Soziale Medien | Sicherheitslücke bei Chatdienst

Hacker greifen Whatsapp mit Spionage-Software an

Ein Anruf genügte. Wegen einer Sicherheitslücke bei WhatsApp hatten Angreifer unbemerkt Spionagesoftware auf Android- und iOS-Geräten installieren können. Nutzer sollten die App jetzt updaten.
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Ein Anruf genügte. Wegen einer Sicherheitslücke bei WhatsApp hatten Angreifer unbemerkt Spionagesoftware auf Android- und iOS-Geräten installieren können. Nutzer sollten die App jetzt updaten.
Foto: Keystone

Quelle: SDA 0

Bei dem zu Facebook gehörenden Nachrichtendienst Whatsapp hat es eine massive Sicherheitslücke gegeben. Durch diese sei es möglich gewesen, eine Überwachungs-Software auf Smartphones zu installieren, ohne dass es Nutzer bemerkt hätten, erklärte Whatsapp am Dienstag.

Allen Nutzern werde empfohlen, ein Update der App und des Handy-Betriebssystems durchzuführen. Die Überwachungs-Software stammt laut «Financial Times» von der israelischen Firma NSO, die Technologien für Spionage an Geheimdienste und Sicherheitsbehörden verkauft. Die Chat-App wird täglich von rund 1,5 Milliarden Menschen benutzt.

Die Hacker hätten die Software durch einen WhatsApp-Anruf in das Gerät eingeschleust, selbst wenn der Angerufene gar nicht abgenommen habe, berichtete die Zeitung. Whatsapp gehe davon aus, dass nur vereinzelt Nutzer von dem Anfang Mai bekannt gewordenen Problem betroffen seien.

Die Sicherheits-Lücke sei über das Wochenende geschlossen worden. Die in Irland ansässige EU-Datenschutzbehörde DPC erklärte, Whatsapp habe sie über eine «erhebliche Sicherheitslücke» informiert, durch die sich Hacker Zugriff auf sämtliche Daten auf den Handys verschaffen könnten. Es werde nun untersucht, ob Nutzer in der EU betroffen seien.

NSO setze die Technologien zur Spionage nicht selbst ein, sondern veräussere sie an Regierungen, erklärte das Unternehmen gegenüber Reuters. Die Behörden verwendeten die Produkte zur Bekämpfung von Kriminalität und Terror. Der Konzern werde aber einen möglichen Missbrauch prüfen.

Neuer Daten-Skandal für Facebook

Medienberichten zufolge kam die Sache ins Rollen, nachdem ein Menschenrechtsanwalt in Grossbritannien mehrere verdächtige Whatsapp-Anrufe erhielt. Wissenschaftler der Universität Toronto in Kanada hätten den Fall dann öffentlich gemacht. Der Angriff sei durch die von Whatsapp unternommenen Gegenmassnahmen aber gescheitert, hiess es.

Der Chatdienst erfuhr Anfang Mai von dem Problem. Laut Facebook könnten von der Hackerattacke Smartphones mit dem Android-Betriebssystem von Google, iPhones von Apple sowie Mobiltelefone von Microsoft und Samsung betroffen sein.

Eines der bekanntesten Produkte der einem Finanzinvestor gehörenden NSO ist eine Software mit dem Namen «Pegasus», die aus einem Smartphone ein Abhörinstrument machen kann. Über eine Whatsapp-Nachricht, eine Email oder eine Textnachricht kann sich die Software auf dem Handy installieren und Daten angreifen.

Facebook hatte Whatsapp vor fünf Jahren für 19 Milliarden Dollar gekauft. Firmen-Mitgründer Chris Hughes hatte sich vor ein paar Tagen für eine Aufspaltung des Unternehmens ausgesprochen, weil es seiner Ansicht nach zu mächtig geworden sei. Das weltgrösste soziale Online-Netzwerk, das von zwei Milliarden Menschen genutzt wird, stand in der Vergangenheit öfter in der Kritik wegen Datenschutz-Pannen in Europa und den USA.

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