung ist ja eigentlich dazu da, dann einzuspringen, wenn es teuer wird. Das ist der Versicherungsgedanke. Es kann nicht sein, dass Versicherungen einfach alles bezahlen. Oder dann nur gegen eine entsprechende Prämie.» Konsequent zu Ende gedacht heisst dies: Mehr Selbstverantwortung, eine höhere Mindestfranchise, wer mehr Leistungen bezieht, der soll auch mehr aus der eigenen Tasche bezahlen, zusätzlich werden obligatorische Leistungen abgebaut. Ebenso müssten konsequent Fehlanreize bei Ärzten und Spitälern beseitigt werden. Sogar die Zweiklassenmedizin darf nicht länger ein Tabuthema bleiben. Wem diese Reformideen jetzt zu radikal erscheinen, darf sich nicht beklagen, wenn seine Krankenkassenpolice nächstes Jahr wieder etwas höher ausfällt.

Frank O. Salzgeber

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Kommentare

  • Arthur Heinzmann, Visp - 20

    Gut gebrüllt Löwe, oder gut gedacht Herr Salzgeber! Leider sieht es heute oft so aus, dass der Patient bei einem Bienenstich bereits - in gewohnt verantwortungsloser Manier - von seinem Arzt ein MRT verschrieben haben möchte. Leistet der Arzt diesem Wunsch Folge, so ist er ein sehr guter und empfehlenswerter Arzt. Weigert er sich aber, so ist er ein *** (ich zensuriere den Ausdruck mal). Unter solchem "krankhaften" Verhalten leidet dann die ganze Gesellschaft und viele, die dieses Vorgehen beachten, denken sich dann, in derselben verantwortungsloser Manier, "was der kann, kann ich auch" und so darf sich keiner wundern, wenn sich die KK-Prämien in wenigen Jahren verdoppeln.

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